Natur & Umwelt

Rückkehr der Wölfe: Von Fährten zu Fakten

Veröffentlicht von Günther Freund

Abschluss des Interreg-Projekts zur Auswirkung der Rückkehr der Wölfe

Seit 2015 gibt es wieder Wölfe im Böhmerwald. Um über die Tiere, die sich selbstständig wieder angesiedelt haben, mehr zu erfahren, haben die Nationalparkverwaltungen Bayerischer Wald und Šumava sowie die Tschechische Agraruniversität Prag im Mai 2023 das Interreg-Forschungsprojekt „Ökologische Auswirkungen der Rückkehr der Wölfe auf das Ökosystem Šumava und Bayerischer Wald“ ins Leben gerufen, das aus Mitteln der Europäischen Union im Rahmen des Programms Interreg Bayern–Tschechien 2021–2027 kofinanziert wurde. Nun konnten bei der Abschlusskonferenz in Wallern (Volary) die Ergebnisse vorgestellt werden.

Ursula Schuster, Leiterin des Nationalparks Bayerischer Wald, betonte dabei, wie wichtig es beim Thema Wolf sei, transparent zu informieren. „Wir haben nach drei Jahren Forschung verlässliche Daten zum Verhalten, zur räumlichen Ausbreitung und zur Fortpflanzung der Tiere und können mit den erhaltenen Ergebnissen Sachlichkeit in die derzeitige Diskussion bringen.“ Auch nach dem Abschluss des Projektes werden die beiden Nationalparkverwaltungen die Entwicklung der Wölfe weiterhin genau im Blick behalten und darüber regelmäßig in der Öffentlichkeit informieren.

Die Projektmitarbeiter mit Ursula Schuster, Leiterin des Nationalparks Bayerischer Wald (hinten 5.v.r.), Aleš Vorel von der Agraruniversität Prag, Pavel Hubený, Direktor des Nationalparks Šumava (unten r.) und Prof. Marco Heurich, Nationalpark Bayerischer Wald verantwortlich für das Projekt (unten 2.v.l.). (Foto: Annette Nigl / Nationalpark Bayerischer Wald)

Für die Erhebung der Daten wurden in einem ersten Schritt Spuren wie Trittsiegel, Losung, Haare oder Reste gerissener Beutetiere untersucht und analysiert. Zusätzlich lieferten Kamerafallen Informationen darüber, wo Wölfe vorkommen, wie sie das Untersuchungsgebiet nutzen und wie viele Junge sie haben. „Besonders genaue Einblicke ermöglichten elf Wölfe, die auf tschechischer Seite bis Ende 2025 mit GPS-Sendern ausgestattet wurden“, erläuterte Aleš Vorel von der Agraruniversität Prag die Vorgehensweise. Im Wolfsjahr 2024/2025 konnten in dem rund 2000 Quadratkilometer großen Untersuchungsgebiet mindestens 38 Wölfe in elf Territorien festgestellt werden sowie fünf einzelne Individuen, die keinem Rudel zugeordnet werden können. „Der Wolf ruht tagsüber möglichst weit weg von Ortschaften und Straßen“, so Aleš Vorel. „Die Daten zeigen, dass Wölfe Begegnungen mit Menschen möglichst vermeiden.“

Da Rothirsche den Großteil der Nahrung der untersuchten Wölfe ausmachen, wurden auch einige dieser Tiere besendert. „Deren Bewegungsmuster haben uns gezeigt, dass sich die Anwesenheit der Wölfe auf das Verhalten ihrer Beutetiere auswirkt“, so Pavel Hubený, Direktor des Nationalparks Šumava. Rothirsche bewegen sich über den Tagesverlauf weniger, nutzen kleinere Streifgebiete und halten sich am Tag häufiger in offenen Flächen und in der Nacht näher an Ortschaften auf. Die Anzahl der Rothirsche, die in der kalten Jahreszeit Wintergatter aufsuchen, sei gerade auf tschechischer Seite in den vergangenen Jahren aufgrund milderer Winter zurückgegangen.

Doch nicht nur das Verhalten von Wolf und Rothirsch wurde bei dem Projekt unter die Lupe genommen, sondern auch die Waldverjüngung. „Generell nahm der Fraß an Bäumen in Kerngebieten der Wolfsrudel und in Gebieten mit hohem Freizeitdruck in den vergangenen Jahren ab“, berichtet Prof. Marco Heurich, im Nationalpark Bayerischer Wald verantwortlich für das Projekt. Der Fraß ist im Nationalpark Šumava insgesamt höher als auf bayerischer Seite im Nationalpark Bayerischer Wald. Betrachtet man die Baumarten, ergeben sich in beiden Schutzgebieten auch andere Unterschiede. Während im Nationalpark Šumava im Jahr 2024 an Eberesche, Buche, Tanne und Fichte weniger Fraß zu verzeichnen ist als im Jahr 2018, trifft dies im Nationalpark Bayerischer Wald nur auf die Tanne zu. Die Buche wies einen höheren Verbiss auf, keine Änderung gab es bei Fichte und Eberesche.


Redaktion

Günther Freund

1944 in Bad Reichenhall geboren, Abitur in Bad Reichenhall, nach dem Studium der Geodäsie in München 3 Jahre Referendarzeit in der Vermessungs- und Flurbereinigungsverwaltung mit Staatsexamen, 12 Jahre Amtsleiterstellverteter am Vermessungsamt Freyung, 3 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Zwiesel und 23 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Freyung (nach Verwaltungsreform mit Vermessungsamt Zwiesel als Aussenstelle). Seit 2009 im Ruhestand, seitdem in Prien am Chiemsee wohnhaft.

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