Tourismus

Priener Radltour nach Briancon

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Von Prien über drei Länder bis nach Briançon: Zu den Gipfeln der Tour de France  –  Radfahrverein Prien e.V. aus Prien am Chiemsee bewältigt 1.208 Kilometer und 15.480 Höhenmeter – fünf Etappen nach Briançon (Partnerstadt von Rosenheim), berühmte Alpenpässe im Serre Chevalier und ein „Finale“ an der legendären Alpe d’Huez

Prien am Chiemsee/Briançon. Es war eine Radtour, die es in sich hatte: Fünf Rennradfahrer aus Prien am Chiemsee machten sich gemeinsam mit einem Begleitfahrzeug auf den Weg über die Alpen nach Briançon in den französischen Hautes-Alpes um dort berühmte Pässe zu erklimmen. In fünf Etappen legte die Gruppe rund 800 Kilometer und 8.500 Höhenmeter zurück, um am Zielort und Ausgangspunkt der Sternfahrten anzukommen. Dabei führte die Reise durch vier Länder und zahlreiche Landschaften, die seit Jahrzehnten eng mit dem internationalen Radsport verbunden sind.

Am Ziel in Briançon wurden die Radfahrer von Vertretern der Stadt und weiteren Persönlichkeiten herzlich empfangen. Eine besondere Überraschung war ein Karton mit regionalen isotonischen Getränken, die von den Sportlern bereits am Abend gemeinsamen verköstigt wurden. „Wir möchten uns noch einmal ganz herzlich für diesen wunderbaren Empfang am Rathaus in Briançon bedanken“, sagt die Gruppe rückblickend.

Fünf Etappen von Bayern über die Alpen nach Frankreich

Die Reise begann in Prien am Chiemsee. Die fünf Sportler wechselten sich während der Tour mit dem Fahren des Begleitfahrzeugs ab. Dadurch waren immer vier Rennräder auf der Straße, während jeweils einer einen Ruhetag einlegen konnte. Ganz ohne Arbeit war dieser Ruhetag allerdings nicht: Das Begleitfahrzeug war gleichzeitig mobile Versorgungsstation, Fotostudio und Organisationszentrale. Alle rund 50 Kilometer musste eine geeignete, möglichst schattige Pause gefunden werden. Dazu kamen Einkäufe für Getränke und Verpflegung sowie zahlreiche Fotos und Videoaufnahmen.

Die fünf Etappen:

  1. Prien – Telfs:
    Die erste Etappe führte von Oberbayern nach Tirol. Über das Inntal ging es entlang des Inns bis nach Telfs. Nach dem Start am Chiemsee war dies zunächst der vergleichsweise „freundliche“ Einstieg in die Alpenüberquerung.
  2. Telfs – St. Moritz:
    Von Tirol ging es weiter in die Schweizer Alpen. Mit zunehmender Höhe veränderte sich die Landschaft deutlich: Aus dem Inntal wurde eine hochalpine Radtour, die schließlich in das Engadin und nach St. Moritz führte. Damit war der erste große Alpenabschnitt geschafft.
  3. St. Moritz – Mailand:
    Die dritte Etappe brachte einen besonderen Wechsel: vom Hochgebirge den Maloja Pass hinunter in die lombardische Ebene am Comer See vorbei, wo eine Eskorte vom Radverein La Popolare Cyclistica die Gruppe weiter bis nach Mailand begleitete. Nach den Höhenmetern der Schweizer Alpen stand nun deutlich mehr Kilometerleistung als Kletterarbeit im Vordergrund.
  4. Mailand – Turin:
    Die vierte Etappe war für Radsportfans etwas ganz Besonderes. Die Gruppe fuhr von einer ortkundigen Eskorte begleitet aus Mailand, nach Turin auf den Spuren des traditionsreichen Eintagesklassikers Milano-Torino. Höhepunkt war die 4,8km Auffahrt und Endspurt über 449 Höhenmeter zur Basilika am Superga oberhalb Turins (Basilica della Natività di Maria Vergine).

Die Milano-Torino gilt als ältestes noch ausgetragenes Eintagesrennen im internationalen Radsportkalender. Das Rennen fand zum ersten Mal 1876 statt. Die aktuelle Streckenführung endet ebenfalls nach dem Aufstieg auf den Superga. Die letzten rund fünf Kilometer der heutigen Schlussauffahrt weisen im Schnitt etwa 9,1 Prozent Steigung auf; im mittleren Bereich werden rund 14 Prozent erreicht.

Damit erreichten die Rennradfahrer einen Ort, an dem normalerweise internationale Profis um Sekunden und den Sieg kämpfen. Der gegenwärtige Rekordhalter ist der Kolumbianer Isaac del Toro, der die Superga Strecke in 11 Minuten und 28 Sekunden meistert.

  1. Turin – Briançon:
    Zum Abschluss ging es über die französisch-italienischen Alpen Richtung Briançon. Mit dem Grenzübertritt über den Montgenèvre/Monginevro erreichte die Gruppe Frankreich und schließlich Briançon – eine Stadt, die wie kaum eine andere in den französischen Alpen mit dem professionellen Radsport verbunden ist.

Eine zweite Gruppe mit vier weiteren Radsportbegeisterten war zum Beginn der Sommerferien direkt mit dem Auto nach Briançon angereist. Gemeinsam ging es anschließend auf die Straßen und Pässe rund um Serre-Chevalier und Alpe d‘Huez.

Die Teilnehmer, zwischen 15 und 62 Jahren, stellten sich dabei einigen der bekanntesten Anstiege der Region. Auf dem Programm standen unter anderem die Géants de Serre-Chevalier, Tour-de-France-Klassiker wie der Col du Lautaret und der Col du Galibier Mit Télégraphe sowie weitere Anstiege im Briançonnais.

Damit wurde die Reise endgültig zu einer kleinen persönlichen Tour de France.

Briançon – eine Stadt mit Tour-de-France-Geschichte

Für die neun Rennradfahrer war Briançon deshalb weit mehr als nur das Ziel ihrer Reise. Damit wurde die Reise endgültig zu einer kleinen persönlichen Tour de France. Die auf rund 1.300 Metern Höhe gelegene Stadt mit Ihren 11.000 Einwohnern war bereits mehrfach Etappenort der Tour de France. Die Region rund um Briançon gehört zu den klassischen Hochgebirgslandschaften der Grande Boucle. Namen wie Col du Galibier, Col du Lautaret, Col d’Izoard und Col de Vars stehen für einige der berühmtesten Anstiege der Tour-Geschichte.

2017 etwa startete die 18. Tour-Etappe in Briançon und führte über den Col de Vars und den legendären Col d’Izoard, wo das Ziel auf dem Gipfel lag. Bereits 2007 endete eine Tour-Etappe in Briançon, nachdem die Fahrer unter anderem über Col de l’Iseran, Col du Télégraphe und Col du Galibier gekommen waren.

Besonders eng mit Briançon verbunden ist der Col du Galibier. Mit seinem hochalpinen Gipfel gehört er zu den großen „Géants“ des französischen Radsports und wurde bereits 1911 erstmals von der Tour de France überquert. Ein besonderer Höhepunkt war die Fahrt zur Alpe d’Huez und über den legendären Col de Sarenne.

Die Alpe d’Huez gehört zu den bekanntesten Bergen der Tour de France. Die klassische Auffahrt von Bourg-d’Oisans ist für ihre 21 Kehren berühmt und weist auf rund 13,8 Kilometern etwa 8,1 Prozent durchschnittliche Steigung auf. Ihre Tour-de-France-Geschichte begann bereits 1952, als der Italiener Fausto Coppi dort gewann. Seither wurde die Auffahrt zu einem der berühmtesten Ziele des gesamten Profiradsports.

Besonders interessant für die Radler vom Radfahrverein Prien e.V. war jedoch das zeitgleich ein offizieller Halbdistanz Triathlon, auf dem in der Radsportgemeinde berühmten Aufstieg, zur Wechselzone für den anschließenden Halbmarathon veranstaltet wurde. Die Priener Radler wurden bei Ihrem Aufstieg in den Fan-Zonen entlang der legendären Strecke wie die registrierten Teilnehmer bis zum Gipfel mit Gartenschläuchen gekühlt, motiviert und angefeuert. Nach einer Erfrischungspause und Fototermin folgte der Aufstieg zum Col de Sarenne inklusive der Abfahrt mit konzentriertem Blick auf die engen Straßen und entlang der atemberaubenden Hochalpinen Gebirgsschluchten. Der Pass verbindet das Tal von Mizoën mit der Alpe-d’Huez-Region, erreicht knapp 2.000 Meter Höhe und wird häufig für Rundfahrten genutzt.

Eine Reise zwischen Breitensport und Radsportgeschichte

Für die Gruppe aus Prien ging es allerdings nie darum, eine professionelle Rennleistung zu imitieren. Im Mittelpunkt standen das gemeinsame Erlebnis, die Alpen, die Landschaften und die Faszination des Rennradsports. Gerade das Wechselspiel zwischen ambitioniertem Sport und Gemeinschaft machte die Tour aus. „Wir hatten eine fantastische Zeit“, lautet das Fazit der Priener Rennradfahrer. Und vielleicht steht dann irgendwann die nächste gemeinsame Tour an, natürlich mit möglichst vielen Kilometern, möglichst vielen Höhenmetern und möglichst wenig Gegenwind.

Bericht und Bilder:  Helge Lüsebrink  / Radfahrverein Prien a. Chiemsee 

Foto 1 Empfang bei der Gemeinde Briançon

Foto Alpe Huez: Von links: Moritz Ramming, Paul Batsii, Helge Luesebrink, Jochen Paul, Bernd Ramming, Wini Kober, Paul Batsii, Bernhard Natterer, Tom Spermann

Foto Abfahrt Col de Sarenne


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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