Natur & Umwelt

Teilnehmerrekord beim Schachtenpflegetag

Veröffentlicht von Günther Freund

Über 100 Helfer arbeiten in den Hochlagen – Jährliche Aktion von Wald-Verein und Nationalpark

Eine so große Beteiligung gab es beim Schachtenpflegetag des Bayerischen Wald-Vereins und der Nationalparkverwaltung noch nie. Mehr als 100 Helferinnen und Helfer waren am vergangenen Wochenende im Einsatz, um mit Sensen, Motorsägen und Astscheren die Perlen im Waldmeer von Bewuchs zu befreien.

Ursula Schuster, Leiterin des Nationalparks, zeigte sich überwältigt von der großen Teilnehmerzahl. „Es freut mich, die vielen Schachtenfans zu sehen, die gemeinsam anpacken, um diese wunderbare Kulturlandschaft offenzuhalten.“ Zwar seien seit diesem Jahr mittlerweile drei Schachten beweidet, nämlich der Ruckowitzschachten, Hochschachten und Albrechtschachten.

Auf dem Lindberger Schachten waren der Bürgerverein Buchenau und die Pfadfinder Viechtach im Einsatz.

Gerade die Ausweitung auf den Albrechtschachten in diesem Jahr war sehr zur Freude der Mitglieder der Sektion Lindberg-Falkenstein, die sich traditionell um diese Waldweide kümmern. „Mir wurde schon bestätigt, dass die Tiere gute Vorarbeit geleistet haben“, berichtete Schuster. „Aber unsere Rinder schaffen es natürlich nicht, alles wegzufressen und wir können sie auch nicht auf jedem Schachten einsetzen, schon aufgrund der Zugänglichkeit.“ Deshalb sei die gemeinsame jährliche Schachtenpflegeaktion so bedeutend und wertvoll.

            Gemütliches Beisammensein nach getaner Arbeit am Schachtenhaus.

Auch mit Freischneider, Rechen und Heugabel wurde die Weidetätigkeit der Rinder nachgeahmt, um für mehr Blütenreichtum in den wertvollen Magerrasen zu sorgen. Darüber hinaus wurden in diesem Jahr für die Pflege auch neue Maschinen ausprobiert. „Genau so soll es sein, dass jeder seine Erfahrungen mit einbringen kann“, so Schuster. Gerade wenn Teilnehmer jedes Jahr am selben Schachten im Einsatz sind, sei dies von großem Wert. „Viele haben sich über die Jahre hinweg ein Fachwissen erarbeitet und sehen von einem Mal aufs andere, dass ihre Arbeit auch wirkt.“

So war es beispielsweise am Rindlschachten, der traditionell vom Wald-Verein Mitterfels gepflegt wird. Die Sektion ist in diesem Jahr mit 27 Frauen und Männern angereist, so vielen wie noch nie. Reges Treiben herrschte auch mit der Bergwachtbereitschaft Zwiesel am Ruckowitzschachten. Dass sich auch junge Menschen für die Pflege der Kulturlandschaft begeistern können, zeigte sich eindrucksvoll am Jährlingsschachten, wo Praktikanten und Teilnehmer am Freiwilligen Ökologischen Jahr des Nationalparks zusammen mit der Sektion Regen im Einsatz waren, sowie am Lindberger Schachten. Hier packten die Pfadfinder aus Viechtach gemeinsam mit dem Bürgerverein Buchenau an. Darüber hinaus waren auch viele Helfer weiterer Sektionen sowie Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung vor Ort.

             Für Musik sorgte die „Kircha-Höh-Musi“ aus Lindberg.

Im Anschluss an die schweißtreibende Arbeit gab es beim gemütlichen Beisammensein am Schachtenhaus nicht nur Dankesworte für den Arbeitseinsatz aller, sondern auch für die hervorragende kulinarische Verpflegung. Die Sektion Lindberg-Falkenstein hatte Kartoffelsalat, Schnitzel und Gegrilltes vorbereitet, die Sektion Regen Kaffee und Kuchen.

„Es ist mehr als eine Tradition, dass wir diesen Schachtenpflegetag gemeinsam ausrichten“, freute sich Markus Kerner, Vorsitzender des Bayerischen Wald-Vereins. Ohne den ehrenamtlichen Einsatz sei diese Maßnahme nicht zu schultern. „Es ist eine wunderbare Symbiose, wenn der staatliche Naturschutz mit dem ehrenamtlichen Naturschutz zusammenarbeitet.“ Dem konnte auch Lukas Maier, Naturschutzbeirat des Bayerischen Wald-Vereins, zustimmen. „Danke an alle, die zum Gelingen dieses Tages beigetragen haben.“

Freuen sich über die gelungene gemeinsame Aktion: Nationalparkleiterin Ursula Schuster mit Nationalparkmitarbeiter Tobias Windmaißer (v.l.), Franz Winter, Vorsitzender der Sektion Lindberg-Falkenstein, Markus Kerner, Vorsitzender des Bayerischen Wald-Vereins, und Naturschutzbeirat Lukas Maier. (Fotos: Annette Nigl / Nationalpark Bayerischer Wald)

In all der Freude gab es an diesem Tag aber auch einen Moment der Stille: In einer Gedenkminute wurde an Wald-Vereins-Urgestein Günther Hannes gedacht, der Ideengeber der Schachtenpflege war und im Juli dieses Jahres verstorben ist. Zu seinen Ehren gab Georg Strasser aus Untermitterdorf mit seiner Trompete ein Lied zum Besten.

 

 


Redaktion

Günther Freund

1944 in Bad Reichenhall geboren, Abitur in Bad Reichenhall, nach dem Studium der Geodäsie in München 3 Jahre Referendarzeit in der Vermessungs- und Flurbereinigungsverwaltung mit Staatsexamen, 12 Jahre Amtsleiterstellverteter am Vermessungsamt Freyung, 3 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Zwiesel und 23 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Freyung (nach Verwaltungsreform mit Vermessungsamt Zwiesel als Aussenstelle). Seit 2009 im Ruhestand, seitdem in Prien am Chiemsee wohnhaft.

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