Naturbeobachtungen am Chiemsee –
Noch Mitte Mai waren in der Hirschauer Bucht zur Enttäuschung der Besucher des Beobachtungsturmes nur wenige Wasservögel zu beobachten. Dies hat sich Anfang Juni mit Beginn der Mauserzeit für Graugänse und Höckerschwäne geändert. Ca. 280 Graugänse und etwa 85 Höckerschwäne verbringen die Wochen ihrer Flugunfähigkeit am Ufer und im flachen Wasser der Hirschauer Bucht. Der bis Mitte Juni niedrige Wasserstand des Sees machte die Tannenwedelwiesen und Teichrosenfelder für Rothirsche und Rehe als willkommene Nahrungsquelle erreichbar. Ein Rotfuchs schnürte an den ruhenden Graugänsen entlang, die seine Anwesenheit ignorierten und geschlossen die Blick von ihm abwandten. Baumfalken jagten erfolgreich die nun zahlreichen Großlibellen, die sofort im Flug verzehrt wurden. Eine Höckerschwanfamilie mit noch 7 Dunenküken überquerte die Bucht und Graugansfamilien führten ihre Jungen weitab von dem mauserden Schwarm zur Nahrungssuche am Ufer entlang. Für Unruhe unter den Höckerschwänen sorgte immer wieder das die Bucht dominierende Männchen. Rostgänse, eigentlich Wintergäste, überquerten die Bucht. Ein Seeadlerpaar landete auf der Schlammbank vor dem Turm und war zunächst intensiv mit der Gefiederpflege beschäftigt. Das noch nicht voll ausgefärbt Weibchen brachte von einem kurzen Rundflug eine glänzende Chipstüte mit, die es gründlich zerpflückte, aber glücklicherweise nicht fraß. Große Aststücke und Zweige wurden dann von beiden Adlern immer wieder hochgehoben und um offensichtlich besondere Zweigstücke auch energisch gestritten. Der Streit endete gütlich und es gibt Hoffnung, dass dieses Verhalten der Seeadler eine Vorbereitung auf den Horstbau im kommenden Brutjahr war. Beide Adler flogen nach heftigen Attacken, durch Großmöwen entnervt, ins Achendelta zurück, worauf eine Stockente ihre bis dahin in der Deckung der Ufervegetation versteckten Dunenküken in das Teichrosenfeld zur Nahrungssuche führte.
Text und Fotos: Andreas Hartl

























