Kultur

BGL: Auf den Spuren des Erzengels Michael

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Mit den kraftvollen Klängen eines Alphorns, gespielt von Herbert Nell aus der Schweiz, begann und endete ein besonderer Tag im Königlichen Kurhaus. Axel Burkart hatte zu einer Veranstaltung zu Ehren des Erzengels Michael eingeladen, die zugleich das siebenjährige Bestehen der Holiversität feierte. Der Leiter der privaten, geisteswissenschaftlich-anthroposophisch ausgerichteten Studieneinrichtung verband ein Kompaktseminar über das „Mysterium des Michael“ mit Musik, Schauspiel und Eurythmie.

Für die musikalischen Akzente sorgten Davide Zavatti am Violoncello, Lauro Comploj an der Violine und Michael Walter am Klavier. Neben Werken Ludwig van Beethovens, darunter die Frühlingssonate und die Klaviersonate „Pathétique“, erklangen Eigenkompositionen Zavattis. Besonders persönlich wurde es, als er zu einem Spruch aus Rudolf Steiners Seelenkalender für den Michaelstag am 29. September eine eigene Melodie in Ges-Dur spielte. Auch die Eurythmie, vorgestellt von Dorothea Hitsch, eröffnete neue Perspektiven. Wer darunter bislang lediglich das tänzerische Darstellen von Wörtern verstand, konnte erfahren, wie sich durch gezielte Bewegungen deren sprachlicher und spiritueller Gehalt sichtbar machen lässt. Johannes Gärtner und Elke Zeh wiederum veranschaulichten mit Schauspiel und Musik die inneren Kämpfe des Menschen – sinnbildlich verbunden mit dem Kampf des Erzengels Michael gegen den Drachen.

Im Mittelpunkt des Seminars stand Burkarts Deutung Michaels als Wegweiser zu Christus und als Symbol für die Auseinandersetzung mit den widerstreitenden Kräften im Menschen. Dazu zog der Referent Texte aus dem Alten und Neuen Testament heran und erläuterte die anthroposophische Sicht auf die geistige Welt. Rudolf Steiner habe die traditionelle Lehre von den Engelshierarchien aufgegriffen und in ein systematisches Weltbild eingebettet. Burkart stellte Michael dem Satan (beziehungsweise im alten Persien Ahriman genannt) gegenüber, der in der Offenbarung als Drache erscheint. Die Auseinandersetzung mit diesen Kräften sei nicht allein religiös zu verstehen, sondern betreffe auch das menschliche Denken und Handeln im Alltag. Der Mensch müsse lernen, die Kräfte des Guten und Bösen zu erkennen und mit ihnen umzugehen, ohne sich von ihnen beherrschen zu lassen. „Der Christus in uns ist die Waffe, mit der wir dieses Ziel erreichen können“, sagte Burkart.

Als Sinnbild für das notwendige Gleichgewicht diene die Waage, die Michael in Darstellungen häufig in der Hand hält. Es gehe darum, gegensätzliche Kräfte auszubalancieren und über ein polares Denken in bloßen Gegensätzen hin zu einem trinitären Denken zu gelangen. Auch im Menschen wirkten mit Denken, Fühlen und Wollen drei Kräfte zusammen. Wer sein Denken bewusst gestalten wolle, müsse dessen Gesetzmäßigkeiten kennen. In diesem Zusammenhang verwies Burkart auf Aristoteles und seine Lehre von der Logik, sowie auf Steiners Erkenntnistheorie.Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Entwicklung des menschlichen Bewusstseins. Während Wissen früher stärker über Bilder vermittelt worden sei, habe der Mensch seit der Renaissance zunehmend die Natur erforscht und die Naturwissenschaft entwickelt. Die Geisteswissenschaft ergänze diese Erkenntnisse durch die Beschäftigung mit dem Geistigen. Burkart plädierte dafür, das eigene Denken bewusst zu schulen und mit dem Willen zu verbinden.

Zum Abschluss rückte die Frage der sozialen Verantwortung in den Mittelpunkt. Burkart zitierte Rudolf Steiner mit dem Gedanken, dass Menschen füreinander da sein sollten, nicht einer auf Kosten des anderen. Wenn jeder aus innerer Freiheit heraus gebe, ohne vom anderen etwas zu fordern, könne ein gemeinsames Ziel erreicht werden. So mündete der Michaelstag in eine erkenntnisreiche Botschaft, die weit über religiöse Bilder hinausreicht – nämlich hin zum Weg zu mehr Bewusstsein, gegenseitiger Verantwortung und Liebe.

Bericht und Fotos: Brigitte Janoschka

 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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