Land- & Forstwirtschaft

Getreide: Der Berchtesgadener Vogel

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Seit 2018 wächst er wieder im Berchtesgadener Land: Der Berchtesgadener Vogel. Dabei handelt es sich um eine alte Winterweizensorte, die früher in unserer Gegend so verbreitet war, dass die Region namensgebend wurde. Aktuell werden dringend interessierte Verarbeitungsbetriebe für den „Vogerlwoaz“, wie der Berchtesgadener Vogel liebevoll auch genannt wird, gesucht.

Mit seinen langen Grannen, fadenförmigen Ährenfortsätzen, und einer Höhe von mehr als 1,50 Metern gilt er als„unverzüchtet“, hat also seine ursprünglichen Eigenschaften beibehalten. Alte Getreidesorten, auch Landsorten genannt, sind sehr schmackhaft und bekömmlich, häufig auch bei Unverträglichkeiten. Als Wintergetreide wird der Berchtesgadener Vogel Ende Oktober ausgesät und Mitte Juli geerntet. Er ähnelt dem genetisch nahe verwandten Laufener Landweizen.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts ging die Vielfalt an landwirtschaftlichen Kulturen und Sorten stark zurück. Auch der Berchtesgadener Vogel verschwand dabei von den Feldern. In den 1920er Jahren kamen kleine Saatgutproben in Gendaten- banken für Saatgut und konnten dort viele Jahre überdauern. Durch ein Projekt der Landesanstalt für Landwirtschaft zum Erhalt bayerischer, pflanzengenetischer Sorten, wurden die alten Sorten ab 2011 aus den Gendatenbanken geholt und hochvermehrt, so dass bayernweit Schatzbewahrer die ehemaligen, regional bestens angepassten Sorten wieder anbauen können.

So fand auch der Berchtesgadener Vogel über den Biosphären-Getreidegarten, mit ursprünglich drei Kilogramm Saatgut, den Weg zurück ins Berchtesgadener Land. Nach zwei Jahren war die Menge an vorhandenem Saatgut so groß, dass 2020 zwei Betriebe den Berchtesgadener Vogel je auf 1,5 Hektar anbauen konnten. Heute wächst der Berchtesgadener Vogel im Berchtesgadener Land nur noch auf einem Hektar auf Flächen der Justizvollzugsanstalt Laufen- Lebenau und: Es werden dringend neue Verarbeitungswege für diese alte Sorte gesucht! „Alte

Getreidesorten können am besten durch Wertschöpfung in der Region erhalten bleiben“, so Karin Heinrich von der Biosphären-Verwaltungsstelle. „Deshalb ist es uns ein großes Anliegen, für den Berchtesgadener Vogel neue Verarbeitungswege zu finden, um ihn so in Wert zu setzen–von der Erzeugung über die Verarbeitung bis zur Ladentheke. Der Name ist vielversprechend, nicht nur für eine touristische Vermarktung.“

Der Erhalt alter Getreidesorten, wie beispielsweise dem Berchtesgadener Vogel, ist gerade in einer Biosphärenregion bedeutend, da sie ein wichtiger Bestandteil unseres kulturellen Erbes und der Biodiversität sind. Alte Getreidesorten fördern auch dadurch die ökologische Vielfalt, dass sie Ackerwildkräutern wie Kornblume, Frauenspiegel & Co. durch ihren lichten Wuchs beste Lebensbedingungen bieten.

Bei Interesse oder Fragen wenden Sie sich gerne an Karin Heinrich von der Biosphären- Verwaltungsstelle unter Tel: 08654 30946-16 oder per Email an karin.heinrich@reg-ob.bayern.de.

Weitere Informationen zu alten Getreidesorten finden sich auf der Biosphären-Website unter: www.brbgl.de/alte-getreidesorten.

Bericht: Biosphärenregion BGL – Bildrehcte: Thomas Kern / JVA Laufen-Lebenau


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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