Wirtschaft

Marqauartstein: Ausbau der B 307

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

In der letzten Gemeinderatssitzung in Marquartstein ging es um das Planfeststellungsverfahren zum Ausbau der B307 Donau-Geisenhausen.

In einem Beschluss vom März 2023 befürwortete die Gemeinde aufgrund des sehr schlechten Zustandes grundsätzlich den Ausbau der B 307. Jetzt wurde die Planung finalisiert und das Planfeststellungsverfahren eingeleitet. Die Gemeinde gibt hierzu eine Stellungnahme ab. Aus Sicht der Verwaltung sind insbesondere die massiven baulichen Eingriffe in Natur und Landschaft durch die gewählte Trassenführung sowie die Unterhaltspflichten zulasten der Gemeinde kritisch zu bewerten.

Bürgermeister Andreas Scheck (BfM) fand es sehr bedauerlich, dass die vor drei Jahren abgegebene Stellungnahme durch die Gemeinde offensichtlich keinerlei Berücksichtigung gefunden hat, denn der Stand der Planfeststellung sei weitestgehend identisch zum Vorentwurf. Gemeinderat Toni Entfellner (Grüne/Offene Liste) ging in seinem Urteil sogar noch weiter und fand es schlichtweg eine „Frechheit“ wie hier mit dem Eingriff in die Natur, den Bewohnern vor Ort und auch mit Steuermitteln umgegangen werde.

Die Trassenführung im Bereich km0+500 bis zirka km0+900 (entspricht in etwa dem Bereich der Doppel-S-Kurve bei Donau) sieht nach wie vor eine erhebliche Begradigung der B 307 vor. Dies würde zu massiven Geländeeinschnitten führen, die wiederum den Bau umfangreicher Stützkonstruktionen erforderlich machen. Der Einwand der Gemeinde lautet, dass hier ein erhebliches Optimierungspotenzial vorliegt. Durch eine engere Radienführung, in Kombination mit einer Geschwindigkeitsreduzierung, hätte eine wesentlich geländeschonendere und ökologisch verträglichere Lösung erarbeitet werden können. Außerdem wurde die Sorge geäußert, dass die sehr gradlinige Führung der neuen Fahrbahn zu überhöhten Geschwindigkeiten und riskanten Überholmanövern einlädt. Die Gemeinderäte und die Verwaltung sahen die geplante Bauweise als Widerspruch zum Ziel einer harmonischen Landschaftseinbindung und der Verkehrssicherheit im Sinne einer Tempomäßigung.

Die Planung sieht weiter vor, dass ein ursprünglich nach Norden verlaufender Feld- und Waldweg nun eine Abzweigung nach Osten oberhalb der Stützmauer erhält. Die Gemeinde soll hier als Eigentümer und Unterhaltspflichtiger eingetragen werden. Das lehnt die Gemeinde ab, es besteht weder für die Gemeinde noch ein öffentlicher Nutzen hierfür. Eine Differenz liegt auch bei der Widmung eines öffentlichen Feld- und Waldwegs und eines Eigentümerweges vor.

Schutz der Trinkwasserversorgung – nur eine Ressource für den gesamten Ort

Der weitere Trassenverlauf in Richtung Marquartstein sowie die vorgesehene Flutmulde verlaufen innerhalb der Schutzzone III des Trinkwasserschutzgebietes der Gemeinde Marquartstein. Hier weist die Gemeinde mit aller Deutlichkeit darauf hin, dass es sich bei dem betroffenen Quellgebiet um die einzige Trinkwasserressource für die gesamte Ortsversorgung handelt. Es gibt keine Redundanz, jede Beeinträchtigung stellt eine unmittelbare Gefahr für die Daseinsvorsorge der Bevölkerung dar. Kritisch sah der Gemeinderat und die Verwaltung daher insbesondere die mit der vorgelegten Planung erhöhte Fahrgeschwindigkeit und schwerwiegende Folgen von Unfällen auf das Wasserschutzgebiet.

Auch die Planung einer Flutmulde als Hochwasserabfluss innerhalb dieses sensiblen Bereichs wurde von den Gemeinderäten mit großer Sorge betrachtet. Es besteht die Gefahr, dass durch den konzentrierten Abfluss von möglicherweise verunreinigten Hochwässern (Schadstoffe) das Quellgebiet langfristig geschädigt oder verunreinigt werden könnte. Die Gemeinde fordert hier die Flutmulde außerhalb des Schutzgebietes anzuordnen, sofern das technisch auch nur ansatzweise realisierbar ist. Die Gemeinde fordert weiter, die strikte Einhaltung der Richtlinie für bautechnische Maßnahmen an Straßen in Wasserschutzgebieten in der jeweils aktuellsten Fassung.

Einstimmig beschloss der Gemeinderat die Stellungnahmen fristgerecht (26. Mai) einzureichen.

Text und Fotos: Sybilla Wunderlich

Straße B 307 beim Ortsteil Donau

 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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