Schon beim Aufstieg auf den Streichen sind die Töne eines Alphorns über den Gipfeln zu hören. Sie weisen den Weg zu einem besonderen musikalischen Berggottesdienst. Oben angekommen, werden die Besucher von zwei außergewöhnlich jungen Musikern begrüßt: Simon Bürger und Heidi Krause, beide erst acht Jahre alt, lassen ihre Hörner erklingen und überraschen mit erstaunlich sicherem und gekonntem Spiel.
Unterrichtet werden die beiden von Sebastian Krause aus Reit im Winkl. Der studierte Hornist ist ihr Lehrer und lässt an diesem Morgen sein Alphorn erklingen. Gemeinsam sorgen die drei Hornisten für die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes. Für Simon war der Weg zum Horn zunächst keineswegs vorgezeichnet. In seiner Freizeit spielte er zunächst Fußball, bevor er verschiedene Instrumente ausprobierte. Beim Horn blieb er schließlich hängen – es gefiel ihm am besten. Heidi dagegen begann mit der Geige. Sie lernte das Instrument bei ihrer Patentante, entschied sich dann aber für das Horn, das auch ihr Vater spielt. Die Entscheidung traf sie bereits im Alter von fünf Jahren. Kennengelernt haben sich die beiden jungen Musiker an der Musikschule Grassau. Als sie dort gemeinsam das Stück „Ein Leben lang“ spielten, hatten sie so viel Freude daran, dass sie inzwischen auch als Duo auftreten.
Gottesdienst mit weitem Blick
Gestaltet wurde der Gottesdienst von dem evangelischen Pfarrer im Ruhestand Gerhard Bergius. Gemeinsam mit seiner Frau Simone lebt er in einer ehemaligen Klostermühle im Gnadental in Baden-Württemberg. In den Sommermonaten ist Bergius als Urlauber-Pfarrer unterwegs und hält Gottesdienste an unterschiedlichen Orten. In diesem Jahr führte ihn sein Weg in den Chiemgau – und auf den Streichen. Dass dieser Ort für einen Gottesdienst etwas Besonderes ist, war an diesem Morgen unmittelbar zu spüren. Hoch über dem Achental eröffnet sich ein beeindruckendes Panorama mit Kampenwand, Geigelstein und Kaisergebirge. Gefeiert wurde der Gottesdienst im Rondell mit Blick auf die kleine Streichenkirche – die Gläubigen konnten so nicht nur der Predigt folgen, sondern zugleich die beeindruckende Berglandschaft genießen.
Gebetet und gesungen wurde gemeinsam, begleitet von den drei Hornisten. Nach einer Lesung aus der Apostelgeschichte, in der das Leben der urchristlichen Gemeinde in Jerusalem beschrieben wird, stellte Pfarrer Bergius seine Predigt unter das Thema Gemeinschaft. Dabei fand er deutliche Worte für den Zustand der heutigen Gesellschaft. Klimawandel, der geleugnet werde, Trumpismus, Egoismus, zunehmende Aufrüstung, Hunger und Epidemien kamen zur Sprache. Bergius beließ es jedoch nicht bei der Kritik. Er fragte auch nach Wegen, wie ein anderes Miteinander gelingen könne. Der Ruf nach mehr Gemeinschaft, räumte der Pfarrer ein, könne sich beinahe ein wenig nach Kommunismus anhören. Dennoch sei er überzeugt: Die Zukunft könne nur gemeinsam gewonnen werden.
„Wir sind das Salz der Erde“
Zum Abschluss griff Gerhard Bergius selbst zur Gitarre. Mit viel Temperament und Überzeugung stimmte er gemeinsam mit den Gläubigen das Lied „Wir sind das Salz der Erde“ an. Im Kanon erfüllte der Gesang den besonderen Ort oberhalb des Achentals. Auch die beiden jungen Hornspieler kamen um eine Zugabe nicht herum. Simon und Heidi ließen noch einmal ihre Instrumente erklingen und erhielten dafür reichlich Applaus. So endete ein Berggottesdienst, bei dem Natur, Musik und die Botschaft von Gemeinschaft auf besondere Weise zusammenfanden. wun
Am nächsten Sonntag, 23. August findet ein Berggottesdienst auf dem Staffen um 10 Uhr statt mit Pfarrer Gerhard Bergius, dem Posaunenchor und Alphörnern
Text und Fotos: Sybilla Wunderlich
Bild 4287 die beiden jungen Hornspieler Heidi Krause, Simon Bürger und ihr Lehrer Sebastian Krause, rechts Pfarrer Gerhard Bergius
Bild 4281 die Gläubigen sitzen im Rondell auf dem Streichen beim Gottesdienst
Bild 4279 die jungen Musiker mit ihrem Lehrer




