Rund um den Chiemsee stehen zwölf Sturmwarnleuchten. Sie blinken vierzig Mal pro Minute, wenn Starkwind aufzieht, und neunzig Mal, wenn Sturmgefahr besteht. Allerdings sind die Leuchten nicht von allen Stellen auf dem See aus gut zu erkennen. Eine App aus Landshut bildet die Sturmwarnleuchten deshalb auf dem Smartphone nach und übernimmt dabei den tatsächlichen Takt der Warnung. Zusätzlich kann eine Benachrichtigung aktiviert werden, die auch dann über den Beginn einer Warnung informiert, wenn die App gerade nicht geöffnet ist.
Aus der ursprünglich ausschließlich für den Chiemsee entwickelten App „Chiemsee Skipper“ ist inzwischen „Binnen Skipper“ geworden. Die Anwendung umfasst neben dem Chiemsee auch den Starnberger See, den Ammersee, den Tegernsee und den Großen Brombachsee. Der gewünschte See kann innerhalb der App ausgewählt werden. Gleichzeitig wurde das Geschäftsmodell geändert: Seit dem 5. August ist die App kostenlos erhältlich.
Entwickelt wurde die App von Titus Hildebrand aus Landshut, der seit seiner Kindheit segelt und jahrelang im Vorstand des Landshuter Segelvereins tätig war. Die Familie hat ihr Boot am Chiemsee liegen. Aus den eigenen Erfahrungen entstand die Idee, die für einen Aufenthalt auf dem See wichtigen Informationen an einer Stelle zusammenzuführen. „Vor dem Ablegen habe ich immer an fünf verschiedenen Stellen nachgeschaut: Wetter, Pegel, Wassertemperatur, Warnungen. Irgendwann dachte ich, das gehört an einen Ort“, erklärt Hildebrand. Auch seine Eltern beschäftigen sich mit der Entwicklung von Apps für den Wassersport und haben mit „Port King“ bereits eine Anwendung zu Hafenmanövern veröffentlicht.
Für den Chiemsee bündelt „Binnen Skipper“ verschiedene Informationen in einer Seekarte. Darin sind unter anderem 16 Häfen und Stege, die vier Untiefen, die Ruhezonen sowie die Vorfahrtsregeln eingezeichnet. Die Karte wird vollständig auf dem Gerät gespeichert und kann deshalb auch ohne Mobilfunkempfang genutzt werden.
Hinzu kommen die Pegelstände von Stock bei Prien und der Alz bei Seebruck, die Wassertemperatur, Wetterinformationen für den Chiemsee sowie die amtlichen Unwetterwarnungen. Eine besondere Funktion des Chiemsee-Moduls sind die drei ausgewiesenen Ankerzonen bei Gstadt, Gollenshausen und Lambach. Dort darf zwischen 22 und 5 Uhr geankert werden. Die Bereiche sind in der Karte entsprechend gekennzeichnet.
Auch die für den Naturschutz relevanten zehn Ruhezonen des Chiemsees sind in der App hinterlegt. Drei davon gelten ausschließlich während der Brutzeit vom 1. März bis 31. Juli. Eine eigene Seite erläutert die jeweiligen Regelungen.
Neu ist außerdem eine Vereinsseite. Vereine rund um die Seen können sich dort kostenlos vorstellen. Die Freischaltung erfolgt unabhängig von einem App-Update.
Alle Funktionen, die unmittelbar mit der Sicherheit auf dem Wasser verbunden sind, sollen kostenlos bleiben. Dazu gehören die Seekarte, die Ankerwache, die Markierung für Mann über Bord, die Kontaktnummern der sechs Wasserwacht-Ortsgruppen rund um den Chiemsee, die Unwetterwarnungen und die Darstellung der Sturmwarnleuchten. Während einer laufenden Warnung wird grundsätzlich keine Kaufaufforderung eingeblendet. „Es darf nicht sein, dass jemand im entscheidenden Moment vor einer Kaufaufforderung sitzt“, sagt Hildebrand.
„Binnen Skipper“ ist auf Deutsch und Englisch verfügbar. Ein Benutzerkonto ist nicht erforderlich. Neben dem kostenlosen Angebot gibt es eine optionale Pro-Version mit zusätzlichen Funktionen, die derzeit 14,99 Euro kostet.
Die Seekarte kann auch ohne Installation der App im Browser angesehen werden. Unter skipperfriends.de/binnen-skipper.html#karte steht dieselbe Karte wie in der App zur Verfügung und kann dort auch im Vollbild angezeigt werden.
Kontakt: Titus Hildebrand, Skipperfriends, service@skipperfriends.de, Tel. +49 176 83036085
Bericht: Skipperfriends / Titus Hildebrand / Archiv-Foto: Hötzelsperger


