Wirtschaft

Diskussion um Bahnhof in Übersee

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Erneut Überdachung der Bahnsteige statt Wetterhäuschen gefordert  – Der Ortsverband der Grünen wehrt sich gegen die Pläne der Deutschen Bahn

In der jüngsten Gemeinderatssitzung berichtete Bürgermeister Herbert Strauch, dass die Deutsche Bahn die Lärmschutzwand entlang der Bahn nun doch im Rahmen der   Vollsperrung der Bahntrasse in 2027 errichten will. Weiter prüfe die Deutsche Bahn derzeit, ob im Rahmen des Projekts „Bike & Ride Offensive“ Flächen für zwei abschließbare Unterstellanlagen für Fahrräder im Bereich des jetzigen Treppenabgangs geschaffen werden könnten.

Frischen Wind in die Diskussion um den Umbau des Bahnhofs Übersee bringt nun ein Schreiben des neu gewählten Vorstands des Ortsverbands der Grünen Übersee an Printmedien, Funk und Fernsehen mit der Überschrift:

„Schildbürgerstreich der Bahn?   –  Abriss  statt Fertigstellung eines sanierten Bahnsteigdachs“.

Das sei „aus unserer Sicht ein klassischer Schildbürgerstreich und beispielhaft für den Umgang der Deutschen Bahn  mit bestehender Infrastruktur und öffentlichen Mitteln“:

Wie in den vergangenen eineinhalb Jahren in mehreren Gemeinderatssitzungen einstimmig quer durch alle Fraktionen immer wieder festgestellt, war die Tragekonstruktion der Bahnhofsüberdachung einschließlich Stützen, Fundamenten und integrierter Entwässerung erst vor wenigen Jahren mit erheblichem Aufwand saniert worden. „Statt die vorhandene Konstruktion durch die Montage der noch fehlenden Dachelemente fertigzustellen, soll die Anlage nun wieder entfernt werden“, heißt es in dem Schreiben der Grünen. Der Rückbau dürfte teurer werden als die Fertigstellung des vorhandenen Daches, während gleichzeitig – gegen den wiederholt ausgedrückten Wunsch des gesamten Gemeinderats – Glashäuschen mit Fundamenten neu errichtet werden sollen.

Im Zuge der Umplanung des historischen Bahnhofs, argumentierte der Gemeinderat in mehreren Schreiben und Gesprächen mit der Bahn, dass ein durchgehendes Bahnsteigdach gerade am Alpenrand mit häufigen Starkregenereignissen, zunehmenden Hitzetagen und häufigen Zugverspätungen weit kundenfreundlicher sei als einige kleine Wartehäuschen.  Bürgermeister Herbert Strauch hatte stets betont, dass die Gemeinde außerhalb der Grundstücksgrenzen generell wenig zu sagen habe, weil das gesamte Bauvorhaben die DB plant und bezahlt. Dennoch wollte sich die Gemeinde damit nicht zufriedengeben.

Die Gemeinde Übersee verfasste Ende Dezember 2025 einen offenen Brief an die DB InfraGO AG, zu Händen von Herrn Stephan Uebe, der die Verkehrsstationen 2.3 Bahnhofmanagements München, Augsburg und Rosenheim betreut.

In dem Brief,  der von allen Gemeinderäten persönlich unterschrieben wurde, hieß es wörtlich: „Mit dieser Umplanung besteht kein Einverständnis“. Die Begründung, dass Übersee zu wenige Einstiegszahlen habe und die Vereinheitlichung der Bahnhöfe für den einfacheren Unterhalt, sei den Unterzeichnenden bekannt. Die Überdachungen am Bahnhof, insbesondere die Pfeiler seien jedoch in den letzten Jahren aufwändig und mit großem finanziellem Aufwand durch die Bahn saniert worden. Statt diese Pfeiler wieder mit einem ordnungsgemäßen Dach zu versehen, was an anderen Bahnhöfen durchaus üblich sei, sollten in Übersee nur wenige Wetterschutzhäuschen errichtet werden. „Besonders bei schlechtem Wetter sollen sich in diesen Häuschen oftmals bis zu 100 und mehr Bahnkunden und -kundinnen auf engstem Raum zusammenpferchen“, so das Schreiben. Bei Grippewellen Ansteckungsgefahr würden diese Häuschen dann zum „Hotspot“ für weitere Fälle. Auch würden sich in den Sommermonaten diese, der Sonne ungeschützt ausgesetzten Häuschen aufheizen und auch bei beginnenden Regenfällen nicht gleich nutzbar sein.

„Das Argument, dass der Unterhalt dieser Häuschen einfacher ist, kann von unserer Seite nur verneint werden“, so der Gemeinderat. Vielmehr seien die Häuschen dem Vandalismus weit mehr direkt ausgesetzt, zum Beispiel durch eingeschlagene Scheiben und Aufkleber. Dagegen sei ein Dach über dem Bahnsteig diesem Vandalismus nicht ausgesetzt. Da müsse schon jemand einen Pfeiler durchsägen, um an das Dach zu kommen.

Auch zähle das Argument „alle Bahnhöfe gleich“ nicht, denn es gebe auch nach der Sanierung an der Bahnstrecke München-Salzburg Bahnhöfe, die ein Dach haben werden. Der Landkreis Traunstein plane einen Anschluss an den Münchner Verkehrs- und Tarifverbund GmbH (MVV).  Die Erfahrung aus anderen Verkehrsverbundkommunen zeige, dass das Bahnfahren wegen der dann geltenden Preise attraktiver werde und man somit auch mit steigenden Einstiegszahlen für Übersee rechnen müsse. „Wir fordern deshalb, auch im Namen der vielen Bahnkund/innen auch für Übersee die Sanierung des Daches über den Bahnsteigen, statt der geplanten Wetterschutzhäuschen.“ Da der Bahnhof in Übersee als zentraler Bahnhof für das gesamte Achental diene, werde er sicher in Zukunft von einer stärkeren Nutzung des öffentlichen Verkehrs profitieren.

Dieses Schreiben schickte die Gemeinde nicht nur an die Presse mit der Bitte um Verbreitung, sondern auch an die regionalen Land- und Bundestagsabgeordneten zur Kenntnis und der Bitte um Unterstützung der gemeindlichen Forderung.

Nach Richtlinie 813.0203 abgelehnt

Von der Deutschen Bahn kam auf alle Einwände jeweils nur der Verweis auf die Richtlinie 813.0203, wonach Bahnsteigdächer erst ab prognostizierten1300 Reisenden täglich vorgesehen seien. Daher gebe es in Übersee kein Bahnsteigdach.

Der Ortsverband der Grünen mit Pressesprecherin Kirsten Gnadl will sich damit nicht zufrieden geben. Sie planen eine Protestaktion, eine Petition, eventuell eine eigene Fahrgastzählung, denn die Frage sei, wie die Zahlen überhaupt ermittelt würden. Letztlich gehe es um die Frage, „ob bei Infrastrukturprojekten starre Standards wichtiger sind als wirtschaftliche Vernunft, Kundenfreundlichkeit, Nachhaltigkeit und der Wille einer betroffenen Gemeinde“.

Bericht und Bilder: Christiane Giesen

 


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Toni Hötzelsperger

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