Natur & Umwelt

Exkursion des Ökomodells Achental

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Leise Unkenrufe ließen die Teilnehmer einer Exkursion des Ökomodells Achental gemeinsam mit Dr. Martin Brunnhuber (MdL, Freie Wähler) im Gebiet der Wuhrsteinalm erfreut aufhorchen. Während „Unkenrufe“ im Volksmund meist als Sinnbild für schlechte Nachrichten gelten, waren sie hier ein Grund zur Freude. In mehreren kleinen Tümpeln nahe der Uhlalm entdeckten die Besucher die streng geschützte Gelbbauchunke – von der Kaulquappe bis zum Jungtier. Deutschland beherbergt einen bedeutenden Teil der Weltpopulation dieses seltenen Froschlurchs.

Die Gelbbauchunke ist auf flache, sonnige Kleingewässer angewiesen. Vielerorts verschwinden diese Lebensräume durch zugeschüttete Tümpel, intensive Landwirtschaft, Dünger oder Umweltgifte. Im Almgebiet am Geigelstein findet sie dagegen noch geeignete Bedingungen. Ihr Vorkommen zeigt eindrucksvoll, wie wertvoll diese Landschaft für bedrohte Tier- und Pflanzenarten ist.

Doch diese Artenvielfalt ist keineswegs selbstverständlich. Nur die traditionelle Almbewirtschaftung bewahrt die offene Kulturlandschaft. Ohne den Einsatz der Almbauern würden die Almflächen innerhalb weniger Jahrzehnte verbuschen und schließlich wieder zu Wald werden. Damit gingen zahlreiche Lebensräume für seltene Pflanzen und Tiere unwiederbringlich verloren.

Das Weidevieh – in den Chiemgauer Alpen überwiegend Jungrinder – hält die Flächen offen und findet dort während der Sommermonate kräuterreiches Futter. Gleichzeitig profitieren Einheimische und Gäste von der abwechslungsreichen Landschaft, den weiten Ausblicken und den bewirtschafteten Almen als beliebte Ausflugsziele. Voraussetzung für den Erhalt dieser Vielfalt ist eine extensive Beweidung mit angepasstem Viehbesatz sowie der Verzicht auf Dünger und Pflanzenschutzmittel – und damit die verantwortungsvolle Arbeit der Almbauern.

Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Begonnen hatte die Exkursion im Büro des Ökomodells Achental. Bürgermeister Andreas Scheck gab einen umfassenden Einblick in die bisherigen Projekte und die zukünftigen Herausforderungen. Martin Brunnhuber zeigte sich beeindruckt vom Ansatz des Ökomodells, Kommunen, Landwirtschaft, Naturschutz und weitere Partner in einem Netzwerk zusammenzubringen. Nur gemeinsam ließen sich Herausforderungen wie die Wasserversorgung, das Jakobskreuzkraut, die Rückkehr des Wolfs oder sinkende Fördermittel bewältigen.

Der Landtagsabgeordnete, der in Grassau aufgewachsen ist, betonte seine enge Verbundenheit mit der Region. Neben seiner Arbeit im Bayerischen Landtag sei es ihm wichtig, regelmäßig vor Ort mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Nur so könnten politische Entscheidungen die tatsächlichen Gegebenheiten berücksichtigen.

Artenvielfalt beginnt im Tal

Erstes Ziel der Exkursion waren die Buckelwiesen in Ettenhausen, die als „Heimweiden der Ettenhausener Au“ bekannt sind. Sie werden von den Haflingern von Flori Stadler beweidet und zählen zu den artenreichsten Wiesen der Region. Viele seltene Pflanzenarten konnten hier dank extensiver Bewirtschaftung erhalten werden.

Christiane Mayer, Projektmanagerin des Ökomodells, machte jedoch deutlich, dass heute vielerorts nur noch zehn bis fünfzehn Prozent der ursprünglichen Artenvielfalt vorhanden seien. Um das Bewusstsein für diese wertvollen Lebensräume zu stärken, fand im April  die Mitmachaktion „Anpacken auf der Alm“ statt. Dabei halfen auch Familien tatkräftig mit und erhielten einen unmittelbaren Einblick in die Landschaftspflege.

Lebensraum Alm

Anschließend führte die Exkursion hinauf zur Wuhrsteinalm am Geigelstein. Dort empfingen Moni und Sepp Loferer die Besucher an ihrer Almhütte und erläuterten die Besonderheiten ihres Almgebiets.

Almbauer Sepp Loferer erklärte, dass die nach allen Himmelsrichtungen offene Lage sowie zahlreiche Senken ideale Voraussetzungen für eine außergewöhnliche Artenvielfalt schaffen. Auf Nachfrage Brunnhubers berichtete er auch über die Wasserversorgung der Alm. Mehrere kleinere Quellen sichern derzeit die Versorgung der Wassertröge. Gleichzeitig bremsten die vielen Buckel der Landschaft bei Starkregen den Wasserabfluss. Dennoch bereite der Klimawandel zunehmend Sorgen: Wegen der schneearmen Winter fehle das Schmelzwasser, die Grundwasserneubildung habe deutlich nachgelassen.

Gebietsbetreuerin Magdalena Bahr lenkte den Blick auf zahlreiche botanische Besonderheiten der Alm. So gehört etwa der Wundklee zu den charakteristischen Pflanzen dieser extensiv genutzten Bergwiesen und besitzt eine große ökologische Bedeutung.

Im abschließenden Austausch wurde deutlich, wie viel Einsatz erforderlich ist, um diese einzigartige Kulturlandschaft dauerhaft zu erhalten. Brunnhuber würdigte insbesondere die Zusammenarbeit von Almbauern, Naturschutz und ehrenamtlichen Helfern. Als gelungenes Beispiel nannte er die gemeinsame Schwendaktion im Achental, bei der auch Urlaubsgäste tatkräftig mit anpacken und so einen direkten Beitrag zum Erhalt der Biodiversität leisten.

Am Ende der Exkursion blieb deshalb mehr als die Freude über den Fund der Gelbbauchunke. Sie wurde zum Symbol dafür, wie eng das Schicksal vieler Tier- und Pflanzenarten mit der Arbeit der Almbauern verbunden ist. Artenvielfalt entsteht nicht von selbst – sie braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen, Landschaften pflegen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Die leisen Rufe der Gelbbauchunke erinnern daran, wie wertvoll und zugleich schützenswert diese einzigartige Kulturlandschaft ist. wun

Text und Fotos: Sybilla Wunderlich

Bild 3292+93 Die Gelbbauchunke im Tümpel auf der Wuhrsteinalm

Bild 3106 Besuch bei Moni und Sepp Loferer auf der Alm

Bild 3117 Almbauer Sepp Loferer erläutert Dr. Martin Brunnhuber das Gebiet

Bild 3210 von links: Sepp Loferer jun. Stefan Schneider, Dr. Brunnhuber, Josef Loferer sen.

 

 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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