Eggstätt: Seit Wochen machen weiße ovale Schilder an den Einfahrten des Ortes auf das 50-jährige Jubiläum der Christlichen Frauenbewegung am 15. August aufmerksam. Kaiserwetter und hochsommerliche Temperaturen grüßen bereits am Morgen die Ortsvereine und den Jubelverein, die Vertreter der Kommune und vielen Bürgerinnen und Bürger, die sich in der Hartseestraße zur Aufstellung zum Kirchenzug treffen.
Zu den Klängen der Seeoner Blaskapelle und angeführt von Stefan Langl ging es über die Obinger Straße zum festlich geschmückten Freialtar auf dem Rathausplatz. „Es sollen die Lüfte erschallen vor Jubel“ stimmt der Chor zum Auftakt der kirchlichen Feier an. Pfarrer Andreas Przybylski zelebriert zusammen mit Pfarrer Peter Bergmaier und Diakon Sepp Stürzer den Festgottesdienst.
„50 Jahre sind eine stolze Zeit“ so Pfarrer Przybylski eingangs seiner Begrüßung, „schön, dass man gerade am Fest der Aufnahme Maria in den Himmel, an Maria Himmelfahr das Fest und Jubiläum der Christlichen Frauenbewegung Eggstätt zusammen feiern dürfen“. Musikalisch wird der Festgottesdienst von Nadja Stübl (Keyboard), Irmgard Summerer (Geige) und dem Eggstätter Kirchenchor untermalt. Blühende Blumen und duftende Kräuter bestimmen den Tag Maria Himmelfahrt. „Ein passender Tag, um das Jubiläum der Frauenbewegung zu zeigen, weil es an diesem Tag um eine Frau geht, die Berufung hat, die die Nähe Jesu als großen Segen erlebt, die in Mitten der Jünger Zusammenhalt fordert und fördert, die viele Menschen zu Jesus führt und vermittelt und diese Personenbeschreibung von Maria, könnte auch so was wie die Satzung, bzw. ein Leitfaden für die Frauenbewegung sein“ erzählt Pfarrer Przybylski.
Seit dem 19.11.1976 unternehmen die Frauen der Pfarrei Eggstätt nicht nur gemeinsame Ausflüge und Wanderungen, sondern organisieren auch die Zwergerlgruppe, führen beim jährlichen Brunch die Generationen zusammen, unterstützen mit der Flohmarkthütte und den genähten Herzkissen soziale Projekte und begleiten natürlich auch die kirchlichen Feste wie Fronleichnam und Maria Himmelfahrt.
Gerade Maria Himmelfahrt mit der Kräutersegnung passt zum CFB Jubiläum und wie es einst schon Pfarrer Dr. Max Zeitler ausdrückte, sind die Frauen des Frauenbundes so vielfältig wie die Blumen auf einer Wiese, jede hat eine besondere Eigenschaft, Talente und Schönheit. Gerade deshalb ergeben sie zusammen den schönsten Strauß. Mit netten Versen und den entsprechenden Kräutertöpfen stellen Doris Kappel, Christine Öckel, Gaby Kynast-Obinger einen traditionellem Kräuterstrauß vor, zudem unbedingt der Frauenmantel gehört. Das hat sich besonders in der Frauenheilkunde bewährt und für die CFB bedeutend, dass sich die Frauen immer wieder heilend für andere Frauen einsetzen, wie zum Bespiel mit Spenden, oder das Nähen der Herzkissen für Brustkrebs erkrankte Frauen. Erfrischend wie die Minze sehen die Frauen der CFB Eggstätt ihre Arbeit im Hinblick auf die Kirche und das Leben der Pfarrgemeinde. Stimmungsaufhellend wie das Johanneskraut werden die Veranstaltungen gesehen, die fröhlich und lustig sind. Salbei, Petersilie, die Schafgarbe, der eine heilende Wirkung anhaftet, Wunden heilen heißt es auch oft bei der CFB, egal ob in der Zwergerlgruppe oder bei Männerschnupfen. Mittelpunkt eines Kräuterbuschens steht, die Königskerze, symbolisch für Jesus als das Licht der Welt und sinnbildlich, dass jeder Mensch eine unverlierbare königliche Würde besitzt. Mit dem „Amen“ des Pfarrers wird das Kräuterbüscherl zusammengebunden. Die mitgebrachten Kräuterbüscherl erhielten anschließend den kirchlichen Segen. Mit Böllerschüssen der Eggstätter Moosschützen wird die Gabenbereitung besonders gewürdigt. Vor dem Schlusssegen gesellen sich Don Camillo (Pfarrer Andreas Przybylski) und Peppone (Bürgermeister Christoph Kraus) zur Festgemeinde. Zwischen Pfarrer und Bürgermeister galt mit gesungenen Gstanzln abzuklären, zu wem denn nun die CFB Eggstätt gehört.
Der Pfarrer ist der Meinung, „die Frauen gehören der Kirche sicherlich – war doch Gründer des Eggstätter Frauenbundes einst Max Zeitler und Gottesmann“, was Bürgermeister Kraus ganz anders sieht, schließlich war er auch Bürger von Eggstätt und untersteht so auch weltlicher Macht. „Eggstätt statt Kirche im Ausweis steht“ wie Kraus weis und der Pfarrer darauf „doch einst diese Welt und auch Eggstätt vergeht“.
Mit viel Witz, Charme und Herzlichkeit versteht es Eggstätt‘s kirchliche und weltliche Obrigkeit diese Frage zu klären und stellen letztlich fest, dass die Frauen sich selbst gehören und es gilt ihnen zu ihrem Jubiläum zu gratulieren. Sind die Filmfiguren Don Camilo und Peppone dafür bekannt, dass sie oftmals konkurrieren um die Lösung der sozialen Fragen ihrer Zeit zu lösen, zeigt das Duo Bürgermeister und Pfarrer in Eggstätt eine sehr große Einigkeit, ein sehr respektvolles und herzliches Miteinander. Mit ihrem humorvollen Gstanzl haben die beiden die Schmunzler und Lacher auf ihrer Seite und mit einem langanhaltenden Beifall wurde ihnen diese „besondere Festrede“ von der Festgemeinde gedankt.
Über dieses harmonische Zusammenspiel von Pfarrer und Bürgermeister freut sich auch die Vorsitzende der CFB Eggstätt, Annemarie Kamysek, die vor dem Schlusssegen das Wort ergriff und sich im Namen der CFB bei allen unterstützenden Vereinen, besonders bei der Geistlichkeit, Pfarrer Andreas Przybylski, Pfarrer Peter Bergmaier und Diakon Sepp Stürzer bedankte. Einen besonderen Gruß und Dank richtet die Vorsitzende an Bürgermeister Christoph Kraus und den Gemeinderat für die gemeindliche Unterstützung.
Seit 2011 „Christliche Frauenbewegung Eggstätt“
Auf ein halbes Jahrhundert Vereinsgeschichte blicken die Frauen des Jubelvereins zurück und darauf sind sie stolz. War es doch der verstorbene Ortspfarrer Dr. Max Zeitler, der mit Weitsicht, Tatkraft und Herzblut den Grundstein für diese Gemeinschaft gelegt hat. Knapp eine Handvoll der damaligen Gründungsmitglieder leben noch, sagt die jetzige Vorsitzende Annemarie Kamysek. Berta Mayer hat als langjährige Vorsitzende des damaligen Frauenbundes Verantwortung übernommen und die Geschicke des Vereins mit viel Herzblut und großem persönlichen Einsatz gelenkt. Maria Brandstätter, Waltraud Wolf und Roswitha Wolf gehören seit 50 Jahren zu der Gemeinschaft der CFB Eggstätt und unterstützen durch ihre langjährige Treue und Verbundenheit den Verein. Ihr Wirken hat die Entwicklung der Gemeinschaft nachhaltig geprägt.
Viele Jahre hinweg engagierten sich Maria Estner und Stephanie Riedl als erste und zweite Vorsitzende sowohl im Katholischen Frauenbund, als auch später in der christlichen Frauenbewegung.
Vor 15 Jahren firmierte sich die Bewegung nun als Christliche Frauenbewegung Eggstätt um und stellte damit weiterhin das stets Gemeinsame und Verbindende in den Mittelpunkt. Die damalige Vorstandschaft bezeichnete das Wort „christlich“ ist bewusst als „Türöffner“ für Frauen aller Glaubensrichtungen und „Bewegung“ für das ständige und aktive Miteinander. Das christliche Selbstverständnis drückt sich in Offenheit und Herzlichkeit aus. Inzwischen zählen über 300 Mitglieder zu der Gemeinschaft.
Ein fester Bestandsteil des Dorflebens
Bis heute begleitet die Frauenbewegung das Kirchenjahr, in der Fastenzeit werden Palmbuschen und zu Maria Himmelfahrt die Kräuterbüscherl gebunden und zum Kauf angeboten. An Maria Empfängnis gestaltet die CFB einen Gottesdienst mit anschließender Adventfeier, der Weltgebetstag der Frauen wird organisiert und bei Maiandachten, sowie der Fronleichnamsprozession bringen sich die Mitglieder des CFB ein und nehmen geschlossen teil.
Neben den jährlichen christlichen und kirchlichen Veranstaltungen engagieren sie sich für das gemeinschaftliche Dorfleben, sei es bei Ausflügen, Wanderungen, Kursen, Vorträgen und der Zwergerlgruppe. Ein Höhepunkt im Jahr ist immer das gemeinsame Frühstück, das für die Vereinsmitglieder und Senioren organisiert wird. Eine besondere Herzensangelegenheit der CFB sind die vielen Spendenaktionen für wohltätige Zwecke, wie auch die „Herzkissen-Nähaktionen“ für die an Brustkrebs erkrankte Frauen sind ein fester Bestandteil der sozialen Arbeit. Der Erlös des Verkaufes der diesjährig gebundenen Kräuterbüschl wird an die Chiemseer Tafel in Prien gespendet, ebenso wird dieses Jahr die wunderbare Arbeit der Klinik Clowns damit unterstützt. Mit dem Erlös aus der Flohmarkthütte werden zwei Eggstätter Familien, deren Kinder dringend Hilfe benötigen unterstützt und der Erlös des Jubiläumsfestes kommt zwei Vollwaisen aus Pittenhart zu Gute.
Pfarrer Andreas Przybylski beendet mit dem Segen den Gottesdienst dem sich Diakon Sepp Stürzer mit den Worten „Gehet hin und feiert in Frieden“ anschließt und der Chor mit dem Lied „Aber heit is a Tag der mi gfreit“ abrundet. Beim gemeinsamen Festzug geht’s durchs Dorf, stolz führen die Frauen mit ihren leuchtend blau-grünen Dirndlschürzen den Zug an, der von der Seeoner Blaskapelle musikalisch begleitet wird. Bei den hochsommerlichen Temperaturen freuen sich alle auf den Frühschoppen auf dem Rathausplatz und lassen sich Weißwürste, Debreziner und die kühlen Getränke unter den schattenspendenden Linden richtig schmecken. Zu den bayrischen Klängen der „Kloahäusler Musi“, bei netten Gesprächen und einem reichhaltigen Angebot an Kuchen und Kaffee wurde das Jubiläum gebührend gefeiert und wird so, begleitet von vielen schönen Erinnerungen in die Chronik eingehen.
Bericht und Bilder: Emmy Künzner-Hingerl
Angeführt von Zugführer Stefan Langl und den Klängen der Seeoner Blasmusik geht es zum Festgottesdienst auf dem festlich geschmückten Rathausplatz
Traumwetter und hochsommerliche Temperaturen und die Frauen der CFB Eggstätt in ihren feschen Dirndln
links im Bild Ortspfarrer Andreas Przybylski
von links Doris Kappel, Christine Öckel, Gaby Kynast-Obinger stellen in Versform ein Kräuterbüscherl zusammen
Don Camillo (Pfarrer Andreas Przybylski) und Peppone (Bürgermeister Christoph Kraus) warten mit ihrer Festrede in Gstanzl-Form
Im Leutwagen ging es für (von vorne, linke Seite) Berta Mayer, Waltraud Wolf, Roswitha Wolf, Elisabeth Lindner, Annemarie Kamysek, Bürgermeister Christoph Kraus, (von vorne, rechte Seite) Maria Estner, Rosi Patze, Diakon Sepp Stürzer, Pfarrer Peter Bergmaier, Stephanie Riedl, Pfarrer Andreas Przybylski und Ursel Stadler auf die Runde des Festzuges durch den Ort
Angeführt wird der Festzug von der Seeoner Blaskapelle und dem Oldtimergespann mit den Ehrengästen
Stolz und mit Freude folgen die Damen der CFB Eggstätt ihrer Vereinsfahne







