Natur & Umwelt

BGL zertifiziert Naturgärten

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Berchtesgadener Land. Die Auswirkungen der Klimakrise sind inzwischen im eigenen Garten spürbar: Längere Hitzeperioden, ausbleibender Regen und trockene Böden sorgen dafür, dass selbst gut gefüllte Zisternen nicht mehr ausreichen. Die Gartenbauvereine und der Landkreis wollen konkrete Anreize schaffen, private Gärten an das veränderte Klima anzupassen – und gleichzeitig wertvolle Lebensräume für Insekten und andere Tiere fördern. Mit der Naturgartenzertifizierung können Bürgerinnen und Bürger ihre Naturgärten auszeichnen lassen und bekommen praktische Tipps zu Artenvielfalt und Klimawandelanpassung ihres Gartens.

Landrat Michael Koller betonte die Bedeutung dieses Engagements: „Wenn wir diese Plaketten überreichen, dann tun wir das vor allem als Zeichen der Anerkennung. Es ist eine Auszeichnung für großartige ökologische Arbeit, die Sie tagtäglich mit viel Herzblut und Leidenschaft in Ihren grünen Oasen leisten. Die Plakette an Ihrem Gartenzaun setzt zudem ein wichtiges Signal nach außen: Ein naturnaher Garten ist keineswegs ‚gschlampert‘.“

Damit Gärten den steigenden Temperaturen standhalten, empfehlen die Fachleute der Gartenbauvereine vor allem robuste, heimische Wildstauden. Sie kommen mit Trockenheit und Hitze meist besser zurecht, als auf Ertrag oder große Blüten gezüchtete Sorten und sind für spezialisierte Insekten besonders wertvoll. Das Mulchen – etwa mit Grasschnitt oder Laub – auf Gemüsebeeten fördert das Bodenleben wie auch den Humusaufbau und verringert die Verdunstung erheblich, wodurch viel weniger gegossen werden muss. Eine Mulchschicht aus Rasenschnitt unter flachwurzelnden Gehölzen, wie es Beerensträucher meist sind, ist sehr zu empfehlen, da bei längeren Hitzeperioden die oberste Bodenschicht am längsten und stärksten von Trockenheit betroffen ist. Große, liegende Holzstücke im Garten speichern Feuchtigkeit, spenden Schatten für keimende Pflanzen und bieten Nahrung und Lebensraum für unzählige Insekten. Mehr als die Hälfte der ca. 5000 heimischen Käferarten lebt von oder in Holz.

Heimische Gehölze für kühlenden Schatten

Auch die langfristige Struktur des Gartens gewinnt an Bedeutung: Wer jetzt heimische Gehölze pflanzt, schafft den angenehm kühlenden Schatten der Zukunft. Da Bäume und Sträucher einige Jahre brauchen, bis sie gut und tief eingewurzelt sind, wird es mit fortschreitender Erwärmung immer aufwändiger, junge Pflanzen durch die ersten Jahre, geprägt von längeren und trockeneren Hitzeperioden zu bringen. Ergänzend empfiehlt Kreisfachberater Sepp Stein, sich jetzt schon um größere Regenwasserspeicher zu kümmern, damit in Trockenspitzen weniger wertvolles Trinkwasser zum Gießen eingesetzt werden muss.

Heimische Sträucher und Wildstauden wirken auf den ersten Blick oft weniger spektakulär als exotische oder gezüchtete Zierpflanzen. Die etwas kleinere „Show“ wird jedoch durch das rege Treiben von Wildbienen, Schwebfliegen, Hummeln und anderen Insekten mehr als ausgeglichen. Viele Schmetterlinge bevorzugen Nektar aus langen, dünnen Blüten. Dabei ist es den meisten egal, ob heimisch oder nicht. Ein Großteil der Tagfalterraupen jedoch ist auf wenige heimische Futterpflanzen spezialisiert – ohne diese verschwinden folglich auch nach und nach die Schmetterlinge.

Die Zertifizierung von Naturgärten ist im Berchtesgadener Land inzwischen etabliert

Bayernweit gibt es über 3.000 zertifizierte Gärten, im Landkreis Berchtesgadener Land aktuell 85, was ein großes Stück über dem Landesdurchschnitt liegt. Neben Privatgärten wurden heuer auch einige öffentliche Flächen einbezogen, etwa eine Wohnanlage des Wohnbauwerks in Piding, der Schulgarten und der Naturschaugarten des Gartenbauvereins Bischofswiesen und der Kindergarten Rosenhof in Berchtesgaden. Diese Entwicklung freut das Naturgartenteam ganz besonders, da mit den Flächen öffentlicher Träger oftmals eine größeres Areal naturnah gepflegt wird und den genannten „öffentlichen Naturgartenpionieren“ nun hoffentlich weitere öffentliche und betriebliche Flächenbesitzer folgen werden.

Was wird bei einer Naturgarten-Zertifizierung bewertet?
Bewertet werden unter anderem der Anteil heimischer Gehölze und Wildstauden, der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel, eine vielfältige Gartengestaltung mit Strukturen wie Totholz oder Blühflächen, Maßnahmen zur Regenwassernutzung sowie Lebensraumangebote für Insekten und Vögel.

Interessierte Gartenbesitzerinnen und -besitzer können sich beim Kreisgartenfachberater Sepp Stein melden. Nach einer Vor-Ort-Begehung durch fachkundige Personen des Kreisverbands für Gartenbau und Landespflege erhalten die Gärten eine Plakette, die das Engagement für Natur- und Klimaschutz sichtbar macht und zur Nachahmung anregen soll.

Wer Interesse hat, seinen Garten mit der Naturgartenplakette zu veredeln, kann sich unter +49 8651 773-853 oder kreisgartenfachberatung@lra-bgl.de anmelden. Die Aufwandsentschädigung für die ehrenamtlichen Zertifizierer beträgt 40 Euro (für Gartenbauvereinsmitglieder) und 80 Euro für Nicht-Mitglieder. Für allgemeine Gartenfragen steht der Kreisgartenfachberater selbstverständlich ebenso zur Verfügung.

Bericht und Bilder: LRA BGL 

Landrat Michael Koller übergibt die Urkunden und Plaketten für die neu zertifizierten Naturgärten im Berchtesgadener Land.

Übergabe der Urkunden und Plaketten an die Naturgarten-Besitzer im Landkreis BGL 2026

Einen privaten Garten kann man gut an das veränderte Klima anpassen und gleichzeitig wertvolle Lebensräume für Insekten und andere Tiere fördern.


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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