Sanfte Wellen aus kleinen Hügeln und Mulden, die voller Leben sind: Buckelwiesen gehören zu den außergewöhnlichen Kulturlandschaften – und zu den wertvollsten Wiesenlebensräumen Mitteleuropas. Auch im Berchtesgadener Land prägen sie seit Jahrhunderten das Landschaftsbild. Doch heute sind sie selten geworden. Der Naturschutz am Landratsamt erklärt im ersten Teil der Serie „Natur- und Kulturlandschaft im Berchtesgadener Land“, warum diese Wiesen so besonders und wertvoll sind – und warum ihr Erhalt so wichtig ist.
Was sind Buckelwiesen?
Buckelwiesen kann man leicht erkennen an ihrer typischen Oberfläche: Die Wiesen wirken leicht gewellt, da sie aus vielen kleinen Erhebungen bestehen – den „Buckeln“ – und dazwischenliegenden Senken. Im Berchtesgadener Land findet man solche Wiesen oft an steilen Hängen. Hier werden sie auch „Gschnoader“ genannt – ein Berchtesgadener Begriff für Bergmähder, die in der Regel nur einmal im Jahr gemäht werden.
Diese besondere Landschaftsform hat eine jahrtausendealte Geschichte. Ihre Entstehung reicht oftmals bis zum Ende der letzten Eiszeit zurück: Als sich die großen Alpengletscher zurückzogen, blieben Schotter, Sand und Geröll zurück. Auf diesen kalkreichen Ablagerungen entwickelten sich im Laufe der Zeit wahrscheinlich durch Verwitterungsprozesse Mulden und kleine Erhebungen – und so entstand das typische wellig-buckelige Relief.
Warum sind Buckelwiesen so besonders und wertvoll?
Buckelwiesen zählen zu den artenreichsten Wiesenlebensräumen Mitteleuropas. So können auf einer einzigen Buckelwiese mehr als 200 Pflanzenarten wachsen. Grund dafür ist ihr besonderer Strukturreichtum.
Die kleinen Hügel und Senken schaffen auf engstem Raum ganz unterschiedliche Lebensbedingungen. Dieses Mosaik aus trockenen und feuchteren Standorten bietet zahlreiche Lebensräume für jeweils speziell daran angepasste Arten – und führt so zu einer beeindruckenden Artenvielfalt: Auf den trockeneren Buckeln wachsen Pflanzen, die mit wenig Wasser auskommen – etwa verschiedene Enziane, Küchenschellen, Thymiane und andere Kräuter – oder Orchideen wie die Herbstdrehwurz. In feuchteren Senken finden sich dagegen eher feuchteliebende Arten wie Sumpfgladiole oder Teufelsabbiss. Auch in den Übergangsbereichen zwischen Buckeln und Mulden gedeihen spezialisierte Pflanzenarten, darunter der Klebrige Lein – eine Rarität im Berchtesgadener Land.
Mit ihrer großen Pflanzenvielfalt bieten Buckelwiesen fast das ganze Jahr über vom Frühjahr bis in den Herbst, Nahrung für Schmetterlinge, Wildbienen und andere Insekten. So kann man beispielsweise den majestätischen Schwalbenschwanz über die steilen Hänge gleiten sehen, oder blau strahlende Bläulinge beobachten, wie sie von Blüte zu Blüte fliegen.
Wo kommen Buckelwiesen vor?
Buckelwiesen sind eine besondere Landschaftsform des Alpenraumes – und kommen vor allem in den größeren Tälern der Kalkalpen vor. Die Buckelwiesen im Berchtesgadener Land gehören dabei zu den bedeutendsten Vorkommen in den Alpen. Flächenmäßig stehen sie direkt hinter den bekannten Buckelwiesen bei Mittenwald – und dabei sind sie sogar noch artenreicher. Im Landkreis gibt es sie vor allem in den Gemeinden Marktschellenberg, Berchtesgaden, Ramsau, Bischofswiesen, Schönau a. Königssee und Schneizlreuth.
Natürlich entstanden – vom Menschen geformt und erhalten
Die heutigen Buckelwiesen sind ein Ergebnis jahrhundertelanger menschlicher Nutzung. Bereits seit dem Mittelalter wurden diese Flächen gerodet und als Grünland genutzt. Die Bergbauern mähten die Wiesen traditionell von Hand mit der Sense, um Heu für die Winterfütterung zu gewinnen. Selbst schwer zugängliche Flächen wurden genutzt, denn jede Futterquelle war lebenswichtig. Durch diese regelmäßige Mahd blieben die Wiesen offen – und entwickelten sich zu den artenreichen Lebensräumen, wie wir sie heute kennen.
Warum Buckelwiesen heute selten sind
Eine Arbeit, die bis heute mühsam bleibt: Die Flächen sind uneben, oftmals steil und mit Maschinen nicht bearbeitbar. Auch ist die Bewirtschaftung von Hand wegen des hohen Aufwandes und des vergleichsweise geringen Ertrags wenig rentabel. So sind Buckelwiesen heute häufig ungenutzt und sich selbst überlassen: Sie verwildern, verbuschen oder verwalden.
Auch wurden viele Buckelwiesen in den 1920 und 30er Jahren eingeebnet, um sie maschinell und damit leichter bearbeiten zu können. So sind die heutigen Buckelwiesen nur noch Reste, die vor allem in schwer zugänglichen Bereichen erhalten geblieben sind. Dabei ist zu bedenken: Die besondere Pflanzenvielfalt und Artzusammensetzung einer Buckelwiese entsteht über viele Jahrhunderte. Ist dieser Wiesenlebensraum einmal beeinträchtigt, lässt er sich nur schwer und langwierig wiederherstellen.
Wie kann man sich für den Erhalt der Buckelwiesen einsetzen
Um diese besonderen Teile der Kulturlandschaft zu bewahren, gibt es beim Landschaftspflegeverband das regionale Gschnoader-Projekt. Ziel ist es, die verbliebenen Buckelwiesen im Landkreis zu pflegen, wiederherzustellen und langfristig zu erhalten – gemeinsam mit den Landwirten und Grundbesitzern. Der Schwerpunkt liegt dabei projektbedingt auf den Gemeinden Marktschellenberg, Berchtesgaden, Ramsau, Bischofswiesen, Schönau a. Königssee und Schneizlreuth. Informationen zum Projekt gibt es unter https://www.lpv-bgl.de/gschnoader/ Bei Interesse kann man sich gerne direkt an die Projektleiterin Elisabeth Huber wenden unter e.rudischer@lpv-bgl.de.).
Denn die letzten Buckelwiesen sind weit mehr als nur interessant anzusehende hügelig geformte Wiesen in der Landschaft: Sie sind Archen der Biodiversität – wertvolle Lebensräume für zahlreiche seltene Arten, Zeugnisse traditioneller Landnutzung und prägen als lebendiger Teil der Kulturlandschaftsgeschichte bis heute das charakteristische Landschaftsbild des Berchtesgadener Landes. Ihr Erhalt ist daher nicht nur regional wichtig – sondern von Bedeutung für die gesamte Alpenregion.
Neue Serie: „Natur- und Kulturlandschaft im Berchtesgadener Land“
Das Berchtesgadener Land gehört zu den typischen und zugleich wertvollsten Natur- und Kultur-Landschaftsräumen der Alpen. Über Jahrhunderte hinweg hat der Mensch die Naturlandschaft geprägt und dabei vielfältige Lebensräume geschaffen wie Almen, Bergwiesen, Bergseen, Flussauen, Streuwiesen, Streuobstwiesen, Buckelwiesen, Tratten und Bergwälder.
Mit der Reihe „Natur- und Kulturlandschaft im Berchtesgadener Land“ soll auf die besonderen Landschaftsbestandteile aufmerksam gemacht werden – um so das Bewusstsein dafür zu stärken, wie einzigartig, wertvoll, schützens- und erhaltenswert dieser Kultur- und Naturschatz des Landkreises ist.
Bericht: LRA BGL / Fotos: Julia Werner – Buckelwiesen im Berchtesgadener Land




