Leitartikel

Trauerfeier für Heinrich Rehberg aus Wildenwart

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

„Über seine Familie hinaus hat er schon früh vielen Menschen geholfen und Hoffnung gegeben, auch in seiner Freizeit war er mit Unterstützung seiner Frau Hildegard und seiner drei Kinder Hildegard, Eva-Maria und Andreas mit Herz und Seele unterwegs, um aus seiner Chiemgauer Heimat zu berichten“ – mit diesen Worten begann Pfarrer Philipp Werner vom Pfarrverband Westliches Chiemseeufer die Lebensbeschreibung für Heinrich Rehberg aus Reith bei Wildenwart, der nach schwerer und längerer Krankheit im Alter von 75 Jahren verstarb. Ein rührendes „Vergelt´s Gott“ in der Kirche war der Dank der drei Enkelbuam für einen stets liebevollen und interessanten Opa.

Wie sehr Heinrich Rehberg gerade nach seinem Abitur in München und nach seiner Hochzeit mit seiner Ehefrau Hildegard vor 51 Jahren und nach seiner Familiengründung mit seiner Heimat vernetzt war, zeigte die Anwesenheit der Fahnenabordnungen der Wildenwarter Ortsvereine (Trachtenverein, Feuerwehr, Schützen und Veteranen) sowie der Standarte vom Chiemgau-Alpenverband für Tracht und Sitte. Nach dem Gottesdienst, der musikalisch vom Wildenwarter Kirchenchor unter der Leitung von Lisi Huber mit einfühlsamen Weisen von Organist Sebastian Weyerer gestaltet wurde, erinnerten am offenen Grab mehrere Redner an das reiche Schaffen des Verstorbenen. Frasdorfs Erster Bürgermeister Daniel Mair dankte für die Gemeinderatszugehörigkeit von 1996 bis 2014. „Als Fraktionssprecher der Freien Wähler Wildenwart hat er seinem Dorf und seiner Gemeinde mit Sachverstand und Weitblick gedient“. Zugleich dankte der Bürgermeister Heinrich Rehberg dafür, dass er 35 Jahre lang als Lokalberichterstatter für das Oberbayerische Volksblatt ein Auge auf das aktuelle Geschehen warf und den Ereignissen Schrift und Stimme gab. „Allein von 2008 bis zuletzt hatte er in seinem Computer rund 21.000 Berichte und 170.000 Bilder festgehalten, vorwiegend für Wildenwart, Frasdorf und Aschau. Er war aber nicht nur Chronist, durch seine Tätigkeit hat er selbst Geschichte geschrieben“ – so der Bürgermeister. Helmut Freund als Erster Vorstand vom Trachtenverein „Die Lustigen Wildenwarter berichtete, dass Heinrich Rehberg über ein halbes Jahrhundert dem Verein angehörte und unter anderem 26 Jahre Erster Schriftführer war. „Seine Protokolle, die von ihm geschaffenen Festschriften für die verschiedenen Trachtenjubiläen und Gautrachtenfeste in Wildenwart sowie erst jüngst mit der Umschreibung des noch mit altdeutscher Schrift verfassten Gründungsprotokolls hat er ein bleibendes Fundament für den Fortbestand unseres Vereins geschaffen“.

Auch Thomas Hiendl als Erster Gauvorstand des Chiemgau-Alpenverbandes würdigte Rehbergs Leidenschaft für die Schrift und Presse und er dankte dafür, dass er von 1994 bis 2006 Zweiter Gauschriftführer war, dass er von 2006 bis 2009 das Amt des Gaupressewartes ausübte und dass er vor 20 Jahren bei der Erstellung der ersten Gauchronik federführend mitgewirkt hatte“. 2009 wurde Heinrich Rehberg deshalb mit dem Goldenen Gauverdienstzeichen geehrt.

Außergewöhnlich waren Heinrich Rehbergs Verdienste auch für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.. Wie dessen Geschäftsführer Benedikt Klima M.A. sagte, war der Verstorbene seit 1976 ehrenamtlicher Sammler für die Kriegsgräberfürsorge, seit dem Jahr 2000 war er Mitglied des Bezirksverbandes Oberbayern, von 2002 bis 2016 war er dessen stellvertretender Vorsitzender und von 2016 bis 2022 war er als Erster Vorsitzender zugleich Mitglied des erweiterten Landesvorstands. „Seit 2022 war er unser Ehrenvorsitzender, bereits 1997 wurde er mit der Ehrennadel  in Silber vom Landesverband Bayern ausgezeichnet und im Jahr 2023 wurde er zum Träger des Ehrenkreuzes in Gold – ganz nach unserem Leitspruch MORTUI VIVENTES OBLIGANT („Die Toten verpflichten die Lebenden“) – so der Vertreter vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. .

Für die Interessengemeinschaft der Krieger-, Veteranenvereine und Soldatenkameradschaften im Landkreis Rosenheim erinnerte als Vertreter des Vorstandes Burkhard Sunder ebenfalls an überragende Leistungen für die IG und sagte: „Über 30 Jahre lang gehörte er unserer Vorstandschaft an, seine Ratschläge waren uns immer eine große Hilfe“. Beim örtlichen Veteranen- und Kriegerverein Wildenwart brachte sich Heinrich Rehberg nach seinem 1971 begonnenen und zwölfjährigen Bundeswehrdienst seit dem Jahr 1977 in vielfältiger Weise ein. Von 1982 bis 2012 war er dessen Zweiter Vorstand, von 2012 bis 2018 war er Erster Vorstand, 2019 wurde er zum Ehrenmitglied ernannt und im vorigen Jahr ernannte ihn der Verein zum Ehrenvorsitzenden. Wie Wildenwarts Veteranenvorstand Florian Bauer ausführte, waren dem Oberstleutnant der Reserve  über seine langjährige Anstellung beim BRK-Suchdienst hinaus die Gefallenen, die Vermißten und die Anliegen der betroffenen Familien ein hohes Anliegen. „Auch seine Verdienste um die Erneuerung einer Muster-Satzung, die Schicksale in unserer Gemeinde und seine Fürsorge um das Kriegerdenkmal bleiben unvergessen. Für mich als sein Nachfolger war er ein wertvolles Vereins-Lexikon“. Ein dreifacher Ehrensalut, Weisen von Bläsern aus den Reihen der Musikkapelle Wildenwart sowie das Senken der Fahnen und Standarte waren letzte irdische Ehrerweisungen für Heinrich Rehberg.

  • Sterbefoto Heinrich Rehberg
  • hö-Fotos: Trauerfeier in Kirche und auf Friedhof Wildenwart

Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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