Gastronomie

Frühe Weinlese in Franken

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Die Weinlese 2026 in Franken ist offiziell eröffnet – und sie startet in diesem Jahr außergewöhnlich früh. Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber hat heute gemeinsam mit Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer sowie der Fränkischen Weinkönigin Angelina Seiler symbolisch die ersten Trauben geerntet und damit den Startschuss für die diesjährige Lese gegeben. Trotz Trockenheit und hoher Temperaturen präsentieren sich die Trauben gesund und von hoher Qualität.

„Dieser Sommer hat unseren Winzerinnen und Winzern einiges abverlangt. Umso mehr freue ich mich, dass wir heute gesunde Trauben von hoher Qualität lesen können. Das lässt auf einen spannenden Jahrgang hoffen – mit reifer Aromatik und kräftigen, charaktervollen Weinen“, betonte Kaniber nach der Ernte der ersten Trauben im Weinberg. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer erklärte: „Weine aus Franken: Das ist Heimat im Glas, die weit über die Grenzen der Region hinaus geschätzt wird! Wir wollen, dass dies so bleibt. Daher werde ich mich auch weiterhin in Berlin und Brüssel für gute Bedingungen für den deutschen Weinbau einbringen. Schon jetzt setzen wir Erleichterungen beim Anbau und der Vermarktung um, das sorgt auch für weniger Bürokratie. All unseren Winzerinnen und Winzern danke ich für ihre – jedes Jahr aufs Neue – großartige Arbeit.”

Nach einem Frühjahr ohne Spätfrost brachte bereits der Juni die erste Hitzeperiode. Auch im weiteren Verlauf des Sommers sorgten hohe Temperaturen dafür, dass die Trauben außergewöhnlich früh reiften. Die meisten Weinberge haben die Trockenheit gut verkraftet. Die Trauben fallen zwar teilweise etwas kleiner aus, sind dafür aber gesund. Die geringere Beerengröße sorgt zudem für konzentrierte Aromen – gute Voraussetzungen für kräftige und aromatische Weine. Diesem Jahrgang sieht die Ministerin voller Optimismus entgegen: „Unsere Winzerinnen und Winzer haben diesen schwierigen Sommer mit viel Können und Einsatz gemeistert. Auch auf den außergewöhnlich frühen Lesebeginn haben sie sich schnell eingestellt. Diese Leistung verdient meinen größten Respekt und meine Anerkennung“, sagte Kaniber.

Franken ist mit rund 6.200 Hektar Rebfläche das größte Weinbaugebiet Bayerns. Knapp 3.000 Winzerinnen und Winzer bewirtschaften dort die Weinberge, viele von ihnen im Nebenerwerb. Rund 30 Prozent der Rebflächen gehören zu Betrieben, die in Genossenschaften organisiert sind. Doch die gute Qualität des neuen Jahrgangs trifft auf eine schwierige Marktlage. Der Weinabsatz steht nicht nur in Franken unter Druck. Mit Blick darauf warb Kaniber auch für einen bewussten Griff zu heimischem Wein: „Wer fränkischen Wein kauft, entscheidet sich nicht nur für ein hochwertiges regionales Produkt. Er unterstützt damit unsere Winzerfamilien und trägt dazu bei, eine einzigartige Kulturlandschaft zu erhalten. Davon profitieren auch Gastronomie und Weintourismus in der gesamten Region“, betonte die Ministerin.

Bundeslandwirtschaftsminister Rainer betonte: „Der Weinbau ist für uns ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und zugleich landschaftsprägend. Wir alle wissen: Wer das erhalten will, muss auch deutschen Wein kaufen. In anderen europäischen Ländern liegt der Anteil einheimischer Weine bei 80 Prozent und mehr; in Deutschland sind es gerade die Hälfte – obwohl viele Weine aus Deutschland Weltklasse sind. Hier dürfen wir ruhig etwas patriotischer werden.” Neue Marktchancen sieht Kaniber auch bei alkoholfreien und alkoholreduzierten Produkten. „Mit der ersten Entalkoholisierungsanlage in Franken und einer weiteren Anlage, für die 2026 der Grundstein gelegt wurde, entstehen neue Möglichkeiten. Unsere Winzer reagieren damit auf veränderte Wünsche der Verbraucher und erschließen neue Märkte“, sagte die Ministerin. Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau begleitet die Betriebe beratend beim Einstieg in dieses neue Produktsegment.

Gleichzeitig unterstützt der Freistaat die Branche mit einem umfassenden Maßnahmenpaket, das Kaniber bereits im April angekündigt hatte. Ein zentraler Bestandteil ist die geplante Rodungsprämie. Es wird mit Hochdruck an der Umsetzung der Rodungsprämie gearbeitet, welche pauschal 5.000 Euro pro Hektar betragen wird. Die Antragsstellung ist voraussichtlich im Dezember 2026 möglich. Ergänzend dazu wird die Steillagenförderung aus dem Kulturlandschaftsprogramm ab 2027 um 50 Prozent angehoben. In der höchsten Erschwernisstufe steigt sie von 4.000 auf 6.000 Euro pro Hektar. Dies gilt neben Neuantragsstellern auch für laufende Verpflichtungen. Mit den genannten Maßnahmen will Bayern Betrieben unter die Arme greifen, die ihre Rebflächen reduzieren möchten, und zugleich die Produktionskapazitäten an die veränderte Absatzsituation anpassen.

„Unsere Winzer stehen vor großen Veränderungen. Wir wollen ihnen dabei Perspektiven geben und den fränkischen Weinbau zukunftsfähig aufstellen. Denn hier geht es um weit mehr als Wein: Es geht um Familienbetriebe, regionale Wertschöpfung und eine Kulturlandschaft, die Franken unverwechselbar macht“, betonte Kaniber abschließend.

Text: StMELF – Foto: Judith Schmidhuber/StMELF


Redaktion

Toni Hötzelsperger

Beiträge und Fotos sind urheberrechtlich geschützt!