Was kann jeder Einzelne für den Schutz unserer Umwelt tun? Diese Frage stand im Mittelpunkt des „Festes der Schöpfung“, das die christlichen Kirchen seit zehn Jahren als Gedenk- und Aktionstag für die Bewahrung der Natur feiern. In Marquartstein hatte sich der Pfarrgemeinderat unter der Leitung von Angela Polleichtner dazu eine ganz besondere Aktion einfallen lassen – mit einem überraschenden Gast, einer bewegenden Botschaft und einem Baum, der im Laufe des Gottesdienstes aufblühte.
Als Franz von Assisi, dargestellt von Diakon Johannes Notter, den Altarraum betrat, war die Überraschung perfekt. Gemeinsam mit Gemeindereferentin Birgit Steinbacher ließ er den bekannten Heiligen in einem lebendigen Wechselspiel zu Wort kommen. In seiner braunen Kutte verkörperte Notter nicht nur dessen äußeres Erscheinungsbild, sondern vermittelte auch seine Botschaft von Frieden, Nächstenliebe und der tiefen Verbundenheit mit der Natur und den Tieren. Die Kinder des Kindergartens wurden dabei mit einbezogen und machten die Gedanken des Heiligen auf anschauliche Weise lebendig.
Im Zentrum stand ein zunächst unscheinbares Symbol: Ein dürrer Baum vor dem Altar sollte durch die Wünsche der Gottesdienstbesucher neues Leben erhalten. Dafür wurden grüne Blätter aus dünnem Karton verteilt, auf die jeder seine Gedanken und Wünsche für eine bessere Welt schreiben konnte. Die Aktion machte deutlich, dass der Schutz von Gottes Schöpfung nicht allein eine große Aufgabe für die Gemeinschaft ist, sondern bei jedem Einzelnen beginnt. Die Botschaft von Johannes Notter alias Franz von Assisi brachte es auf den Punkt: „Jeder kleine Schritt zählt.“ Und tatsächlich machten alle mit. Blatt für Blatt füllte sich der kahle Baum mit den Hoffnungen und Wünschen der Besucher, bis aus dem dürren Bäumchen ein Baum mit vielen grünen Blättern geworden war – ein eindrucksvolles Zeichen dafür, wie viel sich bewegen lässt, wenn viele Menschen gemeinsam handeln. Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von Lilian Pavlak mit Gesang und Gitarre sowie vom Kinderchor und der Organisation von Verena Miller.
Gemeinschaft und Genuss vor der Kirche
Nach dem Gottesdienst verlagerte sich das Festgeschehen ins Freie. Vor der Kirche wartete ein reichhaltiges kulinarisches Angebot mit Suppen, Würstchen, Schmalzbroten und Kuchen, den die Ministranten aus Staudach-Egerndach gebacken hatten. Eine Hüpfburg, verschiedene Spiele und Bastelstationen sorgten dafür, dass auch bei den jüngsten Besuchern keine Langeweile aufkam. Am Labyrinth erwartete Frederike Brandl die Gäste, und auch die Diakonie war mit einem eigenen Stand vertreten. Spenden waren willkommen. Bei strahlendem Sonnenschein saßen die Besucher an langen Tischen beisammen, während die Kinder ausgelassen spielten und das vielfältige Angebot nutzten. So wurde aus dem Fest der Schöpfung nicht nur ein Gottesdienst mit einer wichtigen Botschaft, sondern ein Tag gelebter Gemeinschaft. Der grüne Baum vor dem Altar hatte gezeigt, was auch draußen spürbar wurde: Wenn viele Menschen mit kleinen Gesten beginnen, kann daraus etwas wachsen.
Text und Foto: Sybilla Wunderlich – Das dürre Bäumchen füllte sich mit grünen Blättern.




