Natur & Umwelt

40 Jahre Naturpavillon Übersee

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Zu einem rundum gelungenen Fest für Jung und Alt entwickelte sich die Jubiläumsfeier zu 40 Jahre Naturpavillon. Anfangs noch bei kühlen Temperaturen und Nieselregen, der niemandem etwas auszumachen schien, kam im Laufe des Vormittags noch die Sonne heraus, so dass bei dem folgenden Fest mit vielen Attraktionen noch bis in den späten Nachmittag gefeiert wurde.

Der Naturpavillon Übersee am Zellerpark – eine Zweigstelle des Landesbunds für Vogelschutz, Umweltstation Wiesmühl – war seit seiner Gründung im Jahr 1986 eine Einrichtung mit dem Ziel, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die Natur näher zu bringen. Dank der professionellen Leitung und vieler ehrenamtlicher Helfer entwickelte sich der Naturpavillon im Laufe der Jahrzehnte immer weiter: heute ist er auch mit Unterstützung der Gemeinde, zahlreicher Überseer Vereine, Schulen und Kindergärten ein gefragtes Bildungszentrum, das von der ganzen Achentalregion und dem Landkreis genutzt wird.

Musikalisch eröffnet von dem Kinderchor „Chiemseespatzen“ unter Leitung von Anita Falkinger begrüßte die Leiterin und Geschäftsführerin des Naturpavillons, Martina Mitterer, die vielen Gäste und Ehrengäste zum Auftakt des offiziellen Teils.

Übersees erster Bürgermeister Herbert Strauch erläuterte kurz die Entstehung des Naturpavillons, zu dem es bereits im Jahr 1977 im Umweltministerium die ersten Überlegungen gegeben hatte. „Die Gemeinde Übersee liegt in der stark frequentierten Fremdenverkehrsregion Chiemsee/Chiemgau und hat selbst ein großes Gästeaufkommen. Die Lage der Gemeinde am Chiemsee mit den bekannten großen Feuchtgebieten und Wäldern in der Umgebung zieht Urlauber gerade wegen der noch weitgehend intakten Natur an. Die Gemeinde Übersee hat auch auch erkannt, daß dieses Kapital für den Fremdenverkehr gerade durch den Tourismus stark gefährdet ist. Die Gefahr der Zerstörung noch intakter Natur durch den Erholungssuchenden ist mehr ein Problem der mangelnden Aufklärung weiter Bevölkerungskreise. Die Natur wird meistens nicht mutwillig, sondern aus Unkenntnis zerstört …“ Was heute so aktuell wie vor 44 Jahren klingt ist ein Zitat von Oktober 1980, das Dr. Franz Forchheimer an den damaligen Landtagsabgeordneten Alois Glück schickte, zitiert von Herbert Strauch. Mit großem Dank an die Leiterin des Naturschutzpavillons, Martina Mitterer, stellte er fest, dass das Thema heute aktueller denn je sei. Die geforderte Umweltbildung und das Verständnis für die Natur werde mit Hilfe dieser Einrichtung in Übersee in Kindergärten, Schulen, aber auch mit Hilfe von Rangern und Gebietsbetreuern von Landkreis und Gemeinde im Gelände geleistet. Im Naturpavillon werden das ganze Jahr hindurch Ausstellungen und Veranstaltungen organisiert, bei denen das Verständnis für die Natur teils spielerisch teils durch fundierte, anschauliche Informationen gestärkt wird.

Weiterer Redner war Helmut Beran, Geschäftsführer Naturschutzpolitik und Personal, beim Landesbund für Vogelschutz (LBV). Vor 40 Jahren sei Umweltbildung noch keine Selbstverständlichkeit gewesen, umso bemerkenswerter sei es, dass Übersee, damals vertreten durch Peter Stöger, zusammen mit dem Umweltministerium dieses Bildungsangebot geschaffen habe. Vor 30 Jahren sei als weiterer Partner der LBV dazu gekommen, dessen Kernziele die Bildung für nachhaltige Entwicklung nach dem Motto „hier nicht leben auf Kosten von anderswo und heute nicht leben auf Kosten von morgen“ gewesen sei. Mit seinen Programmen erreiche der LBV von kleinen Kindern bis zu Senioren über 130 000 Menschen pro Jahr.

Als der Umweltgarten in Wiesmühl 2019 als staatliche Umweltstation anerkannt wurde, wurde der Naturpavillon in Übersee zur Außenstelle dieser Umweltstation und der LBV erhielt die Trägerschaft. Dabei bestehe eine enge Zusammenarbeit mit der Gemeinde Übersee, die für den Gebäudeunterhalt aufkommt und den Naturpavillon mit einem jährlichen Beitrag und Hilfen über den Bauhof unterstütze. In den nächsten zwei Jahren werde mit dem Ökomodell Achental in dem Kooperationsprojekt „Die 17 Nachhaltigkeitsziele in der Region sichtbar“ machen zusammengearbeitet. Ein Schwerpunkt der Feier lag dementsprechend auf den 17 Nachhaltigkeitszielen der Agenda 2030. Sie wurden in Zusammenarbeit mit dem Ökomodell Achental an den Mitmachstationen sichtbar und spielerisch erfahrbar gemacht.

Weiterer Festredner war Übersees Altbürgermeister Peter Stöger, der von den Anfängen des Naturpavillons berichtete, was vor allem finanziell für die Gemeinde eine große Herausforderung darstellte. Vor 40 Jahren war der Naturpavillon im Zellerpark kurz nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl eröffnet worden, wobei den Leuten die enormen Auswirkungen dieser Katastrophe noch gar nicht bewusst gewesen seien.

Das bunte Festprogramm im Anschluss bot zahlreiche Mitmachstationen, zum Beispiel unter dem Motto „So bunt ist die Wiese“ oder „Leben unter Wasser“. Dabei konnten zum Beispiel Tiere und Pflanzen bestimmt werden. Reger Andrang herrschte beim Maimarkt am Naturpavillon, begleitet vom Pflanzentauschmarkt des Gartenbauvereins und dem Bauernmarkt. An vielen Ständen wurden regionale Produkte wie Honig, aber auch Töpferarbeiten und Fossilien angeboten. Der Familienstützpunkt bot kostenloses Eis für alle an. Ergänzt wurde das Angebot durch Bastelaktionen, der Herstellung von Naturkosmetik sowie Wissenswertem rund um Wildkräuter. Außerdem gab es fundierte Informationen zu Balkonkraftwerken und Klimaschutz, ausgearbeitet vom Arbeitskreis Klimaschutz Übersee. Im hinteren Bereich des Naturpavillons fand ein Kinderflohmarkt statt, wobei viel Spielzeug und Kinderbücher ihre Besitzer wechselten.

Die musikalische Gestaltung bestritt nach den Chiemseespatzen der Cantiamo Chor unter Leitung von  Birgit Detsch sowie nachmittags die „Hast Dawei Musi“, Auftritte der Feldwieser Trachtenkinder und der Überseer Blaskapelle. Für das leibliche Wohl war mit Angeboten aller Art bestens gesorgt.

Bericht und Bilder: Christiane Giesen

Der Cantiamo Chor Übersee sorgte für die musikalische Untermalung

Großer Andrang herrschte beim Pflanzentauschmarkt des Gartenbauvereins Übersee.

Der Kinderchor „Chiemseespatzen“ mit Martina Mitterer, Leiterin des Naturpavillons.

Verschiedene Stände bei dem Jubiläumsfest.

 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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