Leitartikel

Heimatgeschichte: WEG – ein Theaterstück

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Vor 80 Jahren mussten Millionen von Menschen infolge des Zweiten Weltkriegs ihre Heimat in den ehemaligen deutschen Ostgebieten und im östlichen Europa verlassen. Dieses Schicksal soll nicht vergessen werden und hierzu dient die Inszenierung des Theaterstücks WEG, Uraufführung ist am 6. November im König-Ludwig-Saal von Prien a. Chiemsee. Der Vorverkauf für insgesamt 6 Aufführungen mit umfangreichem Begleitprogramm durch das Bildungswerk Rosenheim hat begonnen.

Seelsorger Werner Hofmann, eingesetzt für die Theaterpastoral im Landkreis Rosenheim, erinnert sich genau an den Moment, als ihm die Idee für WEG kam: Ich war bei den Kindern einer verstorbenen Vertriebenen zum Trauergespräch. Sie erzählten die Lebensgeschichte ihrer Mutter, die als Jugendliche mit ihrer Familie vertrieben wurde. Sie waren Teil der sogenannten „Wilden Vertreibung“ und mussten von einem Moment auf den anderen das Haus verlassen. Die Tochter erzählte mir, dass sie nichts mitnehmen konnten, nur das Kreuz aus der Stubn, die haben sie noch mit auf die Flucht nehmen können. Unter diesem Kreuz saßen wir am Esstisch zusammen.“

Diese Erzählung hat Werner Hofmann, der im Landkreis Rosenheim gemeinsam mit seiner Frau Julia Hofmann durch die Inszenierungen des Auferstehungsspiels 2019 in Aschau und den Inszenierungen für die Theatergesellschaft Bad Endorf von Irmengard vom Chiemsee (2023), Jakobus (2025) und Pater Rupert Mayer (2026 mit Franziska Deindl) bekannt ist, nachhaltig beeindruckt. Nach dreieinhalb Jahren Recherche, Zeitzeugenbefragungen und Vorbereitung wird nun am 6. November die Uraufführung von WEG im König Ludwig Saal Wirklichkeit. „Ein langer Weg“ erzählt Werner Hofmann, „wir hoffen, dass wir den vielen betroffenen Menschen ein würdiges Denkmal damit setzen können. Betroffen sind ja auch alle, die die Familien damals aufgenommen haben. Wir wünschen uns, dass von den Großeltern bis zum Enkelkind die ganze Familie zu unseren Aufführungen kommt“.

23 Darstellende und ein 25- köpfiges Musikensemble unter der Leitung von Tilo Heinrich werden das Theaterstück in 6 Aufführungen vom 6.-15. November lebendig werden lassen.

Als Veranstalter der Theateraufführungen hat das Bildungswerk Rosenheim ein besonderes Augenmerk auf ein interessantes Begleitprogramm Wert gelegt: Vorträge, Ausstellungen und Erinnerungsgespräche mit Zeitzeugen vertiefen den Ansatz des WEG-Projektes. Die Erinnerung an damals soll motivieren, sich heute für die Grundwerte unserer Gesellschaft einzusetzen. „Wir wollen Familien motivieren, die Erfahrungen der Vorfahren aufzuschreiben, damit sie nicht verloren gehen. Und vielleicht wird uns mehr bewusst, dass es uns gut geht“ sagt Julia Hofmann, die gemeinsam mit ihrem Mann das Theaterstück verfasst hat und Regie führt.

Karten für das Theaterstück sind in der Touristinfo Prien und online über München Ticket erhältlich. Nähere Information sind unter www.Weg-projekt.de zu finden.

Foto: Julia und Werner Hofmann – sie haben das Theaterstück WEG verfasst

 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

Beiträge und Fotos sind urheberrechtlich geschützt!