Natur & Umwelt

Den Urwaldreliktkäfern auf der Spur

Veröffentlicht von Günther Freund

Nationalpark-Podcast zum  Interreg-Projekt BeetleTrees

Es war eine große Sensation, als der Leiter des Sachgebietes Forschung in der Nationalparkverwaltung eines Nachts eine über hundert Jahre als verschollen gegoltene Urwaldrelikt-Käferart wieder entdeckte. Der Fund von Peltis grossa durch Prof. Jörg Müller in den Nationalparkwäldern bei Neuschönau 2019 sorgte für deutschlandweite Schlagzeilen und große Euphorie in der Entomologischen Gemeinschaft. Im Rahmen eines Citizen Science-Projektes konnten sich käferbegeisterte Laien in diesem Sommer nun erneut selbst auf die Suche nach dem berühmten rauen Flachkäfer machen und auch der Nationalpark-Podcast „Wildnis schafft Wissen“ war den vor allem nachts aktiven Tieren auf der Spur.

 

Den Urwaldkäfern auf der Spur: Mit Stirnlampen ausgerüstet ging es für die neuste Podcastfolge zusammen mit Forscher Jakob Andreä auf die Suche. Beim Interreg-Projekt BeetleTrees wollen die Forscher im Nationalpark mehr über Urwaldreliktarten, wie Peltis grossa, herausfinden. (Foto: Julia Reihofer/Nationalpark Bayerischer Wald)

Entomologe Jakob Andreä nahm Podcasterin Julia Reihofer an einem lauen Sommerabend mit in ein Waldstück in der Nähe von Riedlhütte. Hier hatte der Forscher heuer schon mehrfach die Urwaldrelikt-Art wiederfinden können. „Es gibt hier ein paar große, abgestorbene Tanne, an denen ich schon einige Exemplare von Peltis grossa gefunden habe“, erklärt Andreä im Podcast. „Die Art ist zwar bislang nur wenig erforscht, es ist aber wohl so, dass die Käfer vor allem stehendes Totholz mit Pilzfruchtkörpern vom Rotrandigen Fichtenporling braucht.“ Und von diesen gibt es hier ein paar in idealem Zersetzungszustand. „Peltis grossa ist zudem vor allem in warmen Sommernächten aktiv. Unter Tags versteckt er sich gerne unter der Rinde“, erklärt der Forscher. Und tatsächlich sind bereits am ersten zu untersuchenden Fichtenstamm einige der rauen Flachkäfer zu finden.

„Die sehen ja inzwischen beinahe aus, wie Marienkäfer“, amüsiert sich Podcasterin Julia Reihofer. Wie ihr Jakob Andreä erklärt, markiert er die gefundenen Individuen, um sie bei Widerfunden klar identifizieren und sie eindeutig von neuen Käfern ohne Bemalung unterscheiden zu können. Beeinträchtigt werden die Käfer durch die kleinen Farbtupfer nicht. „Ich erhoffe mir dadurch, weitere Erkenntnisse zu ihrem Bestand und ihrer Lebensweise zu erhalten.“ Jeder Urwaldreliktkäfer am Stamm wird deshalb vorsichtig eingesammelt, dokumentiert und wieder an den Fichtenstamm zurückgesetzt. Podcasterin und Forscher konnten außerdem erstmals die Paarung von zwei rauen Flachkäfern beobachten. „Ich konnte vor kurzem mal eine Eiablage beobachten, aber das ist auch für mich etwas Neues“, so Andreä. Um dieses sensationelle Erlebnis zu dokumentieren, kam umgehend auch die Kamera zum Einsatz.

In die Suchaktionen nach dem Urwaldreliktkäfer Peltis grossa sind in diesem Sommer erneut nicht nur Nationalparkmitarbeiter eingebunden. Im Rahmen eines Citizen Science-Projektes konnten sich auch Bürgerinnen und Bürger beteiligen. „Es ist großartig zu erleben, wie nicht nur Schirmarten, wie Luchs oder Auerhuhn, sondern auch unsere Urwaldreliktkäfer die Menschen begeistern“, freute sich Jakob Andreä. Schließlich seien Reliktarten, wie Peltis grossa ein deutliches Zeichen für eine positive Entwicklung der Nationalparkwälder hin zu einem echten Naturwald.

Im Rahmen des grenzüberschreitenden Interreg-Projektes BeetleTrees werden deshalb insgesamt fünf dieser Urwaldarten genauer untersucht und ein Konzept zu deren Schutz erarbeitet. Auch die Auswirkungen unterschiedlicher Borkenkäfer-Managementmaßnahmen auf die Käfergemeinschaft wird unter die Lupe genommen. „Wir sind zwar noch mitten in der Feldarbeit und haben unsere gesammelten Daten noch nicht ausgewertet“, erklärt Jakob Andreä. „Was ich jetzt aber schon sagen kann, ist, dass reine Fichtenforste deutlich weniger artenreich sind wie heterogene Naturwälder, wie wir sie hier im Nationalpark finden können.“

Mehr Informationen über das grenzüberschreitende Forschungsprojekt BeetleTrees und alle Folgen des Podcasts Wildnis schafft Wissen gibt es auf der Nationalpark-Homepage.


Redaktion

Günther Freund

1944 in Bad Reichenhall geboren, Abitur in Bad Reichenhall, nach dem Studium der Geodäsie in München 3 Jahre Referendarzeit in der Vermessungs- und Flurbereinigungsverwaltung mit Staatsexamen, 12 Jahre Amtsleiterstellverteter am Vermessungsamt Freyung, 3 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Zwiesel und 23 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Freyung (nach Verwaltungsreform mit Vermessungsamt Zwiesel als Aussenstelle). Seit 2009 im Ruhestand, seitdem in Prien am Chiemsee wohnhaft.

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