Natur & Umwelt

BGL: Schutz für kiesbrütende Vögel

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Pünktlich zum Frühling kommen viele Zugvögel zurück ins Berchtesgadener Land – darunter mit Flussuferläufer und Flussregenpfeifer auch zwei vom Aussterben bedrohte, kiesbrütende Vogelarten. Dabei macht ihnen der Verlust ihrer Lebensräume zu schaffen – wie auch Störungen während der Brutzeit und Aufzucht ihrer Jungen. Das Landratsamt bittet daher dringend darum, die Beschilderungen des Kiesbrüterschutzprojekts zu beachten.

Die kleinen Hochleistungslieger haben bereits eine weite Reise hinter sich: Sie kommen aus West- und Südafrika und aus dem Mittelmeerraum, wo sie die Winterzeit verbracht haben. Angesichts ihrer geringen Größe ist das eine beachtliche Leistung. Mit etwa 15 bis 22 Zentimetern sind sie kaum größer als eine Bachstelze oder eine Wasseramsel. Mit diesen besteht auch durchaus Verwechslungsgefahr: So kann der Flussregenpfeifer einer Bachstelze aus der Ferne recht ähnlichsehen. Der Flussuferläufer hingegen fällt durch sein ständiges Wippen mit dem Hinterkörper auf – ein Tick, den in ähnlicher Weise auch Wasseramseln haben – und auch Bachstelzen, die aber mit ihrem Schwanz wippen.

Doch warum nehmen die kleinen Vögel einen so beschwerlichen und energieraubenden Langstreckenflug auf sich? Der Grund ist einfach: Sie kommen hierher, um in ihrer und unserer Heimat zu brüten und ihren Nachwuchs aufzuziehen. Dies ist die wichtigste Aufgabe ihres Lebens – und heutzutage eine Aufgabe, die sich als immer schwieriger gestaltet.

 Brüten unter schwierigen Bedingungen

Dabei leben und brüten die kleinen unscheinbaren Vögel an naturnahen Flussabschnitten. Solche Lebensräume sind in Mitteleuropa selten geworden – durch Flussregulierungen, Begradigungen, Entwässerungen der Auen und anderer Eingriffe der vergangenen 200 Jahre. Im Berchtesgadener Land finden sich noch geeignete Bereiche – etwa entlang der Saalach, Salzach und der Berchtesgadener Achen. Hier halten sich die Vögel auf Flussinseln, Sand- und Kiesbänken auf, um nach Nahrung zu suchen, sich zu paaren, zu brüten und später ihre Jungen aufzuziehen. Ihre Eier legen die Kiesbrüter in eine flache Bodenmulde, zwischen Steine oder niedriger Vegetation. Vor Fressfeinden sind die brütenden Elterntiere und ihre Eier allein durch ihre Tarnfarben geschützt, durch die sie kaum von dem umgebenden Kies zu unterscheiden sind. Eine natürliche Herausforderung während der Brut und Jungenaufzucht stellen Hochwasser dar. Daran sind die Vögel jedoch angepasst: Werden Gelege weggeschwemmt, können die Vögel meist noch einmal neu brüten.

Deutlich problematischer sind jedoch Störungen durch Menschen – etwa durch Spaziergänger, anlandende Kanus, Rafts oder freilaufende Hunde. Diese werden bereits ab einer Annäherung bis auf 80 Meter als Gefahr wahrgenommen – viele Kiesbänke an unseren Flüssen sind jedoch kaum größer. So reagieren Flussuferläufer und Flussregenpfeifer während der Brutzeit besonders sensibel auf solche Störungen. Sie verlassen das Nest, versuchen Störer wegzulocken – oder geben im schlimmsten Fall ihre Brut ganz auf.

Der Schutz der letzten Kiesbrüter – eine Herausforderung

Entlang des bayerischen Alpenkamms gibt es seit einigen Jahren regionale Schutzprojekte in Kooperation mit dem bayernweiten Artenhilfsprogramm Kiesbrüter des Landesamtes für Umwelt und des LBV. Diese setzen sich für den Erhalt dieser vom Aussterben bedrohten Arten ein. Hierzu zählt auch das Kiesbrüterschutzprojekt des Berchtesgadener Lands, das sich mithilfe der tatkräftigen Unterstützung von Ehrenamtlichen für den Schutz der letzten Kiesbrüterpaare im Landkreis einsetzt. So werden dieses Jahr zum fünften Mal in Folge die Vorkommen im Landkreis erfasst. Außerdem werden einige wenige geeignete Kiesbänke entlang der Saalach mit Hinweisschildern versehen. Diese weisen darauf hin, dass es sich dort um Brutreviere handelt – die nicht betreten werden sollten.

In den vergangenen Jahren kam es jedoch trotz hinreichender Beschilderung immer wieder zu Störungen: Die Kiesbänke wurden betreten oder sogar als Lager- und Rastplätze genutzt, auf denen Uferbauten errichtet wurden. So gelang es dort nicht mehr, gesicherte Nachweise der Kiesbrüter zu erhalten. Daher mussten mit dieser Saison die Beschilderungsbemühungen etwa im Bereich Freilassinger Au eingestellt werden. Die dortige Kiesbank wird wahrscheinlich künftig nicht mehr als potenzieller Brutplatz genutzt.

Dies ist besonders problematisch, da es entlang der Saalach ohnehin nur noch sehr wenige geeignete Kiesbänke gibt, die als Brutplätze im Frage kommen. Als Brutplätze sind nur größere Kiesbänke mit niedrigerer Vegetation geeignet, die zugleich möglichst störungsarm liegen. Nur dort haben die Vögel eine realistische Chance, ihre Jungen erfolgreich großzuziehen.

Rücksicht ist überlebenswichtig – damit die Kiesbrüter eine Chance haben

Umso wichtiger ist daher Rücksichtnahme. Besonders die etwas abgelegeneren und weniger beliebten Kiesbänke sollten möglichst nicht betreten oder angefahren werden – im Bereich Freilassinger Au, bei Hammerau und Bichlbruck, sowie im Landschaftsschutzgebiet Oberes Saalachtal vom Saalachsee bis zur Grenze bei Melleck. Auch wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Hinweisschilder an ausgewiesenen Kiesbänken unbedingt zu achten, und die betreffenden Kiesbänke nicht zu betreten sind. Andernfalls kann die Brut der Vögel gefährdet werden und damit die Lebens- und Brutstätten der Kiesbrüter gestört werden. Auch dürfen bestehende Hinweisschilder nicht entfernt werden.

Nur so haben die letzten Brutpaare von Flussuferläufer und Flussregenpfeifer hier im Landkreis noch eine Chance, ihren Bestand nachhaltig zu erhalten. Sie sind angewiesen auf die Mithilfe und Rücksicht jedes Einzelnen. Dann können sie ihren Nachwuchs aufziehen – und sich mit ihm im Spätsommer wieder auf den langen Weg in den Süden machen.

Bericht und Bilder: LRA BGL 

Störungen auf Kiesbänken – wie diese in 2025 mit Hinweisschildern versehene Kiesbank – kann zur Revier- und Brutaufgabe führen. In der betreffenden Kiesbank wurden in der Folge keine Nachweise mehr erbracht.

Der Flussregenpfeifer ist mit bloßem Auge nur schwer auf den Kiesbänken zu erkennen. (Quelle:  Bouke ten Cate, CC BY 4.0 httpscreativecommons.orglicensesby4.0, via Wikimedia Commons)


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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