Natur & Umwelt

BGL: Schutz von Ackerwildkräutern

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Mit dem Schutz von Ackerwildkräutern beschäftigt sich die Biosphären-Verwaltungsstelle mittlerweile seit 10 Jahren. Im Rahmen des Interreg-Projekts „Wild und kultiviert – Regionale Vielfalt säen“ wurden von 2016 bis 2018 heimische Ackerwildkrautbestände identifiziert, beerntet und zwischenvermehrt. Seitdem werden diese Tätigkeiten fortgeführt.

So erfolgt die Vermehrung der Ackerwildkräuter in Kooperation mit der Gärtnerei von Haus Hohenfried auf Basis von handgesammelten, heimischen Beständen. Die gesammelten Samen werden gärtnerisch vermehrt und dann gemeinsam mit landwirtschaftlichen Bio-Betrieben auf Getreideäckern in der Region ausgebracht. Ackerwildkräuter sind Blütenpflanzen, die in Getreidefeldern wachsen. Mit dem Beginn des Ackerbaus vor rund 7.000 Jahren haben sich die Ackerwildkräuter vom Orient über Südosteuropa auch bei uns angesiedelt und sich dem Anbauzyklus der Nutzpflanzen angepasst – als Grundvoraussetzung brauchen sie eine regelmäßige Bodenbearbeitung, offenen Boden und eine möglichst ökologische Anbauweise. Durch eine verbesserte Saatgutreinigung, neu gezüchtete Getreidesorten, Pestizideinsatz und eine intensivere Bodenbearbeitung sind die Ackerwildkräuter in den letzten Jahrzehnten massiv zurück gegangen, so dass sie heute zu den am stärksten bedrohten Pflanzengruppen Mitteleuropas zählen. In Deutschland sind 323 Ackerwildkrautarten bekannt, in Bayern stehen rund 30 % auf der Roten Liste der bedrohten Pflanzenarten.

Die bunten Begleiter auf den Äckern haben zahlreiche positive Eigenschaften: Die unterschiedliche Wurzelbildung verbessert den Boden und den Wasserhaushalt und gibt Schutz vor Erosion. Mit ihren Blüten bieten sie Wildbienen, Schmetterlingen und vielen weiteren Insekten Nahrung. Ihre Samen dienen zahlreichen Vogelarten als wichtige Nahrungsquelle und ihre Bestände schaffen Lebensraum für eine Vielzahl weiterer Organismen, die auch im Hinblick auf Schädlingsbekämpfung positive Auswirkungen haben können. Als Teil artenreicher Ackerlebensräume tragen sie dazu bei, ökologische Wechselwirkungen zu erhalten und stabile, widerstandsfähige Ökosysteme zu fördern. Ackerwildkräuter sind überdies ein wichtiger Bestandteil im Biotopverbund und in unserer Kulturlandschaft.

Im Rahmen einer Masterarbeit wurden im Sommer 2024 im Berchtesgadener Land 42 ökologische Getreidefelder kartiert, wovon auf 11 Felder von der Biosphären-Verwaltungsstelle gemeinsam mit den Betrieben bereits Ackerwildkräuter gesät wurden. Auf dem Großteil der Felder (18) wuchs zur Zeit der Kartierung Winterweizen. Dabei gab es einige spannende Ergebnisse: Insgesamt konnten 82 verschiedene Arten an Ackerwildkräutern gefunden werden, wobei die Artenanzahl pro Feld von 15 bis zu 41 verschiedenen Arten reichte und die Artenanzahl am Feldrand deutlich erhöht war im Vergleich zum Feldinneren. Der Deckungsgrad des Getreides war dabei der einzige Einfluss auf den Artenreichtum der Ackerwildkräuter – je dichter der Bestand im Feldinneren, desto weniger Arten, da Ackerwildkräuter Licht für ihr Wachstum benötigen. Dies ist mit ein Grund, warum alte Getreidesorten, wie etwa der Laufener Landweizen, Ackerwildkräutern beste Lebensbedingungen bieten. Es zeigte sich zudem, dass sich die Zusammensetzung der Arten je nachdem, wie lange ein Acker bereits nach biologischen Kriterien bewirtschaftet wurde, deutlich verändert. So gab es auf diesen Feldern deutlich mehr von den selteneren Ackerwildkrautarten, wie etwa dem Frauenspiegel. Zudem konnte festgestellt werden, dass sieben Arten in höherem Prozentsatz auf den Flächen, auf denen gemeinsam mit der Biosphären-Verwaltungsstelle ausgesät wurde, vorkamen. Der Ansaat-Erfolg war dabei besonders hoch für Ackerröte und gefurchten Feldsalat.

Kornblume und Klatsch-Mohn kamen auch auf den meisten Feldern ohne Aussaat vor. Unter den sieben Arten waren überdies Frauenspiegel, Acker-Stiefmütterchen und Echte Kamille. Auch die diesjährigen Beobachtungen zeigen, dass sich die Arten im Besonderen an den Ackerrändern erfolgreich etablieren konnten. Besonders ins Auge fallen die leuchtend blühenden Kornblumen (Centaurea cyanus) und der Klatschmohn (Papaver rhoeas), die die Ackerränder mit ihren charakteristischen blauen und roten Farbakzenten bereichern. Doch nicht nur diese auffälligen Arten sind ein Erfolg der Maßnahmen: Auch weniger auffällige, jedoch naturschutzfachlich mindestens ebenso wertvolle Arten wie das Acker-Stiefmütterchen (Viola arvensis), der Gefurchte Feldsalat (Valerianella rimosa) oder der Venus-Frauenspiegel (Legousia speculum-veneris) konnten nachgewiesen werden. Ihr Vorkommen zeigt, dass sich auf den Flächen wieder artenreiche und ökologisch wertvolle Ackerwildkrautgesellschaften entwickeln und auch die Aussaat auf den Feldern Erfolg zeigt.

Neben dem Ziel, die Wiederansiedelung heimischer Ackerwildkräuter in der Biosphärenregion Berchtesgadener Land zu fördern, soll die Öffentlichkeit für die Bedeutung der Ackerwildkrautbegleitflora, wie die Ackerwildkräuter auch genannt werden, sensibilisiert werden. Im Rahmen von Informations- und Mitmachangeboten vermittelt die Biosphären-Verwaltungsstelle, welchen Beitrag diese Pflanzen zur Artenvielfalt und zu funktionierenden Ökosystemen leisten.
An dieser Stelle ist ein besonderer Dank den Landwirtinnen und Landwirten auszusprechen, die sich für die Ackerwildkräuter einsetzen. Haben Sie selbst Äcker, auf denen wir gemeinsam heimische Ackerwildkräuter ausbringen und vermehren können? Oder haben Sie Ackerwildkräuter auf Ihren Feldern, die beerntet werden können? Dann melden Sie sich gerne bei Karin Heinrich von der Biosphären-Verwaltungsstelle unter Tel: 08654 30946-16 oder per Mail an karin.heinrich@reg-ob.bayern.de. Für die Aussaat ist der beste Zeitpunkt im Oktober.

Weitere Informationen zu Ackerwildkräutern gibt es auf der Biosphären-Website unter www.biosphaerenregion-bgl.de unter Bereiche & Aufgaben > Landschaftsökologie & Biodiversität > Ackerwildkräuter.

Bericht und Foto: Biosphärenregion Berchtesgadener Land  – Ackerwildkräuter für eine bunte, ökologische Vielfalt in unserer Kulturlandschaft  


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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