Kultur

REI: Zeitklang im Münster St. Zeno

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Bad Reichenhall. Mit Wolfgang Amadeus Mozarts großer c-moll-Messe endete das Festival Zeitklang im Münster St. Zeno. Nach dem Jubiläumsfest des Klosterhofs sowie einem vielfältigen Begleitprogramm mit historisch informierten Konzerten und Themenführungen setzte das Abschlusskonzert einen eindrucksvollen musikalischen Schlusspunkt.

Die Wahl des Werkes knüpfte dabei nicht nur an Mozarts enge Verbindung zu Bad Reichenhall an. Der Komponist hielt sich mehrfach gemeinsam mit seinem Vater Leopold Mozart in der Stadt auf und spielte hier sogar die Orgel. Zugleich verwies das Programm auf die historische Bedeutung des Münsters und des Klosters für die Entwicklung der Stadt. Ergänzt wurde das Konzert durch Werke von Joseph Joachim Benedikt Münster (1694–1767) und Andreas Hofer (1628–1684), zwei Musikern mit engen Wurzeln in der Region und großer Bedeutung für das Musikleben in Bad Reichenhall und Salzburg.

Das Festival spannte damit erneut einen weiten Bogen von regionaler Musikgeschichte über europäische Einflüsse der Renaissance und des Frühbarocks bis hin zur weltweiten Ausstrahlung von Mozarts Werk. Diese Verbindung von Forschung, Vermittlung und Aufführung macht das Festival Zeitklang zu einem kulturell und musikwissenschaftlich bemerkenswerten Projekt.

Gemeinsam mit dem Orchester Alpenbaroque sorgte das Vokalensemble „Designing Voices“ unter der Leitung von Professor Jörn Andresen für einen himmlisch-eindrucksvollen Klang im Münster. Den Auftakt gestaltete Bass Filippo Turkheimer mit dem festlichen Werk „Lasset die Trompeten und Paucken nun hörn“ von Joseph Joachim Benedikt Münster. Später im Programm interpretierte er das „Laudate pueri“ von Andreas Hofer. Beide Kompositionen waren nach Angaben im Programmheft seit ihrer Entstehungszeit nicht mehr aufgeführt worden.

Im Mittelpunkt des Abends stand jedoch Mozarts unvollendete c-moll-Messe. Obwohl einzelne Teile des Credo sowie das gesamte Agnus Dei fehlen, zählt das Werk zu den bedeutendsten geistlichen Kompositionen des Salzburger Meisters. Besonders das Gloria beeindruckt durch seine Unterteilung in mehrere eigenständige Chöre und Solostücke, die stilistisch abwechslungsreich gestaltet sind.

Die Solopartien übernahmen Yasmin El Fahri Medina, Senda de la Montaña und Johanna Bleiweiss (Sopran), Kilian Brandscherdt (Tenor) sowie Filippo Turkheimer (Bass). Mit ausdrucksstarken Arien, virtuosen Koloraturen und fein abgestimmten Ensemblepassagen in verschiedenen Konstellationen verliehen sie dem Werk große Lebendigkeit. Der international besetzte Chor der „Designing Voices“ überzeugte insbesondere in den groß angelegten Chorsätzen wie dem „Gloria in excelsis Deo“, dem achtstimmigen „Qui tollis“ sowie dem machtvollen Doppelchor des „Sanctus“.

Die Sängerinnen und Sänger, allen voran die Solisten, wurden dem hohen Anspruch der Mess-Komposition mit ihrer stilistischen Vielfalt und der musikalischen Komplexität mit beeindruckender Souveränität gerecht und schufen ein geistliches Konzert mit großer Aussagekraft. Das Abschlusskonzert wurde so zu einem bewegenden musikalischen Erlebnis und würdigen Finale eines Festivals, das Vergangenheit und Gegenwart, sowie Raum und Zeit auf besondere Weise miteinander verband.

Bericht und Fotos: Brigitte Janoschka

8847: Johanna Bleiweiss und Senda de la Montaña singen das “Domine Deus“. Prof. Jörn Andresen leitet die Aufführung.

8863: Das Quartett im „Benedictus“ mit (von links) Yasmin El Fahri Medina, Senda de la Montaña, Dirigent Prof. Jörn Andresen, Kilian Brandscherdt und Filippo Turkheimer

8883: Begeisterter Applaus für (von links) Yasmin El Fahri Medina, Senda de la Montaña, Johanna Bleiweiss, Dirigent Prof. Jörn Andresen, Barockposaunist und Organisator Robert Schlegl, Kilian Brandscherdt und Filippo Turkheimer, sowie das Alpenbaroque-Oechester

 


Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

Beiträge und Fotos sind urheberrechtlich geschützt!