Natur & Umwelt

Priens besondere Bodenvertiefungen

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

80 Jahre nach Kriegsende: Gewissheit über von Bomben verursachte Bodenvertiefungen in der Marktgemeinde Prien a. Chiemsee. Auf Spurensuche 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges war der Geologe Dr. Robert Darga aus Rosenheim auf Priener Gemeindegebiet unterwegs.

Den ehemaligen Leiter des Naturkundemuseums von Siegsdorf interessierten vor allem die zum Kriegsende 1944 und 1945 entstandenen Löcher, die von Bombenabwürfen der amerikanischen Luftwaffe stammten. Besonders gut fündig wurde Dr. Darga durch die Kenntnisse des Zeitzeugen Leopold Schlosser aus Prien-Stetten. Er führte zu einem noch gut erhaltenen Bombentrichter im sogenannten Priener Kirchwald zwischen Stetten und Farnach, Gemeinde Riedering.

Der 91jährige Leopold Schlosser kann sich noch gut an die Bombenabwürfe erinnern. Auf Priener (und ehemaligem Wildenwarter) Gemeindegebiet waren unter anderem die Ortschaften Siggenham, Leiten, Siegharting, Stupfa und Prutdorf be- und getroffen. „Zusammen mit meinem Nachbarn Georg war ich am Bienenhaus als im nahen Stupfa eine Bombe niederging. Im Bienenhaus hörten wir die Gläser wackeln, zwei aus dem Wald laufende Rehe sehe ich heute noch, wenn ich die Augen schließe“ – so Leopold Schlosser. Er führte den Geologen zu einem noch gut erhaltenen Bombentrichter nahe einem Wirtschaftsweg im Kirchwald. „Dieser Platz ist deswegen noch so gut sichtbar, weil er nicht wie jene auf den Feldern und Wiesen zugefüllt wurde“. Damals – so Leopold Schlosser weiter – waren viele Leute, unter anderem gefangene Franzosen im Einsatz, um die Bombenlöcher wieder zu füllen. In den Wäldern hingegen wurde das kaum vorgenommen. Und so finden sich gerade im Prutdorfer Wald noch Bodenvertiefungen, die gut erkennbar im Digitalen Geländemodell des Bayernatlas (https://atlas.bayern.de/ – Thema Vermessung und Luftbild, Höheninformationen, Schummerungsbild) zu finden sind.

Korrekturen gegenüber dem  Chiemgau Impact Research Team (CIRT)

Für den pensionierten und passionierten Geologen Dr. Robert Darga sind die von Zeitzeugen Leopold Schlosser gezeigten Stellen und seine persönlichen Erinnerungen (unter anderem an das Aufsammeln der „giftigen“ und überaus scharfen Bombensplitter, auch im Prutdorfer Wald) von großer Bedeutung. Derzeit werden nämlich die Chiemgauer Bodenvertiefungen nicht den Bombenabwürfen, sondern anderen Ursprüngen zugeordnet. Konkret geht es dabei um Veröffentlichungen des Chiemgau Impact Research Teams (CIRT), in denen von um die 200 Einschlagkratern eines kosmischen Körpers gesprochen wird. Dazu Dr. Darga: „Aber kein einziger dieser angeblichen Krater wird von der großen Mehrheit der beruflich mit Einschlägen befassten Wissenschaftlern anerkannt. Nicht zuletzt, weil CIRT keine nachvollziehbaren Belege für eine Entstehung und auch keine Koordinaten zur Lokalisierung der kleineren „Krater“, die keinen bereits bestehenden Namen haben, vorlegt. Im Falle der Löcher im Prutdorfer Holz (Koordinaten: Lat. 47,83237° Lon. 12,30541°) ergibt sich aber eine Übereinstimmung mit einem Teilbild der Abbildung 4 in dem pdf 1085, das als „Publikation“ in der 57th Lunar and Planetary Science Conference 2026 online gestellt wurde. Und in diesem pdf werden die Bombentrichter im Prutdorfer Wald als (aus dem Englischen übersetzt) „typische Kraterkette im Chiemgau Einschlag-Streufeld“ bezeichnet (siehe Link: https://www.hou.usra.edu/meetings/lpsc2026/pdf/1085.pdf).

Im Rahmen seiner Recherchen konnte Dr. Darga noch weitere Erkenntnisse gewinnen, die die Ausführungen von Leopold Schlosser untermauern. Es sind dies die Erzählungen der verstorbenen Brüder Obermüller vom Hansl-Hof in Leiten. Diese galten ebenfalls einem Bomben-Niedergang direkt neben ihrem Haus (am 20. Oktober 1944). Auch Ernst Reiter (Jahrgang 1939) kann viel über Bombenabwürfe in seiner Heimatgemeinde Prien erzählen. Im Priener Rathaus sind die verschiedenen Stellen der Bombeneinschläge dokumentiert. „Mit all den gesammelten Fakten können wir insbesondere durch Zeitzeugenbericht belegen, dass zumindest die Bodenlöcher im Prutdorfer Wald und im Priener Kirchwald durch Bomben am Ende des Zweiten Weltkriegs entstanden sind. Die anlasslose CIRT-These, dass diese Löcher durch die Einschlagswirkung eines extraterrestrischen Körpers entstanden sind, ist somit widerlegt.“ – so Dr. Robert Darga.

Fotos: Hötzelsperger – 1. Dr. Robert Darga mit Leopold Schlosser im Kirchwald –  Während Bombentrichter auf den Feldern möglichst schnell eingeebnet wurden, blieben die Bombeneinschläge in bewaldeten Bereichen – wie hier im Priener Kirchwald – bis heute gut sichtbar.

Dialog Dr. Darga – Schlosser: Leopold Schlosser (rechts) hat die Bombenabwürfe am Ende des Zweiten Weltkriegs unmittelbar erlebt. Deswegen konnte er Dr. Darga aus erster Hand  mitteilen, was wo und wie im Bereich Prutdorf zu jener Zeit passiert ist.

  1. Trichter im Prutdorfer Holz

Datei „DGM Prutdorf Übersicht 50m Bombenlöcher im roten Oval“: Ausschnitt aus dem Digitalen Geländemodell. Links im roten Oval die Bombentrichter im Prutdorfer Wald. Rechts die Bebauung des Ortes Prutdorf mit der darin S-förmig erkennbaren Ludwigstraße. Die Prien würde ca. 350m rechts außerhalb des Bildrandes liegen. Maßstab 50m. Datenquelle: © Bayerische Vermessungsverwaltung 2026.

 

 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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