Land- & Forstwirtschaft

Schutzwaldmanagement am Wildbarren

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Schutzwaldsanierung im Trinkwasserschutzgebiet Riedleiten – Fachstelle Schutzwaldmanagement informierte Bürgermeister Dr. Bernhardt und Mitarbeiter der Gemeindewerke Oberaudorf über Zustand und Maßnahmen in den Schutzwäldern am Wildbarren

 

„Aus aktuellem Anlass, wir blicken in diesem Jahr auf 40 Jahre Schutzwaldsanierung in Bayern zurück, möchten wir auf die Bedeutung und die vielseitigen Funktionen unserer Berg- und Schutzwälder aufmerksam machen.“ eröffnete Sebastian Rössert, Leiter der Fachstelle Schutzwaldmagement am AELF Rosenheim, das gemeinsame Treffen. Am Donnerstag 02.07.2026 trafen sich Vertreter der Gemeinde Oberaudorf, ihrer Gemeindewerke und des Forstbetriebs Schliersee der Bayerischen Staatsforsten auf Einladung der Fachstelle Schutzwaldmanagement des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Rosenheim zu einem Waldbegang im Schutzwaldasanierungsgebiet Wildbarren, das auch das Trinkwasserschutzgebiet Riedleiten umfasst. Derzeit werden Pflanzungen in den Schutzwäldern am Wildbarren für kommenden Herbst 2026 vorbereitet. Die anhaltende Trockenheit und Hitze der letzten Wochen setze auch dem Wald in unseren Bergen zu, gerade dort, wo durch Schäden, Überalterung oder eine nicht angepasste Baumartenzusammensetzung die Schutzfunktionen nicht vollständig erfüllt seien, so der Förster. 

 

Dies konnten Bürgermeister Dr. Bernhardt, als Professor für alpine Hydrologie selbst ausgewiesener Experte, und seine Mitarbeiter der Gemeindewerke unmittelbar bestätigen: über die letzten Jahre nahm die Trinkwasserspende im Trinkwasserschutzgebiet Riedleiten durch Änderungen in der Menge und Verteilung der jährlichen Niederschläge deutlich ab. So war unmittelbar der gemeinsame Nenner von Wasserversorger und Förstern gefunden: intakte Schutzwälder können durch Humus- und Bodenschutz mehr Wasser speichern, dämpfen so Abflussspitzen und halten im Winter Schnee und damit Schmelzwasser in der Fläche. So entstand ein intensiver fachlicher Austausch unter den Teilnehmenden, bei dem Dr. Bernhardt auch Erkenntnisse aus Forschungsergebnissen in Kanada und Österreich einfließen ließ.

 

Weitere Einblicke in die, an den vielseitigen Funktionen des Bergwalds ausgerichtete Bewirtschaftung und das Jagdmanagement der Staatswälder im Inntal gab Lasse Weicht, Leiter des Forstbetriebs Schliersee der Bayerischen Staatsforsten. Dazu zählen beispielsweise gezielte Pflege- und Verjüngungsmaßnahmen zur Steuerung der Altersstruktur und Baumartenzusammensetzung aber auch die am Waldzustand orientierte Bejagung der Schalenwildarten, um die Schutzwälder in einem funktionstauglichen Zustand zu erhalten oder wieder dahin zu entwickeln. Durch professionelle und intensive jagdliche Begleitung gelingt so die Waldverjüngung auf Schutzwaldsanierungsflächen.

 

Dort wo reguläre Maßnahmen der Waldbewirtschaftung nicht mehr ausreichen, oder Schäden durch Stürme, Schnee und Borkenkäfer andere Strategien erfordern, setzt die Schutzwaldsanierung an. „In den vergangenen 40 Jahren wurden in ganz Bayern rund 108 Mio. € in solche sanierungsnotwendigen Schutzwälder investiert, über eine Million € entfällt dabei auf den Wildbarren bei Oberaudorf.“ erläuterte Fachstellenleiter Rössert. 1986 ursprünglich als Projekt von vielleicht einem Jahrzehnt geplant, habe sich die Schutzwaldsanierung als eine der wichtigen Hauptaufgaben der Bayerischen Forstverwaltung etabliert. Neben Waldbesitzenden, Naturschutz- und Staatlicher Bauverwaltung sei gerade die Wasserwirtschaft einer der wichtigsten Partner der Schutzwaldsanierung, wie auch der heutige Termine wieder gezeigt habe, schloss Sebastian Rössert den Waldbegang ab.

 

Hintergrundinformationen:

In Bayern übernehmen drei überregionale Fachstellen für Schutzwaldmanagement mit Sitz an den AELF Kempten, Weilheim und Rosenheim die Aufgabe der Schutzwaldsanierung innerhalb der Bayerischen Forstverwaltung. Das Dienstgebiet der Fachstelle Schutzwaldmanagement am AELF Rosenheim umfasst die Landkreise Rosenheim, Traunstein und Berchtesgadener Land. Hier werden sanierungsnotwendige Schutzwälder in jeder Waldbesitzart, also neben Staatswald auch Kommunal-/ Körperschafts- und Privatwälder betreut. Die Maßnahmen werden durch Haushaltsmittel des Freistaats Bayern finanziert.

1986, vor 40 Jahren, durch Landtagsbeschlüsse ins Leben gerufen blickt die Schutzwaldsanierung in Bayern vielerorts auf Erfolge zurück. Gleichwohl stellen die zuletzt immer deutlicheren Auswirkungen der Klimaänderung neue Herausforderungen für die bayerischen Berg- und Schutzwälder dar.

https://www.stmelf.bayern.de/wald/wald_mensch/schutzwald-der-wald-bewahrt-vor-naturgefahren/index.html

https://www.stmelf.bayern.de/mam/cms01/wald/waldfunktionen/dateien/40jahre_sws_brosch%C3%BCre_b.pdf

https://www.lwf.bayern.de/waldbau-bergwald/schutzwaldmanagement/index.php

https://www.aelf-ro.bayern.de/forstwirtschaft/wald/075943/index.php

 

Die Bayerischen Staatsforsten bewirtschaften den bayerischen Staatswald als Anstalt des öffentlichen Rechts. Der Forstbetrieb Schliersee ist dabei für rund 34.000 ha Wald verantwortlich. Maßnahmen der Schutzwaldsanierung werden im Staatswald von den Fachstellen Schutzwaldmanagement der Forstverwaltung geplant und finanziert, die Durchführung und das Jagdmanagement übernehmen die Forstbetriebe.

https://www.baysf.de/schliersee/

 

Bericht und Fotos:  AELF Rosenheim/ Fachstelle Schutzwaldmanagement

 

Bild 1: Fachlicher Austausch zur Schutzwaldsanierung im Trinkwasserschutzgebiet Riedleiten am Wildbarren bei Oberaudorf: v.l.n.r. Marius Oeller, Lasse Weicht (beide Forstbetrieb Schliersee der Bayerischen Staatsforsten), Sebastian Rössert (Leiter der Fachstelle Schutzwaldmanagement am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Rosenheim), Hubert Paul (Werksleiter Gemeindewerke Oberaudorf) und Dr. Matthias Bernhardt (Bürgermeister Gemeinde Oberaudorf)

 

Bild 2: Gebäude der Gemeindewerke Oberaudorf zur Trinkwasserversorgung bei Reidleiten, im Hintergrund der Bergwald im Schutzwaldsanierungsgebiet Wildbarren.


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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