Land- & Forstwirtschaft

Mühldorf: Bayerns Erntepressefahrt

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Bayerns Bäuerinnen und Bauern müssen in diesem Jahr voraussichtlich mit einer unterdurchschnittlichen Getreideernte rechnen. Das sagte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber bei der traditionellen Erntepressefahrt des Bayerischen Bauernverbandes auf den Betrieben der Familien Keilhacker in Reichertsheim und Meier in Kirchdorf im Landkreis Mühldorf. „Unsere Landwirtinnen und Landwirte haben wieder einmal ein Frühjahr erlebt, das ihnen alles abverlangt hat: historische Trockenheit, kühle Phasen rund um die Eisheiligen und zuletzt eine massive Hitzewelle. Wer unter solchen Bedingungen Lebensmittel erzeugt, verdient höchsten Respekt“, so Kaniber.

Die Wintergerste sei vielerorts bereits eingebracht und beim Ertrag noch „mit einem blauen Auge davongekommen“. Anders sehe es bei Winterweizen, Roggen und Triticale aus. Die Hitze habe diese Kulturen mitten in der Kornfüllung getroffen. „Hier müssen wir leider mit spürbaren Einbußen rechnen. Je nach Boden, Wasserversorgung und Region werden die Ergebnisse stark auseinandergehen“, bedauerte Ministerin Kaniber.

Die jüngsten Niederschläge seien für Hackfrüchte und Grünland „gerade noch rechtzeitig“ gekommen. Zugleich zeige das Jahr erneut, wie sehr Extremwetter die Landwirtschaft unter Druck setze. Kaniber: „Der Klimawandel ist auf unseren Feldern angekommen. Das gehen die Landwirte im Freistaat mit enormer Professionalität an. Sie passen sich an, investieren, arbeiten weiter und sichern so unsere Versorgung.“

Der Freistaat unterstütze die Betriebe dabei mit Forschung, Beratung und gezielter Förderung. Als erstes Bundesland fördert Bayern die Mehrgefahrenversicherung breit – inzwischen auch für Grünland, Ackerland, Hopfen und Baumschulen. Für 2026 haben mehr als 7.000 Landwirtinnen und Landwirte Unterstützung beantragt. „Das ist Hilfe zur Selbsthilfe. Wir lassen unsere Betriebe mit den Risiken des Klimawandels nicht allein“, betonte Kaniber.

Sorgen bereiten der Ministerin nach eigenen Worten die niedrigen Getreidepreise von teils unter 20 Euro je Dezitonne – bei zugleich hohen Produktionskosten. „Wer höchste Standards erfüllt, darf nicht durch Billigimporte unter Druck geraten. Wir brauchen faire Preise, transparente Märkte und vergleichbare Wettbewerbsbedingungen. Das sind wir den bayerischen Betriebsleiterinnen und -leitern schuldig – und genauso den Bürgern, die sich auch morgen auf eine sichere Versorgung mit regionalen Lebensmitteln verlassen wollen.“

Einen klaren Appell richtete die Ministerin an die Medien: „Ihre Berichterstattung bestimmt heute für viele Menschen, wie sie Landwirtschaft wahrnehmen, weil der persönliche Kontakt immer seltener wird. Bäuerinnen und Bauern verdienen offenen Dialog mit den Verbrauchern. Denn sie leisten für uns alle jeden Tag Wesentliches: Sie sichern unsere tägliche Ernährung.“ Nicht zuletzt aus diesem Grund wünschte die Ministerin allen Betrieben eine unfallfreie Ernte und faire Preise. Zeitgleich rief Kaniber die Verbraucherinnen und Verbraucher dazu auf, beim Einkauf bewusst auf heimische und regionale Produkte zu setzen: „Wer zu Lebensmitteln aus Bayern greift, stärkt bayerische Bauernfamilien, sichert Wertschöpfung in der Heimat und zeigt Respekt vor der Arbeit der Menschen, die Tag für Tag unsere Versorgung gewährleisten. Bitte denken Sie bei Ihren Einkäufen daran, regionale Produkte zu wählen, die quasi vor Ihrer Haustüre erzeugt werden.“

Der Bayerische Pflanzenanbauspiegel 2026 findet sich unter dem Link https://www.lfl.bayern.de/mam/cms07/ipz/dateien/bayerischer-pflanzenbauspiegel-2026.pdf

Weitere Informationen zum Thema auf den Seiten des Instituts für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung an der LfL unter https://www.lfl.bayern.de/ipz/

Bericht und Foto: Bayer. Landwirtschaftsministerium / Judith Schmidhuber, StMELF –  Foto zeigt Staatsministerin Michaela Kaniber gemeinsam mit Günther Fleßner (Präsident des BBV, 1.v.l.) und Hermann Greif (BBV Bezirkspräsident Ofr., 3.v.l.)

 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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