Kultur

Klang-Freuden in Immling

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Festival Immling: Bei der nächsten Premiere – Lucia di Lammermoor- steht ein außergewöhnliches Instrument im Orchestergraben  – Ein unbeschreiblicher Klang

Wenn in diesem Sommer beim Immling Festival „Lucia di Lammermoor“ von Gaetano Donizetti erklingt, dann steht ein außergewöhnliches Instrument im Orchestergraben: eine Glasharmonika. Sie besteht aus Glasröhren – an beiden Seiten offen-, in unterschiedlicher Länge, gefasst in einem Holzrahmen. Ein wenig erinnern diese Röhren an Reagenzgläser. „Solche Gläser werden auch in Chemielaboren verwendet, dadurch sind sie weltweit vorhanden. Wenn also mal was kaputt geht, muss ich nicht in die Glashütte zurück, sondern ich kann ganz schlicht und ergreifend überall auf der Welt sofort einen Ersatz finden“, sagt Sascha Reckert. Seit 20 Jahren rückt er mit seiner „Sinfonia di Vetro“ die Glasinstrumentenpartien der Opern- und Konzertliteratur wieder ins Bewusstsein der Musik.

Erfunden wurde die Glasharmonika 1761 von dem amerikanischen Politiker und Naturwissenschaftler Benjamin Franklin. Und wem der Name jetzt bekannt vorkommt, er war auch der Erfinder des Blitzableiters. Im 18. Jahrhundert war die Glasharmonika populär, zahlreiche Kompositionen entstanden. Bei dramaturgischen Schlüsselszenen wie zum Beispiel in der sogenannten Wahnsinns-Szene in „Lucia di Lammermoor“ wurde sie eingesetzt. Ein Effekt, den Donizetti unbedingt wollte. Später (ab etwa 1830) geriet die Glasharmonika allmählich in Vergessenheit.

Sascha Reckert ist Musiker und Instrumentenbauer und hat sich auf Musikinstrumente aus Glas spezialisiert. „Es gibt weltweit ungefähr zehn professionelle Spieler, die die gesamte Literatur können und die auch die Instrumente haben, das zu spielen. Der Klang ist einfach unbeschreiblich. Man hört ihn irgendwie von überall und nirgends herkommen. Das ist das einzigartige an dem Glas. Je größer der Raum, desto größer der Klang“, erklärt Sascha Reckert und meint schmunzelnd, dass er zuhause schon mal Oropax braucht.

Neben den Glasröhren gibt es noch speziell für die Musik gebaute Gläser, für die höheren Töne, die hat er in der Schweiz fertigen lassen. Auch wenn alles sehr fragil ausschaut – es geht selten was kaputt. Wenn er zu einem Auftritt fliegt, kommen Röhren und Gläser in einen Spezialkoffer und der bekommt einen extra Sitz im Flugzeug. Sascha Reckert und sein Ensemble sind weltweit unterwegs. „Es kann vorkommen, dass die Musiker des Ensembles an einem Abend in vier Opernhäusern in der Welt gleichzeitig spielen.“  Zum Spielen braucht er Wasser. Möglichst kalt und kalkhaltig. Mit den nassen Fingerspitzen bringt er das Glas zum Schwingen. Ein einzigartiger Klang entsteht! Zu hören ab dem 20.Juni beim Immling Festival. Tickets und weitere Informationen unter www.immling.de

Bericht und Bilder: Immling Festival


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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