Leitartikel

Nachbau Römischer Prunkschilde

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Drei römische Prunk- bzw. Repräsentationsschilde aus der Spätantike  –  Hier wird kurz beschrieben, wie diese drei Schilde von den Schildrohlingen bis zur aufwändigen Bemalung von Klaus Peter Horack nachgebaut wurden. 

1996 erschien der Bildband „Reiter wie Statuen aus Erz“ vom Verlag Philipp von Zabern. Hier beschreibt der bekannte Militärhistoriker Dr. Marcus Junkelmann die Rekonstruktion und praktische Erprobung einer vollständigen Ausrüstung eines römischen Reiters. Der Band wurde von mir Jahre später erworben, da ich Marcus Junkelmann bei verschiedenen Vorführungen zum Thema „Römische Reiterei“ live erleben durfte. In diesem Band befand sich ein weiterer Beitrag über neue römische Prunkschilde von Klaus Peter Goethert mit den entsprechenden Zeichnungen. Prunkschilde waren keine Kampfschilde und deshalb besonders aufwändig bemalt. Nachdem ich bereits mehrere Schilde für die Reenactment-Gruppen LEGIO II ITALICA und LANCIARII LAURIACENSES gebaut und bemalt hatte, waren diese drei Schilde von der Bemalung sehr interessant. Mir war klar, dass die Nachbauten und die Bemalungen sehr zeitaufwändig werden würden. Ich stellte das Vorhaben erst einmal zurück, da private Dinge Vorrang hatten. Auch nahm ich mir vor, eigene Ideen bei den Rekonstruktionen mit einzubringen. Also keine 1:1 Nachbauten.

Die Schilde   

Nach den Angaben des Eigentümers wurden vier Schildfragmente dieser römischen Prunkschilde in Ägypten gefunden. Die Teile wurden vom Eigentümer als Dauerleihgabe der Universität Trier überlassen. Da vom vierten Schild nur kleine Restfragmente gefunden wurden, konzentrierte man sich auf die drei anderen Schilde für eine Rekonstruktion. Ein Schild war ornamental verziert, der zweite zeigte Jagdszenen und der dritte Kampfbilder.

Nachdem vom Ornamentschild größere zusammenhängende Teile gefunden wurden, konnte man die Bemalung exakt rekonstruieren.  

Vom Jagdschild wurden Leder- und Holzreste bewahrt. Drei große Teile umfassten die untere Hälfte des Schildes, wobei ein dargestellter Mann in Gewandung zu sehen ist. Daneben ist der Rest einer Tierkampfgruppe überliefert, wo ein weißer Stier von einem Löwen angefallen wird. Auch sind Teile von zwei Bären erkennbar. Neben dem Fragment von einem Reiter ist noch ein jagender Hund zu erkennen. Handelt es sich hier um die Darstellung einer Treibjagd? Der Kampfschild ist am besten erhalten. Hier kann man sich im Großen und Ganzen vorstellen wie der Schild aufgebaut war. So sind die kämpfenden Personen teilweise zu sehen. Nachdem mir die Person, gerahmt von zwei Siegesgöttinnen, nicht gefiel, habe ich dafür den römischen Adler genommen, der nun von den Göttinnen eingerahmt wird. Die Deutung des Verfassers lässt die Vermutung zu, dass ein militärisch tätiger Beamter wegen eines Sieges gefeiert wurde.

Die zeichnerischen Rekonstruktionen wurden von Frau Ulrike Denis, Zeichnerin am Archäologischen Institut der Universität Trier, angefertigt.

Meine Rekonstruktionen 

Die von Frau Denis erstellten Zeichnungen in diesem Buch nahm ich als Vorbild für meine eigenen drei Schilde und Interpretationen. Nachdem es sich bei allen Schilden um Rundschilde handelte, ich aber zwei Schilde in gewölbter Form verwenden wollte, ist nur der Ornamentschild rund ausgeführt. Aus Gründen des Urheberrechts habe ich die angefertigten Zeichnungen aus dem Buch nicht verwendet. Der Leser kann sich trotzdem ungefähr vorstellen, wie alle drei Schilde im Originalzustand ausgesehen haben könnten. Laut dem Verfasser waren die leichten Schilde an der Front mit Schafs- oder Ziegenleder bezogen. Die schwereren Schilde mit Eselshaut. Bei meinen gewölbten Schilden wurde bei der Bespannung der Schildvorderseiten Rohhaut verwendet. (Rohhaut ist abgezogene, enthaarte und getrocknete Rinderhaut.) Nun bekam ich Hilfe von einem professionellen Schildbauer. Meine eigenen Versuche mit der Rohhaut endeten leider in einem Fiasko. Man erkennt auf beiliegendem Foto, dass die gewölbten Schilde aus verleimten Brettchen zusammengesetzt sind. Die Rückseiten aller drei Schilde wurden von mir mit Leinen beklebt. Beim runden Ornamentschild nahm ich einfaches Sperrholz und beklebte die Front mit Kalbsleder. Die Oberfläche sollte glatt sein, da bei der Zeichnung sehr feine Linien zu sehen waren. Bei der Umrahmung der drei Schilde verwendete ich ebenfalls Rohhaut. Obwohl sich bei den Funden keine Schildbuckel aus Metall erhalten hatten, verwendete ich die aus Funden und auch Mosaiken bekannten spätantiken spitzen Schildbuckel. Den Kampfschild nahm ich mir als erstes vor und konnte ihn z.B.  letztes Jahr im Römermuseum Boiotro/Passau zeigen. Der Jagdschild stellte schon eine größere Herausforderung dar. Im Frühjahr 2026 war er dann auch endlich fertig.

Am zeitaufwändigsten war der Ornamentschild. Dieser kostete mich viel Zeit, da ich die Muster um den Schildbuckel berechnen musste. Trotz einiger kleinen Abweichungen bei den Ornamenten bin ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Bei der Randeinfassung des Schildes mit den sogenannten Edelsteinen ließ ich die orange Grundierung weg, die von Frau Denis verwendet wurde. So kommen aus meiner Sicht die einzelnen Bereiche auf weißem Grund besser zur Geltung. Nach Wochen des Bemalens konnte ich im August 2026 erstmalig den Ornamentschild bei Bayerns größtem Römerfest „Salve Abusina“ (14. – 16. August 2026) zeigen. Dieser Schild wurde 14 Tage vorher endlich fertig. Im Anhang die Fotos aller drei von mir rekonstruierten Schilde mit Detailansichten, Fotoausschnitt von einem gewölbten Schildrohling und beim Bemalen. Dazu ein Foto von mir mit dem Ornamentschild bei seinem ersten Einsatz beim Römerfest in diesem Jahr.

Bericht und Bilder: Klaus Peter Horack – Der Verfasser dieses Beitrags

Klaus Peter Horack gründete vor 26 Jahren den Verein Kelten&Römer. Nach seinem Weggang vom Verein blieb er der Szene weiterhin treu und schuf anschließend mit den beiden Interessengemeinschaften LEGIO II ITALICA und LANCIARII LAURIACENSES die größten spätantiken Reenactmentgruppen im süddeutschen Raum. Er ist aktuell Mitbegründer der Keltengruppe „KELTOI NORICI“ am Chiemsee. Diese Gruppe zeigt in Gewandung und Ausrüstung die Kelten in der Spätlatene im Königreich Noricum. Außerdem hält er mit Gleichgesinnten Vorträge über die Kelten und die Römer in Realschulen und Gymnasien ab und zeigt anhand von Repliken “Geschichte zum Anfassen.”

 


Redaktion

Toni Hötzelsperger

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