Zusammenspiel zwischen Mensch und Natur – Ein Aufruf an alle Gartenbesitzer zur Naturgartenzertifizierung
Mit den ersten warmen Tagen kehrt wieder neues Leben zurück in die heimischen Gärten. Genau jetzt ist die Zeit, dem eigenen Garten eine Stimme zu geben. Mit der Naturgartenzertifizierung ruft der Kreisverband für Gartenbau und Landespflege BGL e.V., nach bereits 71 zertifizierten Gärten, zum sechsten Mal alle Gartenliebhaber dazu auf, ihre grünen Oasen zu zeigen – nicht gestriegelt und geschniegelt, sondern lebendig, wild, atmend. Gesucht werden Gärten, die nicht nur wachsen, sondern erzählen: von Vielfalt, von Geduld, von Freude, aber auch Frust und Überraschungen. Kurz: Vom Zusammenspiel zwischen Mensch und Natur.
Ein Naturgarten ist kein perfekt designtes Bild aus dem Hochglanzkatalog. Er ist das Resultat von Natur, die sich innerhalb der vom Gartler aufgestellten Leitplanken entwickelt. Hier dürfen auch Wildkräuter – in anderen Gärten „Unkräuter“ genannt – zeigen, was sie können. Oftmals sind sie die einzige Nahrung von spezialisierten Insektenlarven. Hier summt und krabbelt es, weil auf synthetische Dünger und chemischen Pflanzenschutz verzichtet wird. Heimische Pflanzen finden ihren Platz und werden für spezialisierte Insekten zur wichtigen Brotzeit. Herumliegendes Totholz ist Wohn-, Geburts-, Schlaf-, und Kinderzimmer sowie Küche unzähliger Insektenarten, und eine einfache Wasserstelle wird zum Treffpunkt für die geflügelte Gäste.
Doch der Naturgarten ist nicht nur für heimische Pflanzen, Insekten, Vögel und andere Tiere da. Auch der Mensch fühlt sich hier wohl, weil er sich aus dem Gemüsebeet gesund und natürlich ernähren, jungen Menschen Natur vor der Haustüre näherbringen, und Obst von den Bäumen ernten kann.
Wer seinen Garten anmeldet, lädt zwei ausgebildete Mitglieder der Gartenbauvereine in seinen Garten ein. Bei einer Gartenführung werden Tipps gegeben, es wird gefachsimpelt und anhand einer Checkliste der Garten auf seine Naturnähe hin untersucht. Wichtig dabei sind die Kernkriterien: Es darf weder synthetische Düngung noch synthetischer Pflanzenschutz angewandt und kein Torf im Garten verwendet werden.
Damit das Zertifikat vergeben werden kann, müssen nach der „Pflicht“ auch in der „Kür“ Punkte gesammelt werden: Insektenfreundliche Blumen, heimische Sträucher, Laubbäume, vielfältige Kleinbiotope, Wiesenelemente, ein „wildes Eck“ und allgemein das Zulassen von Wildkräutern sind Elemente, die einen Naturgarten auszeichnen. Auch bei der Gartenbewirtschaftung an sich wird genauer hingeschaut: Eine gute Kompostwirtschaft, Gemüsebeete und Kräuter, Obst, Mischkultur, Beachtung der Fruchtfolge, der Einsatz von Gründüngung und schonendes Mulchen, Regenwassernutzung und der Einsatz von umweltfreundlichen und regionaltypischen Materialien kennzeichnen einen naturnahen Garten. Wurde der Garten von der Jury als Naturgarten anerkannt, bekommen alle Naturgartlerinnen und Naturgartler in einem der ausgezeichneten Gärten die Naturgartenplakette samt Urkunde vom Landrat überreicht. Die Freude am Garteln, und der Austausch Gleichgesinnter kam dabei bisher noch nie zu kurz.
Die Anmeldung ist ab sofort möglich. Für eine erfolgreiche Zertifizierung fallen Aufwandspauschalen in Höhe von 40,00 € für Gartenbauvereins-Mitglieder an. Für Nicht-Gartenbauvereinsmitglieder fallen Kosten in Höhe von 80,00 € an. Weitere Informationen erhalten Interessierte beim Kreisfachberater für Gartenbau und Landschaftspflege, Sepp Stein unter josef.stein@lra-bgl.de oder +49 8651 773-853.
Bericht und Fotos: Landratsamt Berchtesgadener Land







