Im vertrauten familiären Kreis, mit Freunden, Nachbarn und Vereinsmitgliedern, wurde dieser Tage Frau Christa Pitsch am Friedhof in Altenbeuern beerdigt. Sie verstarb im 95. Lebensjahr im Seniorenheim in Thansau, wo sie den letzten Lebensabschnitt verbrachte – betreut und begleitet von ihrer Familie. Lebensfreude und Gemeinschaftssinn zeichneten sie auch dort im Zusammenleben mit den Mitbewohnern aus, nach einem langen und abwechslungsreichen Lebensweg.
Dieser begann 1931 in ihrer Heimat Ostpreußen, wo sie zusammen mit fünf Geschwistern aufwuchs. Die bedrückende Zeit der Unruhe und des nahenden Krieges prägte den Lebensanfang und ließ auch keine abschließende Schulausbildung zu. Vertreibung und Flucht folgten. Auf diesem Weg verlor sie ihre Mutter, mit der sie unterwegs war. Einer glücklichen Fügung war es zu verdanken, dass man sich zwei Jahre später wiederfand.
Erste feste Bindung fand die Familie in Neubeuern, wo Christa Pitsch eine Anstellung als landwirtschaftliche Helferin beim „Weissen“ in Holzham erhielt. Pfarrer Auer aus Neubeuern vermittelte ihr aufgrund der fehlenden Schulbildung weiteres Wissen. Ihre Tätigkeiten entwickelten sich, Lebensmut, Lebensfreude, Arbeitswille und Geselligkeit bestimmten den weiteren Weg. Beim Tanz lernte sie schließlich ihren späteren Ehemann kennen. Ein Wohnungswechsel nach Rosenheim stand an, der auch zur Mitgliedschaft beim Trachtenverein „Alt-Rosenheim“ führte – eine Verbindung, die über Jahrzehnte bis zu ihrem Tod Bestand hatte, ebenso wie die zum Trachtenverein Edelweiß Neubeuern. Untätigkeit war ihr fremd. Viele Jahre war sie eine helfende Hand bei der Schaustellerfamilie Distl, deren Fahrgeschäft beim Rosenheimer Herbstfest und an vielen weiteren Standplätzen sie unterstützte. Später übersiedelte die Familie mit Mann und Tochter wieder nach Neubeuern. Der Familienverband war ihre Lebensaufgabe, hier war sie ein bestimmender Teil. Für die drei Enkel und vier Urenkel war sie eine verlässliche Vertrauensperson.
Die Passion des Tanzens war eine große Leidenschaft der Verstorbenen. So blieb es nicht aus, dass die Faschingsgesellschaft Neubeuern dieses Engagement in Anspruch nahm. Zusammen mit Tanzlehrer Peter Roleff aus München, der in Holzham eine Bleibe hatte, war sie verantwortlich für die Auftritte der Gardemädchen und die Tänze des Prinzenpaares. Ungezählte Stunden des Probens wurden von ihr geleistet. Mehr als drei Jahrzehnte war sie dieser Gemeinschaft verbunden und immer zur Stelle, wenn Hilfe gebraucht wurde. Das Glaubenswort „Alles hat seine Zeit“ stellte Pfarrerin Susanne Franke in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen. Alles hat seinen Anfang und sein Ende, aber auch die Zeit des Dankes. Dies dürfen wir sagen nach einem erfüllten Leben. In diesem Dank wollen wir das Leben zurückgeben.
Die Trauerfeier wurde begleitet vom Chor, von Zithermusik sowie der Beerdigungsmusik. Die Fahnenbegleitung der beiden Trachtenvereine und der Frauengemeinschaft war ein Zeichen ihrer Zugehörigkeit zu den Gemeinschaften. Zu den Trauerweisen stimmten die Musikanten auch Neubeuerns Faschingshymne „Vom schönen Gamsgebirg“ an, was an viele gesellige Stunden erinnerte.
Bericht und Sterbebild: Thomas Schwitteck




