Kirche

Kardinal Marx würdigt Prof. Hans Maier

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Katholischer Glaube braucht keinem Denken der Welt auszuweichen“  –  Kardinal Marx würdigt Hans Maier beim Requiem im Dom als „offenen, freien Menschen“

München, 17. Juni 2026. Christinnen und Christen zeichnen sich nach Ansicht von Kardinal Reinhard Marx dadurch aus, sich immer ihres eigenen Verstandes zu bedienen und nicht andere für sich denken zu lassen. „Wenn wir Christen begegnen, müssen wir sagen: Diese Christen sind freie Menschen. Nicht ängstlich, nicht kleinkariert, nicht bedrohlich, nicht aggressiv. Souveräne Menschen, die etwas zu sagen haben und wissen: Der katholische Glaube braucht keinem Denken der Welt auszuweichen“, sagte der Erzbischof von München und Freising beim Pontifikalrequiem für Hans Maier am Mittwoch, 17. Juni, im Münchner Liebfrauendom. Der ehemalige bayerische Staatsminister für Unterricht und Kultus (1970-1986) und langjährige Präsident des Zentralkomitees der Katholiken (1976-1988) war am 8. Juni in München im Alter von 94 Jahren gestorben.

Marx erinnerte in seiner Predigt an die Tradition katholischer Aufklärung und zitierte den Königsberger Philosophen Immanuel Kant: „Denke selbst nach!“ Das sei genau das, was auch heute nötig sei, so Marx: „Lass nicht andere für dich denken, nicht die Künstliche Intelligenz, nicht die politischen Ideologien, keine Schwätzer, die uns hereinlegen wollen, sondern: Denke selbst!“ Dafür brauche man Kraft und Bildung, und aus diesem Grund sei das Thema Bildung eine entscheidende Frage für die Zukunft. „Das war auch für Hans Maier immer klar“, erklärte der Kardinal und betonte: „Ein katholischer Christ muss sich vor dem Denken nicht ängstigen. Im Gegenteil!“

Der Erzbischof würdigte den Verstorbenen in seiner Predigt als „offenen, neugierigen Menschen, in alle Bereiche hinein, ein Professor und Politiker, der aber auch wusste, was das Evangelium sagt: dass wir immer wieder neu aufbrechen müssen“. Hans Maier sei ein liberaler Katholik gewesen, so Marx – „nicht im parteipolitischen Sinne, sondern ein freier Mensch, wenn auch nicht ungebunden, immer wieder hineingestellt in den Weg der Kirche, ringend, auch mit dem Weg der Kirche. Aber doch ein freier Mensch.“ Viele in Politik und Gesellschaft würden in diesen Tagen merken, was sie an Personen verlieren, die aus dem Geist des katholischen und christlichen Glaubens die Welt gestalten wollten, und was es bedeute, „mit einer solchen Weite und Tiefe, mit einem solchen Engagement, mit einer solchen inneren Unruhe, aber auch Beständigkeit unermüdlich daran zu arbeiten, dass die Welt die Wohnung Gottes bleibt“. Hans Maier habe immer darauf gehofft und daran geglaubt, dass die Fülle des Lebens jetzt beginne, so der Kardinal: „Dafür hat er immer hart gearbeitet – im Bereich der Politik, der Gesellschaft, der Kultur, der Kirche und der Musik.“ (hor)

Bericht: Erzbischöfliches Ordinariat – Archiv-Foto: Hötzelsperger (Deckengemälde Karlskirche in Wien)


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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