Kultur

Fulminantes Konzert auf Herrenchiemsee

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Uraufführung bei den Inselkonzerten auf Herrenchiemsee:  Ein Kaleidoskop musikalischer Gefühle und Stimmungen  – „Einsamkeit“ nach Schubert und Mayrhofer – Melange aus Stimme, Tanz und Klavier mit weltbesten Künstlern

Ein solches mitreißendes Tanztheater in einer Mischung aus den verschiedensten Kunstformen wie Musik, Tanz, Klavier, Gesang und Poesie dürften die ehrwürdigen Räume im Bibliothekssaal des Augustiner Chorherrenstiftes im alten Schloss auf der Herreninsel wohl noch nie gesehen haben. Das Publikum im restlos ausverkauften Saal auch nicht. Die neue deutsch-japanische künstlerische Leiterin der Inselkonzerte, Mona Asuka, versprach zu Anfang ihrer Tätigkeit, neue Akzente zu setzen – und das gelang am vergangenen Sonntag auf fulminante Weise:

In dem relativ kleinen Saal, in dem wegen Brandschutz höchstens 100 Besucher Platz finden dürfen, fand eine erst in diesem Jahr neu choreografierte Aufführung des interdisziplinären Bühnenwerks „Einsamkeit – nach Schubert und Mayrhofer“ statt.

Die einstündige Darbietung fußt auf dem Lied von Franz Schubert (1797 bis 1828) „Einsamkeit“ mit dem Text seines engen Freundes Johann Baptist Mayrhofer (1787 bis 1836). In 12 wort- und bilderreichen Strophen geht es um den Weg eines Jünglings, der im Kloster keinen Frieden findet, ins Leben tritt und in der Welt Geselligkeit, Liebe, Glück und Ruhm im Krieg sucht. Erst als Greis erlebt er in der Einsamkeit die späte Erfüllung seiner Sehnsucht in der Natur.

Diese Komposition ist kein Lied, sondern ein Kaleidoskop musikalischer Stimmungen, aneinandergereihter Affektbilder, die nur durch eine literarisch didaktische Idee miteinander verbunden sind. In einem Brief an Freunde schrieb Schubert „so ist´s mein Bestes, was ich gemacht habe“.

Die Aufführung mit durchweg phantastischen Künstlern erwies sich als sinnlicher Dialog zwischen Körper, Stimme und Klang, Vergangenheit und Gegenwart. Alle Darsteller, schwarz gekleidet, verkörperten die vielfältigen Facetten der Einsamkeit. Besonders die Tänzer – der bahamaisch – amerikanische Ballettänzer, Choreograf und Cellist Nicholas Isaiah King Rose und die brasilianische Tänzerin Leslie Heylmann, faszinierten die Besucher, unterstützt von den Klängen des Klaviers, auf dem Daniel Arkadij Gerzenberg nicht nur Schuberts „Einsamkeit“ spielte, sondern durch weitere Lieder und Spontan-Kompositionen intuitiv ergänzte. Teils rezitierte er eigene Lyrik und teils improvisierte er dazu die Musik am Klavier. Unvergleichlich gewaltig im Klang oder einfühlsam zart war dazwischen immer wieder der Gesang des Ausnahmetenors Julian Prégardien zu hören. Dabei gab es keineswegs eine klare Abgrenzung zwischen den künstlerischen Ausdrucksarten: Körper verschmolzen ineinander, alle vier sangen oder summten einzelne Ausdrücke wie einsam, gemeinsam, Freundschaft, Einigkeit, Zweisamkeit… oftmals in verschiedenen Sprachen. Die gemeinsame Wahrheit durch alle Kulturen hindurch in Kunst und Musik wurde beschworen.

Besonders die Tänzer verlangten den Zuschauern einiges ab, denn die Marmorsäulen im Bibliothekssaal verhinderten wohl auf allen Plätzen einen steten Blick auf das Geschehen, besonders wenn sich die Darsteller am Boden umeinander oder um die Säulen wanden. Geschlechter, Identität, Erinnerung, Sehnsüchte und Traumata schienen bei vielen Teilen der Aufführung miteinander zu verschmelzen. Die Künstler – alle erfüllt von großer Spielfreude – waren hervorragend aufeinander eingestimmt.

Nach dem letzten Klang brach der Beifall nicht sofort los. Aus manchen Mienen schien zu lesen sein: – was hätten wohl die ehrwürdigen Augustiner Chorherren dazu gesagt? Hätte sich Franz Schubert gefreut? Wir werden es nie wissen. Dann aber steigerte sich der Beifall und es gab stehende Ovationen für die Künstler.

Diesmal hatte es keine Pause gegeben, aber vorher konnten sich die Besucher im verwunschenen Rosengarten im Innenhof des Augustiner Chorherrenstifts in der wunderschönen historischen Umgebung erfrischen. Für alle, die von der Musik und der Landschaft der Konzerte auf der Herreninsel begeistert sind, wäre es eine gute Idee, dem 2005 in Prien gegründeten Förderverein „Freunde der Inselkonzerte auf Herrenchiemsee e.V.“ beizutreten, auch um weiterhin so außergewöhnliche Musikerlebnisse zu unterstützen.

Bericht und Bilder: Christiane Giesen 

Eine Uraufführung der besonderen Art im Bibliothekssaal des Augustiner Chorherrenstifts auf der Herreninsel: Einsamkeit nach Schubert und Mayrhofer in einer Mischung von Musik, Tanztheater und Poesie mit Interpreten von Weltrang.

Der Tänzer Nicholas Isaiah King Rose, Lyriker und Pianist Daniel Arkadij Gerzenberg, Tenor Julian Prégardien und die Tänzerin Leslie Heylmann (von links).

Die Künstler bei der Abfahrt von der Herreninsel auf dem Steg „in Zivil“ hinten Julian Prégardien, Daniel Arkadij Gerzenberg, Nicholas Isaiah King Rose, Choreograph Andreas Heise (von links) und vorne Leslie Heylmann.


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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