Kultur

Verdis “Maskenball” in Immling

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Zwischen Traum und Wirklichkeit – Verena von Kerssenbrock inszeniert Verdis „Maskenball“

Das Immling Festival feiert in diesem Sommer gleich zwei Jubiläen: Seit 30 Jahren begeistert das Opernfestival sein Publikum, und seit einem Vierteljahrhundert prägen die Schwestern Cornelia und Verena von Kerssenbrock das künstlerische Gesicht Immlings. Während Cornelia von Kerssenbrock als Dirigentin den unverwechselbaren Klang des Festivals formt, sorgt Verena von Kerssenbrock mit ihren bildgewaltigen, fantasievollen Inszenierungen immer wieder für eindrucksvolle Theatermomente.

Die Regisseurin, Schauspielerin und Autorin studierte Bühnen- und Kostümbild am Mozarteum Salzburg sowie Schauspiel an der Actor’s Working Academy in Vancouver. Dass sie heute häufig nicht nur Regie führt, sondern auch ihre Bühnenbilder selbst entwirft, ist deshalb kein Zufall. „Ich bin ein Augenmensch“, sagt sie. Tatsächlich beginnt für sie jede Inszenierung mit einem Bild. Aus ihm entwickelt sich die Geschichte, der Raum wird zum Mitspieler und erzählt oft ebenso viel wie die Figuren selbst.

An ihren Einstieg in Immling erinnert sie sich noch heute mit einem Schmunzeln. 2002 erhielt sie – vermittelt durch Claus Hipp – gemeinsam mit ihrer Schwester die Chance, Otto Nicolais Die lustigen Weiber von Windsor zu erarbeiten. Es war ihr Regiedebüt. Doch gleich nach der Premiere kam alles anders als geplant: Der Hauptdarsteller fiel krankheitsbedingt aus. Ein Ersatz war zwar schnell gefunden, Proben waren jedoch nicht mehr möglich. Kurzerhand schlüpfte die Regisseurin selbst in ein Kostüm – ausgerechnet in das einer Prostituierten –, um den Sänger während der Vorstellung unauffällig über die Bühne zu führen. „Das Publikum hat nichts bemerkt“, erzählt sie lachend. „Aber die Mitarbeiter des Festivals standen grinsend in der Ecke.“

Improvisationstalent gehört offenbar ebenso zu ihrem Beruf wie Fantasie. Beides bringt Verena von Kerssenbrock auch in ihrer aktuellen Produktion ein. In diesem Sommer inszeniert sie erstmals Giuseppe Verdis Un ballo in maschera. Besonders reizt sie das Spiel mit den Masken. „Dieses Wechselspiel von Schein und Sein fasziniert mich“, sagt sie. „Was ist Wirklichkeit? Was ist Fiktion? Oder ist am Ende alles nur ein Traum?“

Auch musikalisch zählt das Werk für sie zu den großen Opernerlebnissen. „Verdi zieht einen unmittelbar in seine Geschichten hinein. Seine Musik entwickelt einen regelrechten Sog.“

Wenn sich am 18. Juli der Vorhang zur Premiere hebt, liegen intensive Probenwochen hinter Ensemble und Regieteam. Für Verena von Kerssenbrock beginnt dann jener Moment, auf den jede Regisseurin hinarbeitet: Wenn die eigene Vorstellung nicht mehr ihr allein gehört, sondern sich im Austausch mit dem Publikum entfaltet.

Informationen und Tickets unter www.immling.de

Bericht und Bilder: Immling Festival / Verena von Kerssenbrock


Redaktion

Toni Hötzelsperger

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