10 Jahre Sauerkraut, Musik und Dorfleben – Beim Sauerkrautfest des Gartenbauvereins Schleching wurde gefeiert, gehobelt, probiert und fermentiert – und vor allem gemeinsam genossen.
Wenn es auf dem Dorfplatz nach frisch gekochtem Sauerkraut duftet, die Musik spielt und an den Tischen zusammengerückt wird, dann ist in Schleching wieder Sauerkrautfest. In diesem Jahr gab es dabei einen besonderen Grund zum Feiern: Der Gartenbauverein Schleching lud bereits zum zehnten Mal zu seinem beliebten Fest ein.
Was vor zehn Jahren als eher kleine Veranstaltung begann, hat sich längst zu einem festen Termin im Dorfkalender entwickelt. Die Nachricht, dass es beim Gartenbauverein nicht nur gutes Sauerkraut, sondern auch Geselligkeit, Musik und ein buntes Programm gibt, hat sich schnell herumgesprochen. So fanden sich auch heuer zahlreiche Besucher auf dem Dorfplatz ein, um gemeinsam das Jubiläum zu feiern. Natürlich stand das Sauerkraut im Mittelpunkt. Hergestellt wird es aus Weißkohlköpfen aus der Region und mit reinen Zutaten – ganz traditionell und ohne Chemie. Wer nicht nur eine Portion für zuhause mitnehmen wollte, konnte das frisch gekochte Sauerkraut auch gleich vor Ort genießen. An den langen Tischen schmeckten Schweinswürstl mit dem würzigen Kraut besonders gut – und bei bester Stimmung blieb so mancher gerne noch ein bisschen länger sitzen.
Wer wissen wollte, wie das Sauerkraut überhaupt entsteht, konnte den Männern am großen Hobel über die Schulter schauen. Markus Tiefenböck und Stefan Prasch legten kräftig Hand an und schickten Kopf für Kopf Weißkohl durch den Hobel. Mit ordentlich Muskelkraft entstand so das fein geschnittene Kraut, das die Besucher auch für die eigene Herstellung zuhause kaufen konnten. Besonders die Kinder verfolgten das Geschehen mit Begeisterung und feuerten die beiden Hobler kräftig an.
Für Unterhaltung sorgte die Kindergruppe des Trachtenvereins d’Gamsgebirgler mit ihren Auftritten. Mit viel Freude und sichtlichem Spaß zeigten die jungen Trachtler ihr Können und es wurde so manches Handy zum Fotografieren gezückt. Musikalisch begleitet wurde das Fest von Roland Boser und Vitus Mittermayr, die für die passende Stimmung auf dem Dorfplatz sorgten. Und auch wer irgendwann genug vom Sauerkraut hatte, musste nicht hungrig bleiben: Mit Kürbissuppe sowie Kaffee und frisch gebackenem Kuchen gab es schmackhafte Alternativen.
Neben Essen und Unterhaltung kam auch der Gartenbauverein selbst nicht zu kurz. Barbara Lukas bot selbstgezogene Kakteen und Sukkulenten in verschiedenen Größen an. Gegen eine Spende fanden die Pflanzen neue Besitzer. Spenden sind beim Gartenbauverein willkommen, denn damit können weitere Projekte verwirklicht und bestehende Vorhaben unterstützt werden – beispielsweise das Alpbachgartl. Für Spannung sorgte außerdem eine besondere Schätzaufgabe: Zwei vom Vorstand gestiftete Kürbisse – ein kleiner und ein deutlich größerer – mussten ihrem Gewicht nach möglichst genau eingeschätzt werden. Die Auflösung sorgte vermutlich bei so manchem für Überraschung: Der kleine Kürbis brachte 892 Gramm auf die Waage, der große stolze 8430 Gramm.
Fermentieren wie früher
Ein besonderer Höhepunkt des Jubiläumsprogramms fand im Bürgerhaus statt. Beim Fermentierkurs mit Moni Loferer konnten Interessierte in die faszinierende Welt der natürlichen Haltbarmachung eintauchen. Das Interesse war groß: Wie lässt sich Gemüse auf traditionelle Weise fermentieren und dadurch über lange Zeit haltbar machen? Welche Utensilien braucht man? Und vor allem: Wie wird aus einem einfachen Ferment etwas Besonderes? Moni Loferer gab den Teilnehmerinnen zahlreiche praktische Tipps und stellte die benötigten Utensilien zur Verfügung. Bevor selbst geschnippelt und eingelegt wurde, durften die Teilnehmerinnen verschiedene Köstlichkeiten aus Loferers Hofküche probieren – inklusive Anregungen, wie sich Fermentiertes auch für Gäste kreativ einsetzen lässt.
Anschließend ging es selbst ans Werk. Gemüse wurde vorbereitet, geschnitten und ins Glas gebracht. Am Ende konnte jede Teilnehmerin ihr selbst hergestelltes Gemüse-Ferment mit nach Hause nehmen – und damit nicht nur ein Glas voller Geschmack, sondern auch ein Stück traditionelles Wissen. Bei bestem Wetter ließ sich das zehnte Sauerkrautfest auf dem Schlechinger Dorfplatz schließlich in vollen Zügen genießen. Es war ein Fest, das einmal mehr zeigte, dass regionale Lebensmittel, altes Handwerk und gelebte Gemeinschaft wunderbar zusammenpassen. Denn Sauerkraut ist in Schleching längst mehr als nur Kraut im Glas: Es ist ein Stück Tradition, das Menschen an einen Tisch bringt. Und wenn dabei gemeinsam gegessen, gelacht, musiziert und geratscht wird, dann wird aus einem einfachen Krautfest ein echtes Stück Dorfleben. wun
Text und Fotos: Sybilla Wunderlich – Stefan Prasch (links) und Markus Tiefenböck am großen Hobel für das Kraut


