Leitartikel

Kiefersfeldener Ritterspiele: Premiere

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Mit „Ubald von Sternenburg“ eröffnen die Ritterschauspiele Kiefersfelden ihre neue Saison – und zeigen eine Inszenierung, die das traditionelle Volkstheater nicht nur fortführt, sondern mit spürbarer Sorgfalt und gemeinschaftlicher Energie neu belebt. Die Premiere macht deutlich, wie anspruchsvoll das Stück ist und wie sicher das Ensemble diese Anforderungen trägt.

Der Dreiteiler „Ubald von Sternenburg oder: Der Rächer am Totensarg“ entfaltet sich auf der charakteristischen Drehkulissenbühne, die seit Jahrhunderten das Zentrum der Ritterschauspiele bildet. Das Theater, dessen Geschichte bis 1618 zurückreicht, bleibt ein besonderer Ort in der bayerischen Kulturlandschaft: ein Haus, in dem ein Dorf gemeinsam spielt und eine über Generationen gewachsene Form des Volkstheaters lebendig hält. Die Grundlage des Stücks stammt von Sylvester Greiderer, der das alte Ritterschauspiel 1890 wiederentdeckte und für die Bühne neu gestaltete – eine Fassung, die bis heute trägt.

Zu den Premierengästen zählten Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig, Tiroler Landtagsabgeordnete Katrin Brugger, Landtagsabgeordneter Sebastian Friesinger, stellvertretender Bezirkstagspräsident Rainer Schneider, Landrat Otto Lederer sowie stellvertretende Landrätin Marianne Loferer. Ihre Anwesenheit unterstrich die kulturelle Bedeutung des Theaters weit über die Gemeindegrenzen hinaus.

Im Mittelpunkt der Handlung steht Graf Ubald, der Rosa von Altenburg aus Gefahr rettet und sich in sie verliebt. Doch seine Stiefmutter Chlothilde und ihr Vetter Alfred von Hartstein verfolgen eigene Pläne und versuchen, Ubalds Glück zu untergraben. Intrigen, Täuschungen und Missverständnisse treiben die Geschichte voran, während Minnesänger Fridolin vom Freundsberg als moralischer Gegenpol wirkt. Die Zigeunerschar bringt Bewegung und volkstümliche Wärme in die Szenen, bevor sich im Burgverlies die Wahrheit offenbart und das Drama in einen versöhnlichen Schluss mündet.

Die Inszenierung verlangt eine klare, kontrollierte Sprache, die das Stück vor unfreiwilliger Komik schützt und gleichzeitig Spannung erzeugt. Die Reduktion von vier auf drei Akten erfordert ein straffes Tempo und hohe Genauigkeit im Ablauf. Die handbetriebene Kulissenmechanik verlangt präzise Zusammenarbeit hinter der Bühne – ein sichtbares Zeichen für das gemeinschaftliche Handwerk, das die Ritterschauspiele prägt.

Die Darstellerinnen und Darsteller tragen den Abend mit starken Leistungen. Ubald wird mit ernsthafter innerer Spannung gespielt, Rosa mit stiller, glaubwürdiger Kraft. Alfred zeigt eine Mischung aus Härte und verletzlicher Eitelkeit, Fridolin eine feine Balance aus Melancholie und Entschlossenheit. Bemerkenswert bleibt, dass das Ensemble traditionell ohne bürgerliche Namensnennung auftritt und als Gemeinschaft wirkt.

Ciprian, die Kasperl‑Figur, setzt humorvolle Akzente. Seine gereimten Lieder, sein Dialekt und seine leichten Kommentare öffnen das ernste Geschehen und verbinden die Ebenen von Volk und Herrschaft – ein charakteristisches Element der Kiefersfeldener Tradition.

Die Zigeunerschar sorgt für besonders lebendige Momente. Gesang, choreografierte Bewegungen und farbige Präsenz verleihen dem Stück jene volkstümliche Atmosphäre, die die Ritterschauspiele seit jeher auszeichnet. Die große Lager‑Szene zählt zu den eindrucksvollsten Bildern des Abends.

Auch die Theatermusik spielt eine tragende Rolle. Sie begleitet Szenen, schafft Übergänge und tritt immer wieder solistisch hervor. Die musikalischen Motive – vom Zigeunermarsch bis zu den Einwürfen des Minnesängers – geben dem Abend jene charakteristische Mischung aus Ritual und Volkstheater, die das Stück zusammenhält.

Die Regie von Wast Bleier führt das Ensemble ruhig und konzentriert durch die Szenenwechsel und emotionalen Wendungen. Besonders die Burgverlies‑Szene, in der Camillas Herkunft ans Licht kommt, zeigt die klare, unaufdringliche Handschrift dieser Spielleitung.

Der Abend endet mit einem versöhnlichen Schluss, den das Publikum spürbar erleichtert aufnimmt. Mehrfacher Szenenapplaus und ein warmer Schlussapplaus begleiteten die Premiere.

Damit bestätigt die Aufführung der Ritterschauspiele 2026, warum dieses Theater ein kultureller Sonderfall bleibt: ein Ort gelebter Tradition, gemeinschaftlichen Handwerks und eines Volkstheaters, das seine Geschichte nicht konserviert, sondern lebendig weiterträgt.

Fotos: Markus Mitterer (Ritterschauspiele Kiefersfelden)


Redaktion

Toni Hötzelsperger

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