“For a Better World” mit Giora Feidman – Plädoyer für Frieden, Menschlichkeit und Hoffnung – Interview
Bad Reichenhall. Am 25. Juli um 20 Uhr schlagen Giora Feidman und der iranische Komponist Majid Montazer ein weiteres bedeutendes Kapitel ihrer künstlerischen Zusammenarbeit auf. Nach dem Erfolgsprogramm “Revolution of Love” führen sie ihre musikalische Botschaft fort: mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für Frieden, Menschlichkeit und Hoffnung. Darüber spricht Brigitte Janoschka mit Giora Feidman.
Guten Tag, Herr Feidman, Sie interpretieren die Musik des iranischen Komponisten Majid Montazer. Sind Sie auch beim Prozess des Komponierens involviert?
GF: Wissen Sie, Majid Montazer und ich, wir kennen uns sehr gut. Ich kenne vor allem seine musikalischen Vorstellungen sehr genau, die sich stark mit meinen eigenen decken. Oft sprechen wir über bestimmte Themen oder auch aktuelle weltpolitische Ereignisse. Daraus entstehen dann Ideen, die sich später in musikalische Projekte verwandeln. Für das Album „For a Better World“ haben wir sogar erstmals ein begleitendes Buch mit gleichnamigem Titel veröffentlicht. Darin können die Entstehungsgeschichte, sowie die Gedanken hinter jedem einzelnen Stück aus erster Hand nachvollzogen werden.
Ihr neues Programm heißt „For a Better World“. Diese wünschen wir uns alle. Wie kann Musik im Allgemeinen und die Musik von Majid Montazer in Ihrer Interpretation die Welt zum Besseren verändern?
GF: Die gesellschaftliche Kraft, die Musik entfalten kann, ist immer wieder Gegenstand von Diskussionen. Musik erreicht Menschen verschiedener Kulturen und Sprachen auf einer Ebene jenseits von Worten. Genau darin liegt ihre besondere Stärke. Beim Album „For a Better World“ haben wir ganz bewusst Künstler aus unterschiedlichen Kulturen zusammengebracht: einen iranischen Komponisten, einen in Israel lebenden jüdischen Interpreten. Darüber hinaus haben uns Musiker aus den USA und aus Palästina unterstützt und gemeinsam mit uns musiziert. Während der Aufnahme des Albums herrschten Konflikte zwischen genau diesen Ländern. Daher waren wir uns noch sicherer, ein Zeichen für den Frieden setzen zu wollen.
Wir verstehen uns als Vertreter unserer Länder, die für Frieden und Menschlichkeit eintreten. Schauen Sie – der Krieg ist längst auch in Europa spürbar. Es gibt politische Stimmen, die versuchen, Menschen für Spaltung und Konflikt zu mobilisieren. Umso wichtiger sind Projekte, die durch die Kraft der Musik die Seelen berühren. Musik kann vielleicht die Welt nicht unmittelbar verändern, aber sie kann Menschen verändern – und das ist vielleicht der entscheidende erste Schritt. Ja, ich glaube daran: Musik kann die Welt verbessern.
Inwiefern spiegeln sich in dieser Musik menschliche Befindlichkeiten? Inwiefern macht sie die aktuelle Weltlage fühlbar? Und wie zeigen sich gesellschaftliche Themen in dieser Musik?
GF: Ich gehe in diesem Programm sehr bewusst auf aktuelle Themen ein. Diese Themen fließen nicht nur gedanklich, sondern vor allem musikalisch ein und machen ihn, so hoffe ich, für das Publikum zu einem unvergesslichen Erlebnis. Ich nutze die Bühne ganz bewusst als Raum, um für Frieden, Menschlichkeit und Völkerverständigung einzustehen. Sie wird zu einer Art Brücke – von meiner Seele zur Seele der Zuhörer.
Die Musik spiegelt dabei unterschiedliche menschliche Befindlichkeiten wider: Sehnsucht, Schmerz, Hoffnung, aber auch Freude und Leichtigkeit. Gerade in der heutigen Weltlage ist es mir wichtig, diese Emotionen hörbar und fühlbar zu machen. Denn Musik kann Dinge ausdrücken, für die Worte oft nicht ausreichen. Natürlich spiele ich mit meiner Klezmer-Musik auch Stücke, die den Menschen Freude schenken. Aber gleichzeitig soll jedes Konzert mehr sein als nur ein schöner Abend. Ich wünsche mir, dass die Menschen etwas mitnehmen – einen Gedanken, ein Gefühl, vielleicht sogar eine neue Perspektive, die sie in ihren Alltag weitertragen.
Dürfen wir nach Ihrem Konzert auf eine bessere Welt hoffen?
GF: Das ist eine sehr gute Frage. Lassen Sie mich so antworten: Jeder Mensch lebt in derselben Welt und gleichzeitig in seiner ganz eigenen. Diese vielen individuellen „inneren Welten“ bestimmen, ob wir in einer friedlichen, gemeinschaftlichen Gesellschaft leben oder eben nicht. Genau hier setzt meine Musik an. Wenn es mir gelingt, dass Sie nach meinem Konzert Ihre eigene Sicht auf die Welt ein Stück positiver wahrnehmen, dann habe ich mein Ziel erreicht. Und wenn ich möglichst viele Herzen erreiche, dann bin ich überzeugt, dass wir – zumindest für diesen Moment – gemeinsam eine bessere Welt schaffen. Vielleicht ist es nur ein kleiner Schritt, aber viele kleine Schritte können am Ende sehr viel verändern.
Interview: Brigitte Janoschka
Foto: Kai Weise – Der jüdische Klarinettist Giora Feidman (links) im herzlichen Austausch mit dem iranischen Komponisten Majid Montazer



