Ein erfülltes und abwechslungsreiches Leben, geprägt von Heimatverbundenheit, Fürsorge für die Familie und tiefer Verwurzelung in der Dorfgemeinschaft, fand mit dem Tod von Edeltraud Paul sein irdisches Ende. Ein schwerer Schlaganfall vor wenigen Wochen machte zunächst einen Krankenhausaufenthalt notwendig. An ihrem Lebensende kehrte sie jedoch in ihr vertrautes Umfeld zurück, wo sie im Kreis der Familie und betreut vom Jakobus-Hospizverein friedlich einschlafen konnte.
Geboren wurde Edeltraud Paul auf einem Gärtneranwesen in Altenbeuern. Im Haus ihrer Eltern Hans und Therese Heibl, das am Ortseingang lag und später auch die Poststelle der Gemeinde beherbergte, verbrachte sie gemeinsam mit ihrem Bruder eine unbeschwerte Kindheit. Die damalige Zeit war geprägt von einem starken Zusammenhalt unter Gleichaltrigen und innerhalb der Dorfgemeinschaft. Durch den elterlichen Postbetrieb ergab es sich, dass die „Post-Traudl“ schon früh Botengänge übernahm.
Nach der Schulzeit in Neubeuern absolvierte sie, wie viele junge Frauen ihrer Generation, eine Ausbildung an der Landwirtschaftsschule in Rosenheim. Anschließend arbeitete sie im Haushaltsdienst in Hinterhör bei Gräfin Degenfeld und deren Tochter. In diesem Umfeld bot sich ihr die Gelegenheit, als junge Frau für mehrere Jahre nach Amerika zu gehen, wo sie als Haus- und Kindermädchen tätig war. Diese Zeit prägte sie nachhaltig, nicht zuletzt durch das Erlernen der englischen Sprache, die sie später immer wieder pflegte.
Nach ihrer Rückkehr war sie fest in das Dorfleben eingebunden. Besonders der Fasching in Neubeuern spielte eine wichtige Rolle: Anfang der 1960er Jahre wirkte sie als Gardemädchen mit. Dabei lernte sie ihren späteren Ehemann Albert Paul kennen, der Jahre später als Faschingsprinz regierte. Mit der Hochzeit im Jahr 1963 begann der gemeinsame Lebensweg, der sie nach Altenmarkt führte.
Dort schuf die Familie mit zwei Töchtern und einem Sohn ein eigenes Zuhause mit Garten. Später wuchs die Familie auf zehn Enkelkinder und zwei Urenkel an. Die Familie bildete stets den Mittelpunkt ihres Lebens, geprägt von Fürsorge, Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt.
Über Jahrzehnte hinweg war Edeltraud Paul dem Trachtenverein Edelweiß Neubeuern eng verbunden. Gemeinsam mit ihrem Mann, der dort verantwortungsvolle Aufgaben übernahm, wirkte sie im Hintergrund zuverlässig und umsichtig mit. Ob beim Organisieren von Tauschtagen für Kindertrachten, bei Festvorbereitungen oder vielen anderen Aufgaben – ihr Engagement war vielfältig und selbstverständlich. Die Tracht war für sie Ausdruck einer gelebten Lebenshaltung. Auch an der Wiederbelebung des „Beurer Gwand“ wirkte sie gemeinsam mit ihrem Mann mit. In der Tanzlgruppe waren beide gern gesehene Teilnehmer.
Auch im Verkehrsverein Neubeuern engagierte sie sich. Wie viele Familien jener Zeit beteiligte sich auch ihr Haushalt an der Zimmervermietung an Urlaubsgäste. Die Mitarbeit bei gemeinschaftlichen Aufgaben wie der Marktbeleuchtung oder Arbeiten am Badesee zeugte von ihrer Verbundenheit zur Dorfgemeinschaft.
Neben der Geselligkeit prägten die Pflege des Gartens mit Blumen und Gemüse sowie gemeinsame Urlaubsreisen und das Skifahren mit ihrem Mann ihr Leben. Nach dessen Tod fanden sie im Freundes- und Bekanntenkreis bei Wanderungen und Ausflügen in die heimische Natur und Bergwelt neue Erfüllung. Auch die Teilnahme am Seniorenkreis mit seinen Treffen und Ausflügen war ihr im Alter eine willkommene Abwechslung.
Der Pfarrgottesdienst wurde von Pfarrer Christoph Rudolph gehalten und vom Chorgesang begleitet. Der Kirchengemeinde war die Verstorbene stets eng verbunden. Eine große Trauergemeinde gab ihr das letzte Geleit. Angeführt von der Blasmusik sowie den Fahnenabordnungen des Trachtenvereins Edelweiß Neubeuern und der Frauengemeinschaft führte der Trauerzug zur letzten Ruhestätte. In Verbundenheit zur Trachtenfamilie erwiesen viele der Verstorbenen die letzte Ehre in Tracht oder im „Beurer Gwand“.
Bericht: Thomas Schwitteck




