Landkreis Rosenheim, Ebersberg, Mai 2026: Das gemeinsame Artenschutzprojekt der Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberbayern und des Fischereiverbands Oberbayern zur Rettung der stark bedrohten Bachmuschel (Unio crassus agg.) ist erfolgreich in das zweite Jahr gestartet. Insgesamt wurden in verschiedene Gewässerabschnitte der Rott, Attel und Kalten nun etwa 10.000 Wirtsfische, die Muschellarven in ihren Kiemen tragen, eingesetzt. Ziel ist es, die natürliche Vermehrung der Muschel wieder in Gang zu bringen und langfristig stabile Bestände zu schaffen.
Die Bachmuschel zählt zu den akut bedrohten Arten unserer heimischen Fließgewässer. Um das Aussterben zu verhindern, werden im Rahmen des Projekts geeignete Wirtsfische gefangen, unter Laborbedingungen mit Muschellarven infiziert und anschließend wieder in ihre Heimatgewässer zurückgebracht. Denn: Die Larven der Muschel, die sog. Glochidien müssen sich nach der Abgabe durch die Muschel innerhalb weniger Tage an die Kiemen ihrer Wirtsfische – wie z.B. Elritze, Nase oder Aitel – anheften, um sich dort anschließend in einem Zeitraum von vier bis sechs Wochen zu Jungmuscheln zu entwickeln. Anschließend fallen sie wieder ab und die nur etwa 0,2 Millimeter großen Jungmuscheln sinken auf den Gewässergrund, wo ihr neuer Lebensabschnitt beginnt. Bei den aktuellen Arbeiten an der Kalten bot sich dem Projektteam sogar ein seltenes Naturschauspiel. Eine Bachmuschel stieß ihre winzigen Larven – die sogenannten Glochidien – in einem feinen Wasserstrahl aus. Die Beobachtung zeigt, wie spezialisiert die Fortpflanzung der Bachmuschel ist.
Kleine Muschel mit großer Wirkung
Die Bachmuschel ist ein unscheinbarer, aber ökologisch bedeutsamer Wasserbewohner: Sie kann bis zu 20 Jahre alt werden, filtert etwa vier Liter Wasser pro Stunde und spielt eine wichtige Rolle für das Ökosystem der Fließgewässer. Ihre Bestände sind jedoch um rund 90 Prozent zurückgegangen. Die Gründe sind vielfältig: verschmutzte Gewässer, der Verlust geeigneter Wirtsfische – und invasive Arten wie die Bisamratte, die Muscheln frisst, erklärt Dr. Leonhard Egg von der Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberbayern. Da sich die Lebensräume und Umweltbedingungen für die gefährdete Muschel verbessert haben, hofft man nun auf den Wiederaufbau stärkerer Bestände.
Dr. Bernhard Gum, Fachberater für Fischerei des Bezirks Oberbayern, ist zuversichtlich: „Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass in den Projektgewässern kleine, aber geeignete Restbestände der Bachmuschel existieren. Diese dienen als Grundlage für die Nachzucht. Der erfolgreiche Start ins zweite Projektjahr und die aktuellen Beobachtungen bestärken uns darin, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzuverfolgen.“ Das geht nur gemeinsam. Maximilian Voit, Präsident des Fischereiverbands Oberbayern, betont die Bedeutung der Zusammenarbeit: „Das Projekt lebt vom Engagement vieler Beteiligter – von Fischereivereinen über Ehrenamtliche bis hin zu den Fischereirechtsinhabern. Nur gemeinsam können wir die Voraussetzungen schaffen, damit sich die Bachmuschel langfristig wieder selbst erhalten kann.“
Engagement vor Ort
Eine zentrale Rolle spielen die im Projekt engagierten Fischereivereine: der Kreisfischereiverein Ebersberg e. V., der Kreisfischereiverein Wasserburg e. V., der Kreisfischereiverein Rosenheim e. V., der Anglerbund Rosenheim, der Anglerbund Isaria, der Verein die Blinker e. V., die Kaltenfischer sowie die Fischereigenossenschaft Rottbach. Sie alle bringen ihre lokale Expertise ein und engagieren sich ehrenamtlich bei Aufgaben wie Elektrobefischungen oder der Auswahl geeigneter Gewässerabschnitte. Koordiniert wird das Projekt vom Fischereiverband Oberbayern und von der Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberbayern. Diese kümmern sich um die wissenschaftliche Begleitung. Das gemeinschaftliche Artenschutzprojekt ist langfristig angelegt: bis 2030 und darüber hinaus.
Ein Video zum Projektstart und Lebenszyklus der Bachmuschel finden Sie hier:
https://fischereiverband-oberbayern.de/aktuelles/artenschutzprojekt-zur-rettung-der-bachmuschel-in-oberbayern-gestartet/
Bericht und Bilder: Bezirk Oberbayern/FVO








