Natur & Umwelt

Bonjour Bartgeier: Nachwuchs kommt diesmal aus Belgien und Frankreich

Veröffentlicht von Günther Freund

Zwei Jungvögel für LBV und Nationalpark Berchtesgaden aus internationalem Zuchtprogramm für Auswilderung in Bayern

Das bayerische Wiederansiedlungsprojekt für den Bartgeier setzt seinen Erfolgsweg fort. In diesem Sommer werden der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und der Nationalpark Berchtesgaden gemeinsam zum sechsten Mal in Folge zwei junge Bartgeier auswildern. Seit dem Start des Wiederansiedlungsprojektes im Jahr 2021 wurden bereits zehn Geier in die deutschen Alpen entlassen. Mit bald insgesamt zwölf ausgewilderten Vögeln wird die alpenweite Population der gefährdeten Greifvögel weiter gestärkt. Die diesjährigen Junggeier stammen erstmals aus Zoos in Belgien und Frankreich. Dass 140 Jahre nach der Ausrottung der Art in Bayern wieder regelmäßig Bartgeier über den Gipfeln des Nationalparks gesichtet werden, ist ein großer Erfolg für den alpinen Artenschutz.

                                Jungvögel

Der jährliche Aufwand hinter der Auswilderung der Bartgeier ist enorm. Er zeigt, wie eng Naturschützerinnen und Naturschützer des europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) über Ländergrenzen hinweg zusammenarbeiten, um den imposanten Greifvogel dauerhaft zurückzubringen. „Als Aasfresser hat der Bartgeier eine zentrale Funktion im alpinen Ökosystem. Zum Beispiel trägt er dazu bei, die Ausbreitung von Wildtierseuchen zu verhindern. Viel zu lange hat er in den bayerischen Bergen gefehlt“, sagt LBV-Bartgeierexperte Toni Wegscheider. „Dass die Vögel aus Belgien und Frankreich zu uns kommen, verdeutlicht erneut den europäischen Gedanken hinter diesem Projekt. Jeder einzelne Vogel ist ein wichtiger Baustein für eine stabile Population in den Ostalpen“.

Optimale Bedingungen im Nationalpark

Die Auswilderung der noch nicht flugfähigen Jungvögel findet erneut in der bewährten Felsnische im Klausbachtal statt, die den Vögeln idealen Schutz bietet, bis sie nach einigen Wochen selbständig flügge werden. Während dieser Zeit werden sie vom Team rund um die Uhr überwacht. Nationalpark-Projektleiter Ulrich Brendel betont: „In den letzten Jahren kamen Jungvögel aus Spanien, Finnland und Österreich zu uns. Dies zeigt, wie grenzüberschreitender, moderner Naturschutz funktioniert. Der Nationalpark Berchtesgaden bietet als großes Schutzgebiet mit reichem Nahrungsangebot beste Voraussetzungen für den Start in ein Leben in Freiheit. Wir sind zuversichtlich, dass auch die neuen Jungvögel bald souverän durch die Berchtesgadener Alpen segeln werden“. Um für die Junggeier eine möglichst stressfreie Ankunft in Berchtesgaden und einen verzögerungsfreien Transport in die Nische zu gewährleisten, wird in diesem Jahr am Auswilderungstag erstmals auf eine öffentliche Präsentation der Vögel am Klausbachhaus verzichtet. Selbstverständlich können alle Bartgeierfans wie immer ab der ersten Minute in der Nische die Entwicklung der jungen Bartgeier bis hin zum Ausflug per Webcam verfolgen.

Zum Projekt:

Der Bartgeier (Gypaetus barbatus) zählt mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,90 Metern zu den größten, flugfähigen Vögeln der Welt. Anfang des 20. Jahrhunderts war der majestätische Greifvogel in den Alpen ausgerottet. Im Rahmen eines großangelegten Zuchtprojekts werden seit 1986 im Alpenraum in enger Zusammenarbeit mit dem in den 1970er Jahren gegründeten EEP (Europäisches Erhaltungszuchtprogramm) der Zoos junge Bartgeier ausgewildert. Das europäische Bartgeier-Zuchtnetzwerk wird von der Vulture Conservation Foundation (VCF) mit Sitz in Zürich geleitet. Während sich die Vögel in den West- und Zentralalpen seit 1997 auch durch Freilandbruten wieder selbstständig vermehren, kommt die natürliche Reproduktion in den Ostalpen nur schleppend voran. Ein vom bayerischen Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und dem Nationalpark Berchtesgaden gemeinsam initiiertes und betreutes Projekt zur Auswilderung von jungen Bartgeiern im bayerischen Teil der deutschen Alpen greift dies auf und unterstützt in Kooperation mit dem Tiergarten Nürnberg die alpenweite Wiederansiedelung. Dafür werden in den kommenden Jahren im Klausbachtal junge Bartgeier ausgewildert – im Jahr 2021 erstmals in Deutschland. Der Nationalpark Berchtesgaden eignet sich aufgrund einer Vielzahl von Faktoren als idealer Auswilderungsort in den Ostalpen.

Mehr Informationen zum Projekt unter www.lbv.de/bartgeier-auswilderung.


Redaktion

Günther Freund

1944 in Bad Reichenhall geboren, Abitur in Bad Reichenhall, nach dem Studium der Geodäsie in München 3 Jahre Referendarzeit in der Vermessungs- und Flurbereinigungsverwaltung mit Staatsexamen, 12 Jahre Amtsleiterstellverteter am Vermessungsamt Freyung, 3 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Zwiesel und 23 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Freyung (nach Verwaltungsreform mit Vermessungsamt Zwiesel als Aussenstelle). Seit 2009 im Ruhestand, seitdem in Prien am Chiemsee wohnhaft.

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