Berchtesgadener Land. Vor rund zehn Jahren verbreitete sich das Bakterium Erwinia amlovara, auch bekannt als Feuerbrand, und ließ Obstbäume und Sträucher aus der Familie der Rosengewächse absterben. Seit dieser Epidemie ist es ruhig geworden um den Erreger – vermutlich, weil zu wenig anfällige Wirtspflanzen zur Verfügung standen und eine schwül-warme Witterung zur entsprechenden Zeit nicht gegeben war.
Seit dieser Woche gibt es jedoch mehrere Verdachtsfälle aus den Landkreisen Rosenheim, Traunstein und nun auch im Berchtesgadener Land. Wird der Erreger frühzeitig erkannt und richtig gehandelt, kann ein großflächiger Befall der Obstbäume verhindert werden.
Der Feuerbranderreger ist einer der, wenn nicht der gefährlichste Erreger an den heimischen Obstbäumen: Er verbreitet sich schnell über Wind, Regen-Spritzwasser, saugende Insekten und Vögel. Bei einem Befall über die Blüte, Verletzungen oder auch durch natürliche Öffnungen an frischen Trieben kann das Bakterium einen Baum innerhalb mehrerer Tage bis weniger Wochen komplett abtöten. Die Geschwindigkeit der Verbreitung wie auch des Befalls ist stark wetterabhängig: Ab einer Temperatur über 18°C und einer Luftfeuchte über 70%, wie es vergangene Woche der Fall war, geht es sehr schnell.
Erste Verdachtsfälle wurden in Laufen und Anger entdeckt. Es ist aber davon auszugehen, dass Infektionen flächig über den Landkreis hinweg vorkommen. Befallen werden Rosengewächse. Dem Bakterium wenig entgegenzusetzten haben besonders Weißdorn, Quitte und Birnen. Bei Birnen ist die Resistenz stark sortenabhängig. Ältere Bäume können sich besser schützen als junge. Apfel, Zierquitte, Feuerdorn, Vogelbeere und Felsenbirne werden ebenfalls befallen, sind jedoch etwas resistenter.
Werden an den genannten Pflanzen einzelne dürre Triebe mit einer gebogenen Triebspitze, bei dem die Blätter nicht abfallen und braun bis schwarz werden, entdeckt, sind Gartenbesitzer zum Handeln aufgefordert: Diese Triebe müssen schnellstmöglich bis weit ins gesunde Holz hinein (30-40 cm) abgeschnitten werden. Die befallenen Triebe dürfen nicht auf den Komposthaufen oder gehäckselt werden. Sie sind schnellstmöglich in der Biotonne zu entsorgen oder zu verbrennen. Auch vergraben, mindestens 40cm tief, ist eine Möglichkeit. Nach dem Schnitt muss die Schere, bzw. Säge desinfiziert werden, etwa durch abflammen oder besprühen mit einer 70%igen Spirituslösung.
Zwar gibt es Krankheiten bzw. Schädigungen wie Monilia oder den Birnentriebbohrer, die beide welke Triebspitzen verursachen, aktuell ist aber zu empfehlen, sicherheitshalber jegliche welke Triebspitzen an Rosengewächsen großzügig zu entfernen.
Bei Fragen steht Kreisgartenfachberater Sepp Stein telefonisch unter +49 8651 773-853 oder per E-Mail an kreisgartenfachberatung@lra-bgl.de zur Verfügung. Detailliertere Infos zum Feuerbrand finden Sie bei der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft unter www.lfl.de.
Bericht: LRA BGL – Fotos: Torben Thums
Fotos von einem Feuerbrand-Verdachtsfall im Landkreis: WA0002: möglicher Feuerbrand an einem diesjährig gewachsenen Trieb. Je länger die frischen Triebe, desto höher die Infektionsgefahr: Wassertriebe sind besonders gefährdet.
WA0004: Hängende Treibspitzen und anhaftende verwelkte Blätter (werden mit der Zeit schwarz); Symptome des Feuerbrandes – und von der Pilzkrankheit Monilia
WA0005: Die Triebwelke, verursacht durch Monilia wird meist nach max. 20-30 cm von der Pflanze gestoppt. Feuerbrand wandert schnell Richtung Stamm und Wurzeln, wenn der Ast nicht vorher schnell entfernt wird.






