Ein neues Festival in Bad Reichenhall – Amatis-Trio begeistert mit außergewöhnlichem Festival-Konzept
Energiegeladen und virtuos und beinahe wie in einem Pop-Konzert – so präsentierte sich ein neues Musik-Festival in Bad Reichenhall und machte neugierig auf neue Möglichkeiten der musikalischen Darbietung: Das Amatis Klavier-Trio lockte nach den zwei ausverkauften Kinderkonzerten in Ainring auch viele Besucher in die Konzertrotunde.
Ihr Konzept: Musik in einen neuen Rahmen zu stellen und mit Tanz zu verbinden. Ihre Botschaft: Musik zu „demokratisieren“ und sie jeder Altersstufe und jeder Vorliebe anzubieten. Auf dem Programm des Gala-Konzerts „Dance!“ am Abend rahmten die zwei Sätze aus Astor Piazzollas Jahreszeiten „Frühling“ und Sommer“ das übrige Programm ein. Der Ausnahme-Klarinettist Ib Hausmann machte hier und bei manchen anderen Werken das Trio zum Quartett. Das sinfonische Gedicht „Orpheus“ von Franz Liszt, „Pantoum – Assez vif“ und „Habanera“ von Maurice Ravel, ein Satz aus „L’invitation au château“ von Francis Poulenc, Béla Bartóks „Rumänische Tänze“ in einem Arrangement von Mangjie Han, „Con brio“ von Joseph Horowitz und „Danse macabre“ von Camille Saint-Saëns standen dem einzigen klassischen Werk von Franz Schubert gegenüber, dem zauberhaften Andante con moto aus dem Klaviertrio Nr. 2 op. 100, Es-Dur.
Vom ersten Moment an schuf das Trio einen überwältigenden Klangraum, der von Ib Hausmanns Klarinette und Tanz von Martina Rudari und Samuel Adam zusätzlich bereichert wurde. Die Geschichte, die die Musiker erklingen ließen, wurde im Tanz sichtbar. Bisweilen erzählten die Tanz- und pantomimenhaften Ballett-Bewegungen eine zusätzliche Geschichte, etwa bei Schubert oder dem beeindruckenden Pas de deux zu „Orpheus“ und beim „Danse macabre“ mit Martina Rudari als Tod. Modernes Ballett mit Sprüngen und Hebefiguren kombiniert mit Ausdruckstanz weitete den Blickwinkel hin auf ein ganzheitliches künstlerisches Geschehen. Begeisterter Applaus.
Begeistert und neugierig waren auch die Kinder in zwei ausverkauften Konzerten im Pfarrzentrum St. Severin in Ainring tags zuvor. Veranstaltet wurden diese Kinder-Konzerte vom Kulturverein Ainring im Rahmen der Reihe KuKi. Ein neugieriges Kätzchen entdeckte die Musik, hielt sich die Ohren zu, wenn es schräg klang und beobachtete genau, was vor sich ging: Der Postbote brachte ein großes Paket, in dem ein Wesen war, das sowohl Federn als auch Schuppen und viele andere Eigenschaften hatte. Mit Melodien aus „Peter und der Wolf“ von Sergei Prokofjew und aus dem „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns tanzte immer wieder ein anderes Tier, dargestellt von der Tänzerin Martina Rudari, zu den Klängen des Amatis-Trios, das Ib Hausmann auf seinen Klarinetten ergänzte. Er war auch der Erzähler, der die Kinder zum Mitmachen animierte. Sie durften auf die Musik wie Fische schwimmen, wie Vögel zwitschern oder wie ein Kuckuck rufen, immer genau auf das Zeichen von der Bühne. „Der Schwan“ aus dem Karneval der Tiere erklang auf dem Violoncello und wurde durch edle Tanzbewegungen sichtbar gemacht. Dann rollte sich die Schildkröte auf dem Rückenpanzer, und das Kätzchen spielte mit ihr. Der „Hummelflug“ von Nikolai Rimski-Korsakow gab Gelegenheit für eine lustige Einlage, ebenso wie der Auftritt der Löwin, die mit ihren Pranken und Muskeln protzte, aber vor der Katze Angst hatte. Da wurde diese zum Star und sang das Katzenduett „Miau“ von Gioachino Rossini gemeinsam mit der Tänzerin, die nun auch eine Katze mimte und als Spielgefährtin für das neugierige Kätzchen bestellt wurde. Mit dem Jazz-Standard „Walking the Dog“ von George Gershwin entließen die Musiker die Schulkinder zurück in den Unterricht. Musiktheater für die Konzertbesucher von morgen.
Bericht und Fotos: Brigitte Janoschka
7727: Das Amatis-Trio mit Lea Hausmann, Mengjie Han und Sam Shepherd, ergänzt durch Klarinettist Ib Hausmann.
7806: Begeisterter Applaus für (von links) Martina Rudari, Lea Hausmann, Mengjie Han, Sam Shepherd, Ib Hausmann und Samuel Adam
7775/ 7733: Martina Rudari (links) und Samuel Adam bereichern die Musik mit modernem Ausdruckstanz und Ballett.
7669 /7675/ 7683/ 7709: Das Kinderkonzert für die Konzertbesucher von morgen











