
Begonnen hat dieses besondere Kapitel am 12. September 1976, dem Fest Mariä Namen. In der Klinik Bad Trißl stand damals eine außergewöhnliche kirchliche Feier bevor: Eine Patientin wurde getauft und empfing am selben Tag die Erstkommunion und die Firmung. Hans Berger übernahm die musikalische Gestaltung. Bereits eine Woche zuvor hatte er aus Patientinnen eine kleine Gesangsgruppe zusammengestellt und mit ihnen für den Gottesdienst geprobt.

Als seine Tätigkeit in der Klinik im Jahr 2013 endete, hörte Berger nicht auf. Er setzte sein musikalisches Wirken im Seniorenheim St. Peter in Kiefersfelden-Mühlbach fort. Dort kommt er nun seit 13 Jahren regelmäßig mit seiner Zither zu den Bewohnerinnen und Bewohnern. Aus 37 Jahren in der Klinik und 13 Jahren im Seniorenheim ist inzwischen ein halbes Jahrhundert geworden.
Eine solche Zahl lässt sich leicht hinschreiben. Was sie tatsächlich bedeutet, wird erst beim genaueren Hinsehen deutlich. Die besondere Größe dieses Engagements liegt nicht in einem einzelnen spektakulären Augenblick, sondern in der Beständigkeit: immer wieder kommen, spielen und gemeinsam singen – Woche für Woche, Monat für Monat, über fünf Jahrzehnte hinweg.
Für kranke und ältere Menschen ist Musik häufig weit mehr als Unterhaltung. Vertraute Melodien können Erinnerungen wecken, Menschen miteinander verbinden und ein Gefühl von Heimat vermitteln. Sie schaffen Augenblicke, in denen die Beschwerden, Sorgen oder die Einsamkeit des Alltags wenigstens für eine Weile in den Hintergrund treten. Hans Berger hat diese unmittelbare Kraft der Musik nicht nur auf großen Bühnen, sondern immer wieder in der persönlichen Begegnung erlebt.

Dabei hätte es in seinem Musikerleben an anderen Aufgaben wahrlich nicht gefehlt. Der 1944 in Oberaudorf geborene und auf dem elterlichen Bergbauernhof in Seebach aufgewachsene Hans Berger begann bereits als Siebenjähriger mit dem Zitherspiel. Im Alter von zwölf Jahren brachte er sich das Orgelspiel bei. Später studierte er am Richard-Strauss-Konservatorium in München, schloss als Musiklehrer ab und legte die Kirchenmusik-B-Prüfung ab.
Seit 1965 ist Berger Organist in der Bergkirche Wall, seit den 1970er-Jahren wirkt er zudem als Kirchenmusiker in Oberaudorf. Als Zithersolist reiste er im Auftrag bayerischer Institutionen in zahlreiche Länder. Einer der herausragenden Momente war eine Konzertreise nach Rom, bei der er vor Papst Benedikt XVI. spielte. Auch Staatsempfänge, Neujahrsempfänge und Weihnachtsfeiern der Bayerischen Staatsregierung gestaltete er musikalisch.
Mit dem Hans-Berger-Ensemble, seinen zahlreichen Einspielungen und Notenausgaben sowie seiner jahrzehntelangen Beschäftigung mit dem musikalischen Nachlass des Müllner-Peter von Sachrang hat er sich bleibende Verdienste um die bayerische Volks- und Kirchenmusik erworben. Dafür erhielt er zahlreiche hohe Auszeichnungen, darunter den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, den Kulturpreis des Landkreises Rosenheim und die Goldene Zither.
Doch die Bedeutung eines musikalischen Wirkens bemisst sich nicht allein an prominenten Zuhörern, Auszeichnungen oder der Entfernung der Konzertreisen. Der Weg von Oberaudorf nach Rom und zurück in das Seniorenheim von Kiefersfelden ist kein Widerspruch. Er zeigt vielmehr, wie umfassend Hans Berger Musik versteht: als Kunst, als Bewahrung kultureller Wurzeln und als Möglichkeit, Menschen Freude, Trost und Gemeinschaft zu vermitteln.
Auch mit über 80 Jahren führt Berger diese Aufgabe fort. Sein 50-jähriges Jubiläum begeht er deshalb nicht mit einem abgeschlossenen Festakt, sondern so, wie es zu seinem Lebenswerk passt: mit Musik, gemeinsamem Gesang und einer Einladung an alle, selbst mitzusingen.
Anlässlich des Jubiläums finden im September noch zwei Veranstaltungen statt. Am Sonntag, 6. September, lädt Hans Berger um 16 Uhr in die katholische Pfarrkirche Oberaudorf ein. Ein weiterer Termin folgt am Mittwoch, 9. September, um 14 Uhr in der katholischen Kirche St. Ursula in Kirchdorf am Inn.


