Leitartikel

Fischerjahrtag auf Frauenchiemsee

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Die Fischereigenossenschaft Chiemsee hat ihren 127. Fischereijahrtag auf der Fraueninsel begangen. Nach dem gemeinsamen Kirchenzug mit der Blaskapelle Prien vom Klosterwirt zum Münster feierten die Berufsfischer mit ihren Gästen einen Gottesdienst. Im Anschluss wurde am Kriegerdenkmal der verstorbenen Mitglieder sowie der Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege gedacht.

In seiner Ansprache erinnerte Vorsitzender Florian Kirchmeier daran, dass Frieden keine Selbstverständlichkeit sei. Die Schicksale der gefallenen Fischerfamilien mahnten auch heute noch, Verantwortung für Frieden und Menschlichkeit zu übernehmen. Mit der Kranzniederlegung wurde dieses Gedenken in würdiger Form zum Ausdruck gebracht.

Zur anschließenden Versammlung begrüßte Kirchmeier zahlreiche Vertreter aus Politik, Behörden, Fachinstitutionen, Fischereiverbänden sowie Berufsfischer und Angelvereine. Erstmals fand der Fischereijahrtag im Klosterwirt statt, nachdem der bisherige Veranstaltungsort, der Gasthof zur Linde, Ende des vergangenen Jahres geschlossen worden war. Kirchmeier dankte den Wirtsleuten des Klosterwirts dafür, dass die traditionsreiche Veranstaltung weiterhin auf der Fraueninsel in einem angemessenen Rahmen stattfinden könne.

Im Mittelpunkt seines Jahresberichts stand die Entwicklung der Fischerei am Chiemsee. Die 16 Berufsfischerfamilien erzielten im Jahr 2025 einen Gesamtertrag von 76.631 Kilogramm Fisch. Wichtigste Fischart blieb mit knapp 56 Tonnen die Renke, deren Fangmenge gegenüber dem Vorjahr allerdings um rund 16 Tonnen zurückging. Noch größere Sorgen bereiten nach den Worten Kirchmeiers die bisherigen Fangergebnisse des laufenden Jahres, die deutlich hinter den Vorjahreswerten liegen. Sollten sich diese Entwicklungen fortsetzen, könne dies für einzelne Familien existenzbedrohende Auswirkungen haben. Als mögliche Ursachen nannte er unter anderem die anhaltende Niederschlagsarmut, den geringen Nährstoffeintrag in den See, Auswirkungen der Quaggamuschel sowie möglicherweise schwächere Jahrgänge bei der Renke. Ergebnisse einer Versuchsfischerei hätten zudem gezeigt, dass zwar kleinere Renken vorhanden seien, diese für die Berufsfischerei jedoch noch nicht die erforderliche Größe erreicht hätten.

Erfreulicher entwickelte sich dagegen der Hechtbestand. Mit mehr als fünf Tonnen Fang im vergangenen Jahr und einer erfolgreichen Gewinnung von Hechtlaich für die eigene Nachzucht habe diese Fischart für die Betriebe weiter an Bedeutung gewonnen. Auch Barsch, Zander, Aal und Brachsen trügen zur wirtschaftlichen Stabilisierung der Berufsfischerei bei. Kirchmeier hob außerdem die umfangreichen Besatzmaßnahmen mit Seeforellen, Zandern, Maränen und Glasaalen hervor sowie die enge Zusammenarbeit mit Angelvereinen und der Fischerjugend bei verschiedenen Artenschutzprojekten.

Großen Raum nahm die Ausbreitung der Quaggamuschel ein. Die invasive Muschel erschwere inzwischen die tägliche Arbeit der Berufsfischer erheblich, da Netze in weiten Teilen des Sees stark besiedelt würden. Über die langfristigen Auswirkungen auf den Nährstoffhaushalt und die Fischbestände lasse sich derzeit noch keine abschließende Aussage treffen. Die Fischereigenossenschaft unterstütze deshalb gemeinsam mit dem Bezirk Oberbayern wissenschaftliche Untersuchungen, um die Veränderungen im Chiemsee genauer zu erfassen. Ebenso sprach Kirchmeier die zunehmenden Belastungen durch Kormoran und Fischotter an, die sowohl den Fischbestand als auch die Teichwirtschaft beeinträchtigten.

Im weiteren Verlauf des Fischereijahrtages informierte Dr. Bernhard Gum, Leiter der Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberbayern, in einem Fachvortrag über aktuelle Entwicklungen in der oberbayerischen Seenfischerei. Mit Grußworten der Ehrengäste sowie dem gemeinsamen Austausch der Berufsfischer fand der traditionsreiche Fischereijahrtag seinen Abschluss.

Bericht in Abstimmung mit Fischereigenossenschaft Chiemsee – Fotos: Michael Anner junior, Prien a. Chiemsee

 


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Toni Hötzelsperger

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