Kultur

„White Moonlight Night“ im Kloster Reisach

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Eigentlich sollte es ein milder Sommerabend werden. Stattdessen prägten Gewitter, Windböen und kräftige Regenschauer den Auftakt der „White Moonlight Night“ im Kloster Reisach. Doch die Entschlossenheit von Ensemble und Publikum verwandelte die widrigen Bedingungen in eine besondere Form von Intensität: Niemand wich zurück, und genau daraus entstand ein Abend, der sich unerwartet tief ins Gedächtnis einprägte.

Als die Wolken endlich aufrissen, begann das Konzert verspätet – und gewann gerade dadurch an Atmosphäre. Die Musiker nutzten den offenen Hof nicht nur als Bühne, sondern als Resonanzraum, der die Klänge weit hinaustrug und dem Programm eine ungewöhnliche Weite verlieh. Im Mittelpunkt stand eine Besetzung, die man in dieser Kombination selten erlebt: Geige, Ziehharmonika, Kontrabass, Cello und eine Stimme, die mühelos zwischen Klassik, Jazz und Weltmusik wechselte. Anahita Ahsef führte durch den Abend und setzte gleich zu Beginn einen markanten Akzent. Ihre warme, klare und zugleich flexible Stimme ließ „Fly Me to the Moon“ von Bart Howard nicht einfach erklingen, sondern formte es mit feiner Atemführung. Auch „The Shadow of Your Smile“ gelang ihr mit jener kontrollierten Ruhe, die im Freien besonders gefordert ist. In „Youkali“ von Kurt Weill verband sich ihr Gesang mit Geige und Akkordeon zu einem farbigen, fast kammermusikalischen Moment.

Für die funkelnden Linien des Abends sorgte Peter Clemente, dessen internationale Erfahrung in jedem Ton spürbar war. Sein Monti-Csárdás wurde im offenen Hof zu einer virtuosen Herausforderung, die er mit Präzision und Energie meisterte. Auch die Musik von Piazzolla, rhythmisch komplex und atmosphärisch dicht, gelang ihm mit beeindruckender Geschlossenheit. Eine erzählerische Ebene erhielt der Abend durch Andreas Bittl, der nicht nur die Ziehharmonika spielte, sondern auch selbst sang. Seine Mond-Dialoge gaben dem Programm Struktur, und im Duett „Perhaps, Qui sas“ mit Anahita Ahsef zeigte er jene leichte Eleganz, die das Publikum hörbar erreichte. Das klangliche Fundament bildeten Robert Bischoff (Kontrabass) und Michaela Käsemann‑Wilke (Cello). Beide stabilisierten die offenen Klangräume und verliehen Stücken wie „Moonlight Serenade“ eine transparente Balance, die im Freien selten gelingt. Eröffnet wurde der Abend von den Kindern, die gemeinsam mit Anahita Ahsef, Michaela Käsemann‑Wilke und Robert Bischoff „Premierenfieber“ präsentierten. Später, durch den Regen unter Dach geblieben, tauchten sie die Klosterwiese mit Farben und Bewegung in eine heitere Stimmung und sangen und tanzten zu „What a Wonderful World“.

Im weiteren Verlauf übernahm DJ Vismay und öffnete den Abend in Richtung Sommerfest. Klassiker der 60er- bis 80er-Jahre verwandelten den Hof in eine leichte, tanzbare Kulisse.

Als der Mond über den Mauern erschien, entstand ein stiller Moment: Die Kinder sangen „Der Mond ist aufgegangen“ schlicht und berührend. Die folgenden Zugaben verzichteten auf große Gesten und führten den Abend in eine warme, gemeinschaftliche Schlussstimmung, in der Ensemble und Kinder noch einmal zusammenkamen und den Sommerabend ruhig ausklingen ließen. So entstand eine jener seltenen Nächte, in denen Ort, Menschen und Musik ineinandergriffen – und Reisach trotz Wetterkapriolen in ein besonderes Licht tauchte.

 


Redaktion

Toni Hötzelsperger

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