Jede Menge Ärger, Ängste, Chaos, aber auch Menschliches sorgen für gehörigen Zoff im Puff – so die Umschreibung der heiter‑ironischen Komödie der Theatergruppe des Trachtenvereins Edelweiß Neubeuern. Dieser Puff ist wahrlich kein Freudenhaus, Einzelfälle ausgenommen. Das Etablissement ist in die Jahre gekommen; äußerliche Schäden behebt der Hausl, überzeugend gespielt von Sebastian Heibler.
Auch das Personal mit Clubchefin Berta, Chantal und Desire – Regina Pichler, Marianne Heinrich und Roswitha Strauß – hat schon erfolgreichere Tage erlebt. Mit Reiz und Geschick wollen sie den Puff retten, werden jedoch von der Wirklichkeit eingeholt. Chefin Berta (Regina Pichler) fehlen die Gäste, dazu macht ihr Burli (Thomas Pichler), der sich als Bordellgröße sieht, erhebliche Schwierigkeiten. Mit Schantall (Marianne Heinrich) und Desire (Roswitha Strauß), durchaus reizenden Partnerinnen, die mit Hingabe, Einfühlung und Aufreizendem ihren Dienst versehen, hat sie treusorgende Unterstützerinnen an ihrer Seite.
Die Feinheiten des horizontalen Gewerbes – sie meinen, es sei das älteste der Welt – bekommt man hautnah mit beim Besuch des Landwirtes in Gummistiefeln, der feststellt: „Der stinkt heit wieder b’sonders.“ Angenehmer, wenn auch fordernder, ist der Besuch von Bankdirektor Dr. Sauerberg (Richard Leitner); er hatte mit seinen besonderen Anliegen die Lacher auf seiner Seite. Die toll gespielten Abwicklungen der drei Edeldamen mit ihren Kunden erheiterten das Premierenpublikum immer wieder. Darunter befanden sich auch Pfarrer Christoph Rudolph, die Familie Schatt, Förderer des Trachtenvereins, Tobias Englmann in Vertretung der Gemeinde als dritter Bürgermeister sowie die Theaterfreunde aus Rottau. Wie gut, dass es den Willi (Sepp Englberger) gibt – einen Rentner, auch er hat besondere Bedürfnisse.
Wäre da nicht die drohende Gewalt der Jugo‑Mafia, die den Burli erheblich unter Druck setzt und mit dem „Killen“ droht. Die Puff‑Damen vom Club Jet’taime sehen keinen anderen Ausweg, als durch Erpressung zu Geld zu kommen – ein heikler Weg, der angstvoll begangen wird und auch Unschuldige wie den Notar Dr. Kinkel (Simon Steiner) mit einbezieht. Selbst das Verfassen des Drohbriefes bereitet erhebliche Probleme und sorgt für Lacher beim Publikum. Geschichten aus der Vergangenheit – etwa die Vaterschaft des Burli – tauchen auf, und die Mafia bleibt präsent. Gelöst wird das Problem durch eine Meldung, als man die Todesnachricht vom Kunden Will liest, der lange nicht mehr da war. Ein erheiternder Theaterabend mit ungewöhnlichem Inhalt wurde vom Publikum mit langem, anerkennendem Applaus bedacht. Theaterleiter Andi Lagler – Teil der Jugo‑Mafia im Stück, Spielleiter und Bühnenbauer – verwies auf die tolle Gesamtleistung des Teams mit Alexander Mayer und Andreas Artmann in der Technik, Maria Englberger, Kathrin Petri und Dina Hildebrandt in der Maske sowie den Helfern im Hintergrund bei Betreuung und Bewirtung.
Die jahrzehntelange Tradition des Theaterspiels im Verein, so Vorstand Manfred Karl bei der Begrüßung, sieht er gut aufgestellt. Der verstorbene Theaterspielleiter Tomy Fritz‑Grabl, mehr als zwei Jahrzehnte treibende Kraft und Ideengeber im Spiel, verstarb im vergangenen Jahr kurz nach den Jedermann‑Aufführungen. Er setzte seinen Nachfolger Andi Lagler noch zu Lebzeiten unter Druck mit der Aufforderung: „Wenn du dich traust, dann spiel das Stück.“
Die brillante Umsetzung des Vorhabens unter dem neuen Spielleiter gelang und wurde in Erinnerung an Tomy Grabl an dessen Geburtstag im neuen Spielort, der ehemaligen Schlossturnhalle, aufgeführt. Gäste und Schauspieler genossen das Premierenbuffet, ermöglicht von Gilbert Mühlhofer, Tracht und Sach.
Bericht und Bilder: Thomas Schwitteck
































