Hitze, Trockenheit, Ertragsausfälle, hohe Kosten und schwierige Märkte setzen Bayerns Landwirtschaft massiv unter Druck. Der Bayerische Bauernverband (BBV) fordert deshalb ein Sofortprogramm zum Erhalt der regionalen Lebensmittelerzeugung. „Unsere Betriebe brauchen jetzt schnell Liquidität und Planungssicherheit. Wir dürfen nicht warten, bis aus wirtschaftlichen Problemen Betriebsaufgaben werden“, betont BBV-Präsident Günther Felßner.
Im Mittelpunkt stehen vier Maßnahmen:
1. 500 Millionen Euro zur Entlastung aller Betriebe: 60 Mio. Euro aus dem EU-Hilfspaket angesichts der Auswirkungen der Nahostkrise, 120 Mio. Euro nationale Aufstockung und 320 Mio. Euro zusätzliche Bundesmittel sollen als Zuschuss in die landwirtschaftliche Unfallversicherung fließen. Die Entlastung soll unmittelbar über einen reduzierten Beitrag bei allen Betrieben ankommen.
2. Agrardieselrückvergütung 21,48 Cent je Liter für 2025: Der BBV fordert, bei der Antragstellung 2026 für den Verbrauch des Jahres 2025 den vollen Entlastungssatz von 21,48 Cent je Liter zu gewähren. Zusätzlich brauche es kurzfristig weitere Entlastungen bei den Kraftstoffkosten.
3. GAP-Zahlungen vorziehen: Die Direktzahlungen sollen in möglichst hohem Umfang bereits bis Mitte Oktober 2026 vorausgezahlt werden. Alle verbleibenden flächenbezogenen Zahlungen sollen noch im Dezember ausgezahlt werden.
4. Risikoausgleichsrücklage sofort wirksam einführen: Die steuerfreie Rücklage muss auch für die Jahre 2024 und 2025 gebildet werden können, damit sie bereits im Krisenjahr 2026 wirksam wird und steuerliche Belastungen verringern kann.
Darüber hinaus fordert der BBV möglichst zinsfreie Rentenbank-Darlehen und weitere steuerliche Liquiditätshilfen für akut betroffene Betriebe.
Resilienz langfristig stärken
„Die aktuelle Krise zeigt: Wir brauchen nicht nur Soforthilfe, sondern dauerhaft bessere Möglichkeiten, Wetter-, Markt- und Kostenrisiken abzufedern“, sagt BBV-Generalsekretär Carl von Butler. Dazu gehören eine stärkere Mehrgefahrenversicherung, bessere Wasser- und Bewässerungsstrukturen, die Stärkung von Grünland und Feldfutterbau sowie mehr angewandte Forschung. Regionale Absatzmärkte sind ein weiterer Schlüssel. Mehr heimische Lebensmittel in Kantinen, Schulen, Kitas, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen stärken Nachfrage und Wertschöpfung. Dafür brauche es regionale Lieferketten, Verarbeitung und eine klare Herkunftskennzeichnung. Der BBV fordert außerdem wettbewerbsfähige Energie- und Düngerkosten, eine vollständige Freistellung der Land- und Forstwirtschaft vom Wassercent sowie eine starke Erste Säule der GAP mit klarer Einkommenswirksamkeit. „Wer regionale Lebensmittelerzeugung und Versorgungssicherheit erhalten will, muss jetzt handeln – bei der Liquidität ebenso wie bei den Rahmenbedingungen für die Zukunft“, sagt von Butler. Das vollständige Positionspapier ist online abrufbar unter www.BayerischerBauernVerband.de/Positionen
Bericht und Foto: Bayerischer Bauern Verband


