Wirtschaft

Wirtschaftsdialog im LRA Rosenheim

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Mehr als 52.000 wirtschaftlich attraktive Unternehmen in Bayern stehen bis zum Jahr 2031 vor einer Betriebsübergabe. Gleichzeitig braucht eine erfolgreiche Nachfolge meist mehrere Jahre Vorbereitung. Wie Unternehmerinnen und Unternehmer diesen Prozess frühzeitig angehen können, war das zentrale Thema des zweiten Wirtschaftsdialogs des Landkreises Rosenheim. Über 70 Vertreterinnen und Vertreter heimischer Unternehmen nutzten die ausgebuchte Veranstaltung im Landratsamt zum Austausch mit Experten und Unternehmern, die eine Unternehmensnachfolge bereits erfolgreich gemeistert haben.

„Eine gelungene Unternehmensnachfolge sichert Arbeitsplätze, erhält gewachsene Strukturen und stärkt unseren Wirtschaftsstandort. Umso wichtiger ist es, Unternehmerinnen und Unternehmer frühzeitig bei diesem Prozess zu unterstützen“, sagte Landrat Otto Lederer zur Eröffnung.

Oliver Nerz von der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern machte in seinem Impulsvortrag deutlich, dass eine Unternehmensübergabe kein kurzfristiges Projekt ist. Im Durchschnitt dauere der Prozess drei bis fünf Jahre, in Einzelfällen sogar deutlich länger. Neben steuerlichen, rechtlichen und finanziellen Fragen spiele bei der Suche nach einer geeigneten Nachfolgerin oder einem geeigneten Nachfolger auch die emotionale Komponente eine entscheidende Rolle. Ob Übergabe innerhalb der Familie, an Mitarbeitende oder an externe Interessenten – jede Lösung müsse sorgfältig vorbereitet werden.

Wie unterschiedlich dieser Weg aussehen kann, zeigten zwei Unternehmer aus der Region. Marius Maier und Michael Obermeyer berichteten über die externe Übernahme der GUME GmbH in Tuntenhausen. Bevor sie sich für das Unternehmen entschieden, prüften sie rund 100 Betriebe, die sie anhand eines eigenen Kriterienkatalogs ausgewählt hatten. Ihre Empfehlung: ausreichend Zeit einplanen, den Unternehmenswert sachlich ermitteln und bei der Auswahl des Nachfolgers auch auf die persönliche Sympathie achten.

Julian Richter schilderte die familieninterne Übergabe bei Spielgeräte Richter in Frasdorf. Nachdem er bereits 2009 in die Geschäftsführung eingestiegen war, übernahm er das Unternehmen zehn Jahre später vollständig von seinem Vater. Als „liebevoll und geduldig“ schilderte er den Übergabeprozess der Firma. Für eine erfolgreiche Nachfolge seien neben wirtschaftlichen Fragen vor allem gegenseitiger Respekt, Vertrauen und gemeinsame Werte entscheidend. Sein Rat an die nächste Unternehmergeneration: „Versucht nicht, eine Kopie des Vorgängers zu sein, sondern findet euren eigenen Weg.“

Der Wirtschaftsdialog ist Teil der Veranstaltungsreihe der Wirtschaftsförderung des Landkreises Rosenheim. Mit ihr möchte der Landkreis Unternehmen bei aktuellen Herausforderungen unterstützen und den Austausch zwischen Wirtschaft, Kammern und Verwaltung fördern. Dass das Thema Unternehmensnachfolge viele Betriebe beschäftigt, zeigt auch eine Unternehmensbefragung des Landkreises: Rund 22 Prozent der befragten Unternehmen im Landkreis rechnen in den kommenden Jahren mit einer Betriebsübergabe. Mehr als vier von fünf sehen dabei konkreten Unterstützungsbedarf.

Bericht und Foto: LRA Rosenheim – Wirtschaftsdialog im Landratsamt (v.l.n.r.): Kreishandwerksmeister Rudi Schiller, Oliver Nerz, Referent IHK für München und Oberbayern, Peter Heßner, Leiter der Wirtschaftsförderstelle des Landkreises Rosenheim Julian Richter, Geschäftsführer Richter Spielgeräte, Gume-Geschäftsführer Michael Obermeyer und Marius Maier sowie Landrat Otto Lederer. 

 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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