Kultur

Premiere bei Salzburger Pfingstfestspiele

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Barrie Koskys „La Cage aux Folles“ (Käfig voller Narren)  –  „Il Viaggio a Reims“ als Turbo-Slapstick bei den Salzburger Pfingstfestspielen  –   von Daniella Rieger-Böhm

Die Eröffnungsoper der diesjährigen Pfingstfestspiele unter der künstlerischen Leitung von Mezzosopranistin Cecilia Bartoli entsprang der Feder von Gioachino Rossini (1792-1868). Das Premierenpublikum erlebte mit „Die Reise nach Reims“ ein visuelles Spektakel, das, trotz der Leichtigkeit der Musik, schwer im Magen lag.

Die Story der Oper ist simpel: Reisende sind unterwegs nach Reims, in der Salzburger Fassung nach Paris zu „Cecis“ Gesangsfestival. Mit dem Eurovisions-Songcontest in Wien vor einer Woche noch im Gedächtnis, wird man direkt in Cecilia Bartolis Festival-Geburtstagsreigen hineingezogen. Gemeinsam mit Freund und Regisseur Barrie Kosky wird „Il Viaggio a Reims“ zur Hommage an die Künstlerin Cecilia Bartoli, die am 4.Juni ihren 60. Geburtstag feiern wird.

Die Reisenden bleiben im Hotel „Zur goldenen Lilie“ stecken, weil es keine Pferde gibt. Die Nacht bietet Gelegenheit zu einem slapstickartigen „Bäumchen wechsel dich“, das bis zum Exzess betrieben wird, und bei dem die übergroßen Türen permanent knallen. Die Oper beginnt mit einem langen Paukenwirbel, den es im Original nicht gibt, wie so viele zusätzliche Gags, etwa Zitate von Mozart (Rache-Arie der Königin der Nacht), Beethoven (Ode an die Freude), Brahms (Guten Abend, gut‘ Nacht). Man hatte das Gefühl, das Team um Regisseur Barrie Kosky und Dirigent Gianluca Capuano unternahm alles, um das Tempo aufrechtzuerhalten und noch mehr anzuziehen, bis einem fast schwindelig wurde vor Geschwindigkeit und Reizüberflutung.

Zu Beginn wirkte die Entstaubung der Opera buffa, die auch nach der Pariser Uraufführung 1825 nur mäßig erfolgreich war, erfrischend. Unterstützt von den phantasievollen und farbenprächtigen Kostümen von Victoria Behr und dem stimmungsvollen Bühnenbild von Rufus Didwiszus, wurde ein Revuetheater bester Manier geboten. Eine Riesen-Drehtür, die ständig Pagen und Hotelgäste temporeich ausspuckte, während der bestens disponierte Chor der Oper Monte-Carlo und das perlend spielende Orchester „Les Musiciens du Prince“ aus Monaco im Graben die solide Basis für die musikalischen Hochleistungen der Sänger auf der Bühne boten.

Weil die Erde rund ist, gibt es auf ihr keinen klaren Verstand“

17 hochkarätige Sängersolisten gaben sich sprichwörtlich die Türklinke in die Hand, um hochvirtuos mit der Koloraturpracht ihres Gesanges zu glänzen. Mélissa Petit als ihren überdimensionalen Hut suchende französische Contessa di Folleville, Tara Erraught als Hotelbesitzerin Madame Cortese schweben in sicheren Sopranhöhen, während Marina Viotti als polnische Marchesa Melibea mit einem angenehmen Mezzosopran überzeugt. Dmitry Korchaks als russischer Conte di Libenskof entzückt mit seinem strahlenden Tenor und Spitzentönen bis zum d“. Mit dem Klischee eines Schweinebraten essenden, dicken Deutschen hat Bariton Misha Kiria als Baron Trombonok die Lacher auf seiner Seite, während der Spanier Don Alvaro, gesungen vom Bassisten Peter Kellner, feurig und der Engländer Lord Sidney (Ildebrando D’Arcangelo, Bassbariton) vornehm edel ist.

Die Europäer wirbeln bunt und scheinbar chaotisch durcheinander, bis die „Muse Musik“ in Gestalt der Corinna, alias Cecilia Bartoli, alle beruhigt und vereint. Ihre zwei Arien, nur mit Harfenbegleitung, sind fast die einzigen Ruhemomente während der turbulenten drei Stunden. Nur schade, dass sie ihre Arie “All’ombra amena del Giglio d’Or”, mit den virtuosen Improvisationen am Ende der Oper (ursprünglich, um die Krönung von König Karl X. zu feiern), nicht zu Ende singt. Sie verlässt vorzeitig die Bühne, um dann aus einer übergroßen Torte zu springen. Da fehlte nur noch das gemeinsame „Happy Birthday“ für sie. Ein Finale, bei dem alle schwarz gekleidet sind, nur “La Divina“ strahlt im Lavendel-Lila. Ihre Fans sind entzückt und trampeln im Haus für Mozart wie bei einem Pop-Rock-Konzert.

Applaus und Lob gebührt jedoch auch den anderen KünstlerInnen, die mit Stimmvirtuosität und der hohen Kunst der Komik brillieren.

Bericht und Fotos: Daniella Rieger-Böhm / SF

1) Abschlussapplaus (Foto_Daniella Rieger-Böhm)

2) Cecilia Bartoli entspringt ihrer eigenen Geburtstagstorte (Foto_SF)

3) Wir müssen hier im Hotel bleiben (Foto_SF)

4) Cecilia Bartoli als Corinna (Foto_SF)


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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