Leitartikel

Kolloquium und Medaille Alois Glück

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Alois Glück Kolloquium 2026: Im Zeichen der Finanznot müssen Kommunen noch viel mehr kooperieren und Aufgaben teilen! Prof. Holger Magel erhält die Alois Glück Medaille.

Das war die zentrale Botschaft aller Referenten beim hochklassig besetzten Alois Glück Kolloquium 2026 von HSS und Bayerischer Akademie Ländlicher Raum, ob aus Berlin, vom Land oder den Ministerien: Angesichts einer riesigen Schuldenlast von über 21 Milliarden Euro allein in Bayern und der immer stärker durch zusätzliche Aufgaben be- und überlasteten Kommunen geht es nun um ein neues, kreatives Miteinander der Kommunen sowohl mit den staatlichen Ebenen als auch untereinander mit den Nachbargemeinden.

Trotz finanzieller Überlastung keine neue Gebietsreform, aber viel mehr interkommunale Zusammenarbeit

Viele Leistungen, die bisher allein von einer Kommune geschultert wurden, müssen in Zukunft gemeinsam getragen werden, am besten freiwillig, weil dies von allen Beteiligten besser akzeptiert wird. Interkommunale Zusammenarbeit ist das Gebot der Stunde! Die von den ALEs organisierten, freiwillig eingegangenen Integrierten Ländlichen Entwicklungen (ILE) sind hierfür eine große und weiter auszubauende Chance, ebenso wie die gemeindeübergreifenden oder gar regionalen LEADER-Aktivitäten. Gerade solche positiven Beispiele seien heute dringender denn je.

Hans Peter Mayer, Direktor des Bayerischen Gemeindetags, brachte darüber hinaus weitere Verwaltungsgemeinschaften ins Spiel, um die vielen traditionell kleineren bayerischen Gemeinden im Vergleich zu anderen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen bei der Bewältigung ihrer Aufgaben zu unterstützen. Gerade auf dem Gebiet der so wichtigen Digitalisierung seien die ländlichen Kommunen ziemlich überfordert. Eine neue Gebietsreform und die Bildung größerer Kommunen lehnten die anwesenden Politiker jedoch entschieden ab.

Konnexitätsprinzip künftig auch auf Bundesebene

CSU-MdB Konrad Körner brachte willkommene Hoffnung in die Tagung: Endlich bekennt sich auch der Bund zum Konnexitätsprinzip! Das wird allerdings noch etwas dauern, wie der Amtschef des Finanzministeriums, Harald Hübner, und der Vizepräsident des Bayerischen Landkreistags, Dr. Oliver Bär, in Übereinstimmung mit Städtetagspräsident Markus Pannermayr betonten. Bis dahin muss auf Augenhöhe aller Beteiligten um einen gerechten Finanzausgleich gerungen werden. Zugleich müsse, so der Vorsitzende des Haushaltsausschusses, Josef Zellmeier, den Bürgern die Wahrheit eingeschenkt werden. Nicht alles werde in Zukunft mehr möglich sein.

Das von Holger Magel in seiner Einführung ins Spiel gebrachte soziale Schutzversprechen von Julian Nida-Rümelin hinsichtlich befriedigender Sozialdienste, öffentlicher Infrastrukturen, Bildung und innerer Sicherheit müsse trotz kritischen Hinterfragens möglichst gehalten werden. Schwabens Vizebezirkstagspräsident Peter Schiele schilderte eindrucksvoll den immer schwierigeren Spagat, den die Bezirke zwischen dem gesetzlich gebotenen Einzelschutz kranker und sonstig bedürftiger Menschen nach dem Teilhabegesetz einerseits und dem immer größeren Kostendruck andererseits meistern müssen. Es stelle sich zunehmend die Frage, ob die hohen Standards noch gehalten werden könnten. Damit verbunden sei auch das Versprechen gleichwertiger Lebensbedingungen und angesichts der gerade in Bayern vorherrschenden räumlichen Disparitäten die Frage der räumlichen Gerechtigkeit. Besorgniserregend sei, dass, wie Oliver Bär sagte, jeder zehnte kommunale Haushalt in Oberfranken nicht genehmigt sei.

Unsere Demokratie zählt auf den aktiven Bürger

Einig waren sich die Tagungsteilnehmer, dass gerade jetzt die Chancen der liberalen Demokratie noch beherzter genutzt werden müssten. Angesichts der Erstarkung autoritärer linker und rechtsradikaler Gedanken gelte es, eine starke Antwort auf die Gefährdung der bestehenden Lebens- und Gesellschaftsformen zu geben und die Demokratie im Sinne von Alois Glück mehr denn je zu aktivieren. Dazu riefen insbesondere auch Mitveranstalter und HSS-Vorsitzender Klaus Holetschek sowie der erste Landtagsvizepräsident Tobias Reiß auf. Sie ließen keinen Zweifel daran, dass sich das politische Bayern den autoritären Tendenzen mit Nachdruck entgegenstellen werde, gemeinsam mit den Bürgern.

Auch Keynote-Redner Prof. Martin Burgi von der LMU, der eine Geringschätzung der kommunalen Selbstverantwortung attestierte, plädierte für eine stärkere Bürgermitwirkung. Burgi forderte: „Gebt den Bürgern mehr Eigenverantwortung, lasst sie mehr tun!“

Damit war man wieder bei der von Alois Glück bereits vor über 20 Jahren weitsichtig propagierten neuen Verantwortungsgemeinschaft von Staat, Wirtschaft, Kommunen und Bürgern, also bei der in Wohlstandsjahren viel zu nachlässig behandelten Idee der aktiven Bürgergesellschaft. Nach Jahren der Überfürsorge und eines Ausbaus von immer mehr Wohltaten gehe es nun um beides: einerseits um mehr Subsidiarität, Selbstverantwortung und Mitwirkung der Bürger und andererseits um die Wahrung und Stärkung von Solidarität und gesellschaftlichem Zusammenhalt.

Fachbehörden sind wichtig und kein Selbstzweck

Interessant war die Seitenbemerkung von Burgi angesichts der jetzt dem Landtag übergebenen Reformvorschläge einer Enquetekommission, in denen auch ins Spiel gebracht wurde, Fachbehörden aufzulösen und anderweitig anzugliedern. Burgi stellte dazu fest: „Fachbehörden aufzulösen bedeutet, noch mehr die ohnehin schon überlastete kommunale Ebene zu belasten!“

Holger Magel mit Alois Glück Medaille ausgezeichnet

Eine faustdicke Überraschung für den Co-Tagungsleiter Magel hatte der CSU-Fraktionsvorsitzende und Auslober der Alois Glück Medaille mitgebracht: Zusammen mit Landtagsvizepräsident Tobias Reiß zeichnete er Holger Magel mit dieser Medaille aus und verwies auf die jahrzehntelangen gemeinsamen und äußerst fruchtbaren fachlichen Beziehungen und Aktivitäten, die Magel mit Alois Glück verbunden hatten.

Bereits 1975 war Glück als junger Abgeordneter auf Einladung Magels zu einem Vortrag an die TUM eingeladen worden. Später kam es zur engen fachlichen Zusammenarbeit beim Aufbau des Bayerischen Dorferneuerungsprogramms und der Errichtung der Schulen der Dorferneuerung und Landentwicklung sowie bei der ökologischen Umgestaltung der Flurbereinigungsverwaltung hin zur nachhaltigen Landentwicklungsbehörde. Höhepunkt dieser schließlich zur persönlichen Freundschaft führenden Beziehung war die Herausgabe von insgesamt vier Büchern, darunter der Bestseller „Das Land hat Zukunft. Neue Perspektiven für die ländlichen Räume“. Neue Perspektiven brauche das Land auch heute wieder, ebenso politische Vorbilder.

In seiner Dankrede verwies Magel auf die fachliche und moralische Vorbildwirkung, die Alois Glück für ihn als Ministerialbeamten gehabt habe. Glück und Hans Eisenmann seien für ihn die politischen Fixsterne gewesen. Politische Fixsterne seien gerade auch jetzt wieder dringend notwendig, damit Vertrauen entstehen könne. Auf dieses Vertrauen zwischen Bürgern und Kommunen verwies insbesondere auch Tachings Bürgermeisterin Stefanie Lang in der abschließenden Wertediskussion mit der HSS-Veranstalterin Silke Franke und Tobias Reiß. Die Ergebnisse des Kolloquiums, an dessen Vorläufern Alois Glück mehrmals selbst als Referent mitgewirkt hatte, sind demnächst auf den Webseiten der Bayerischen Akademie Ländlicher Raum sowie der HSS nachzulesen. Bei weiteren Fragen steht Silke Franke von der HSS als Ansprechpartnerin zur Verfügung.

Bericht: Prof. Holger Magel / Fotos: Daniel Schwaiger, Bayer. Bauindustrieverband


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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