Zwei Samerberger Racer bei der Mountainbike-Downhill-Europameisterschaft in Bulgarien – Per Paulsen und Vinzenz Krüger vom Raceteam Bikepark Samerberg starteten für das deutsche Nationalteam
Für Vinzenz Krüger und Per Paulsen vom Raceteam Bikepark Samerberg wurde die Reise nach Bulgarien zu einem besonderen Höhepunkt ihrer bisherigen Saison. Die beiden Nachwuchsfahrer wurden vom Deutschen Radsportverband German Cycling für die Downhill-Europameisterschaft vom 14. bis 16. August in der Juniorenklasse nominiert und gingen in den Vitosha Mountains bei Sofia im deutschen Nationaltrikot an den Start.
Die Nominierung war eine besondere Auszeichnung und zugleich die Belohnung für eine starke Saison. Mit guten Platzierungen bei Rennen der Continental Series und des iXS European Downhill Cups hatten sich die beiden Samerberger auf anspruchsvollen Strecken in ganz Europa für die Europameisterschaft empfohlen.
Mit dem Camper durch Europa
Die Reise nach Bulgarien begann für die beiden nicht erst mit der Europameisterschaft. Gemeinsam mit ihren Eltern ging es im Camper auf große Tour. Dabei wurde der Sommerurlaub mit dem Sport verbunden: Ein Rennen des Europacups in Polen sowie Trainingseinheiten in verschiedenen Bikeparks in Polen und der Slowakei standen auf dem Programm. Anschließend führte die Route durch Ungarn und Rumänien bis nach Sofia und in das Vitosha-Gebirge.
Auf rund 1.500 Metern Höhe, direkt neben dem Zielbereich der Rennstrecke, wurde das Fahrerlager eingerichtet. Der Camper wurde zum mobilen Zuhause: Hier wurde geschlafen, gegessen, regeneriert und über die bevorstehenden Läufe gesprochen. Gleichzeitig mussten die Mountainbikes für die Trainingseinheiten und Rennen vorbereitet werden. Wartung, Reparaturen und die optimale Einstellung der Bikes gehörten ebenso zum Alltag wie die sportliche Vorbereitung.
Für angenehme Bedingungen sorgte das Wetter. Die Tage blieben trocken und überwiegend sonnig, bei Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad.
Eine Strecke, die keine Fehler verzeiht
Am Donnerstagnachmittag besichtigten die deutschen Starter die Strecke erstmals zu Fuß. Der sogenannte „Track Walk“ – die Streckenbesichtigung vor dem Rennen – gehört im Downhill zur Vorbereitung, denn die Fahrer müssen sich bereits vor der ersten Fahrt möglichst genau mit dem Verlauf und den schwierigen Stellen vertraut machen.
Der erste Eindruck war eindeutig: Die Strecke wurde einer Europameisterschaft mehr als gerecht. Vom Start auf rund 1.900 Metern Höhe führte sie auf einer Länge von etwa zwei Kilometern fast 400 Höhenmeter bergab. Nahezu die gesamte Strecke verlief durch den Wald. Abwechslungsreich und technisch anspruchsvoll wechselten sich felsige und enge Passagen mit steilen, sehr schnellen Abschnitten und flacheren Stücken ab, auf denen die Fahrer kräftig in die Pedale treten mussten. Zeit zum Verschnaufen gab es kaum. Der trockene, lockere Waldboden bot insbesondere in den Kurven wenig Halt und verdeckte teilweise querliegende Wurzeln.
Zusätzliche Herausforderung: Die Strecke war ungewöhnlich breit angelegt. Dadurch konnten die Fahrer an vielen Stellen unterschiedliche Linien wählen – also verschiedene Wege durch eine Passage. Die Entscheidung für die schnellste und zugleich sicherste Linie war damit ein wichtiger Teil des Rennens.
Training, Tüftelei und die Suche nach der besten Linie
Das freie Training am Freitag bestätigte die Eindrücke der Streckenbesichtigung. Viele der anwesenden Spitzenfahrer verglichen den Kurs mit anspruchsvollen Weltcup-Strecken. Auch für Per und Vinzenz wurde schnell klar, dass nicht nur fahrerisches Können, sondern auch eine gute Kondition gefragt war.
In sechs Trainingsfahrten probierten die beiden verschiedene Linien aus, beobachteten andere Fahrer und suchten an entscheidenden Stellen nach Möglichkeiten, noch Zeit herauszuholen. Immer wieder wurde angehalten, um andere Fahrer zu beobachten und deren Linienwahl zu analysieren. Auch die Bikes mussten immer wieder an die Bedingungen angepasst werden. Reifen wurden gewechselt, die Federung verändert und beschädigte Felgen ausgetauscht. Im Downhill ist die Abstimmung des Fahrrads ein wichtiger Bestandteil der Vorbereitung, denn schon kleine Veränderungen können das Fahrverhalten beeinflussen.
Qualifikation als erste Standortbestimmung
Am Samstagnachmittag stand nach einer weiteren Trainingsrunde das Qualifikationsrennen auf dem Programm. Dabei wird die Startreihenfolge für das Finale ermittelt. Die Fahrer starten einzeln mit einem Abstand von 30 Sekunden und versuchen, die rund zwei Kilometer lange Strecke möglichst schnell zu bewältigen.
Für beide Samerberger lief der Qualifikationslauf solide: Nach knapp vier Minuten Fahrzeit kamen Per auf Platz 23 und Vinzenz auf Platz 25 ins Ziel. Beide waren sich anschließend einig, dass im Finale noch mehr möglich sein sollte.
Spannendes Finale mit zwei Top-20-Platzierungen
Am Sonntagmittag wurde es ernst. 310 Teilnehmer aus 26 Ländern gingen beim Finale an den Start. Im Fahrerlager stieg die Spannung, und nicht nur die beiden Racer waren nervös – auch bei den mitgereisten Eltern war die Anspannung deutlich zu spüren.
Entlang der Strecke hatten sich zahlreiche Zuschauer versammelt, insbesondere an den technisch anspruchsvollen Schlüsselstellen. Sie feuerten die Fahrer lautstark an und sorgten für die besondere Atmosphäre, die ein internationales Mountainbike-Rennen auszeichnet.
Vinzenz ging um 13:59 Uhr auf die Strecke. Mit einer Fahrzeit von 3:51,21 Minuten war er mehr als vier Sekunden schneller als im Qualifying. Auch Per, der eine Minute später startete, zeigte eine starke Leistung und kam nach 3:53,99 Minuten ins Ziel – nahezu exakt seiner Qualifikationszeit entsprechend.
Da der im Training und Qualifying stark beanspruchte Kurs im Finale noch schwieriger zu fahren war, waren mit diesen Zeiten die Chancen auf eine Verbesserung der Platzierungen für beide wahrscheinlich. Am Ende erreichte Per Paulsen den 20. Platz und zeigte sich mit diesem Ergebnis sehr zufrieden. Vinzenz Krüger belegte Rang 17 und fuhr damit ebenfalls unter die besten 20 der europäischen Junioren-Fahrer. Für Vinzenz wäre sogar noch mehr möglich gewesen. Im unteren Teil der Strecke stürzte er und verlor dadurch mehrere Sekunden, die ihn einige Plätze kosteten. Dennoch überwog auch bei ihm die Freude über das starke Ergebnis. Stürze gehören bei Downhill-Rennen zum Risiko dieses Sports – wie sich auch bei einigen der Topfahrer zeigte, die ebenfalls stürzten.
Erfolgreicher Abschluss einer besonderen Reise
Mit zwei Platzierungen unter den besten 20 bei der ersten Teilnahme an einer Europameisterschaft setzten Per Paulsen und Vinzenz Krüger ein starkes Ausrufezeichen. Für das Raceteam Bikepark Samerberg, das Teil des WSV Samerbergs ist, sind die Ergebnisse eine Bestätigung für die geleistete intensive Jugendarbeit und Beleg dafür, dass das Team sich in der europäischen Spitze etabliert hat. Nach dem Besuch der Siegerehrungen ging es mit zufriedenen Gesichtern, vielen positiven Eindrücken und zahlreichen neuen Kontakten auf die Heimreise.
Bericht und Bilder: Ralf Krüger, Raceteam Bikepark Samerberg






